Auch zwei Tage nach den verheerenden Terrorangriffen ist die Lage in Mumbai verworren: Im Taj-Mahal-Hotel hält ein einzelner Attentäter, der zwei Geiseln in seiner Gewalt hat, Hunderte Einsatzkräfte weiterhin in Atem, beschießt sie und wirft Granaten gegen sie. "Er bewegt sich in zwei Stockwerken hin und her. Es gibt einen Teil mit einer Tanzfläche, wo er alle Lichter ausgeschaltet hat", sagte Generalleutnant N. Thamburaj. Der Extremist kenne sich in dem Gebäude besser aus als seine Männer, sagte der Chef einer Spezialeinheit, "er ist zu allem entschlossen und erbarmungslos". Er habe in dem 105 Jahre alten Luxushotels 50 Leichen gesehen, ergänzte der Einsatzleiter. Nach Berichten indischer Medien sollen sich dort außerdem große Mengen Sprengstoff befinden.

Weitestgehend unter Kontrolle ist dagegen die Lage im jüdischen Gemeindezentrum, nur einen Steinwurf vom Taj-Mahal-Hotel entfernt. Dort hatten sich im Morgengrauen rund 100 Spezialkräfte aus Hubschraubern abgeseilt, am Nachmittag sprengten Sondereinheiten außerdem ein Loch in die Außenmauer des Gebäudes, in dem die mutmaßlich muslimischen Extremisten sich mit mehreren jüdischen Gefangenen verschanzt hatten. Trotzdem war es den Einsatzkräften nicht gelungen, das Leben von fünf der insgesamt acht Geiseln zu retten. Die Sicherheitskräfte hätten zwar zwei Attentäter getötet, dann aber die Leichen der Israelis entdeckt, teilte die Polizei mit. Unter den Toten sind auch ein aus den USA stammender Rabbiner und seine Frau, wie deren in New York ansässige Organisation mitteilte. Die Polizei erklärte, die Operation sei noch nicht beendet, das Gebäude werde durchsucht.

Die indischen Sicherheitskräfte verzeichneten allerdings auch Erfolge: Am Nachmittag brachten sie das ebenfalls lange umkämpfte Hotel Oberoi unter ihre Kontrolle. Dabei wurden ebenfalls zwei Terroristen getötet. 24 Leichen konnten geborgen werden. Insgesamt wurden 143 Hotelgäste mit Bussen in Sicherheit gebracht, darunter zwei Mitarbeiterinnen des Auswärtigen Amtes (AA) sowie mehrere Lufthansa-Mitarbeiter. Verletzte wurden in Krankenhäuser gefahren. Das Hotel teilte auf seiner Homepage mit, dass das Personal gemeinsam mit Sicherheitskräften das Hotel Zimmer für Zimmer durchsuche und Gäste zu einer nahe gelegenen Einrichtung geleite, wo Erste Hilfe geleistet werde. Die Einsatzkräfte hätten zwei Terroristen erschossen.

Die von der indischen Polizei befreiten deutschen AA-Mitarbeiter seien wohlauf und befänden sich in der Obhut des Generalkonsulats, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Berlin. Unklar ist, ob die Deutschen als Geiseln festgehalten wurden oder sich in Hotelzimmern verschanzt hatten. Bei den sieben Mitarbeitern der Lufthansa handelt es sich um drei Deutsche, eine Österreicherin und drei Inder. Die Inder seien bei ihren Familien in Mumbai. Die Europäer befänden sich in der Obhut der Lufthansa und würden medizinisch und psychologisch betreut. Die Menschen, die während der Anschlagswelle als Geiseln gehalten wurden oder sich verschanzt hatten, hätten "extreme Entbehrungen erlebt und zwei Tage lang nichts gegessen", teilten die Behörden mit.