In einer ersten Bilanz berichtet das chinesische Gesundheitsministerium, dass weitaus mehr Kinder an gepanschter Milch erkrankt sind, als zunächst berichtet worden war. Mehrere Hersteller hatten Milchpulver mit der giftigen Chemikalie Melamin versetzt, um einen höheren Eiweißgehalt des Pulvers und damit eine bessere Qualität vorzutäuschen.

War im September offiziell noch von rund 50.000 Vergiftungsfällen die Rede, sprechen die Behörden inzwischen von einer Viertelmillion kranker Kinder. Derzeit lägen noch 851 von ihnen mit Nierenproblemen im Krankenhaus, 154 Säuglinge seien in einem schlechten, aber stabilen Zustand, hieß es aus Peking.

Der monatelang vertuschte Skandal war erst im September aufgeflogen, als immer mehr Kinder durch das gestreckte Milchpulver erkrankten. Bei rund zwei Dutzend Herstellern wurden Produkte gefunden, die Melamin enthielten. Der verbotene Stoff wird in der Industrie als Bindemittel und als Beschichtungsmaterial für Spanplatten verwendet. Bei den Kleinkindern verursacht die Chemikalie Nierensteine.

Das Ministerium in China bestätigte jetzt den Tod von weiteren drei Babys nach dem Verzehr von Milchpulver. Zuvor waren bereits drei Todesfälle bekannt geworden. Die Säuglinge kamen aus der Provinz Gansu, jeweils einer aus der Nachbarprovinz Shaanxi sowie den südlichen Provinzen Jiangxi, Zhejiang und Guizhou. 51.900 Kleinkinder mussten in Krankenhäusern versorgt werden.

Der Zusatz von Melamin war in der chinesischen Milchindustrie weit verbreitet. Mit der Chemikalie wurde auch Viehfutter künstlich gestreckt, sodass der Stoff in die Nahrungskette gelangte und selbst in Eiern und Eiprodukten nachgewiesen wurde.