Ein Gespräch mit dem Klimaforscher und Umweltökonom Reimund Schwarze, der gegenwärtig die Beratungen in Posen begleitet - zweiter Teil

ZEIT ONLINE: Vor etwa zwei Wochen warnte die EU-Kommission, Europa könne seine Klimaschutzziele verfehlen, wenn man nicht bald gegensteuere. Angesichts der Autokrise fordern derzeit vor allem deutsche Politiker, die klimapolitischen Auflagen für die Unternehmen zu lockern. Wird die EU an ihren Klimazielen festhalten?

Reimund Schwarze: Ich denke schon, allerdings wird es wohl viele Ausnahmen für energieintensive Industrien und die Automobilindustrie geben. Bis zu den letzten Tagen in Posen wird es auch keine Lastenaufteilungsregel zwischen den Ländern der EU geben, insbesondere im Verhältnis zu Polen. Da könnte uns noch manche Überraschung erwarten. Aber insgesamt denke ich, dass man an den Zielen des integrierten Energie- und Klimaprogramms festhalten wird.

Die sind ambitioniert: Immerhin will die EU bis 2020 ihre CO2-Emissionen um 20 Prozent senken und 20 Prozent ihres Energieverbrauchs einsparen. Ich finde es unbedingt sinnvoll, auch in der Finanzkrise daran festzuhalten. Andere Länder werden ihre Politik an dem Verhalten der EU ausrichten. Die Stabilität der Energiehandelsmärkte hat sehr viel damit zu tun, dass die EU verlässliche Signale setzt.

ZEIT ONLINE: Stabilität? Die bisherige Emissionshandelspolitik ist doch harsch kritisiert worden, gerade weil sie zu starken Preisschwankungen am Markt führte.

Schwarze: Die EU hat aus der Pilotphase von 2005 bis 2007 ihre Lehren gezogen. Eine davon: Wenn man Energieversorger und Unternehmen zu großzügig mit Emissionsrechten ausstattet, treibt das die Preise nach unten.