Mumbai Wer sind die Täter?
Welcher Organisation die Angreifer von Mumbai angehören, ist noch unklar. Indien sucht die Verantwortung in Pakistan. Dessen Regierung widerspricht. Der Ton wird schärfer

© Indranil Mukherjee/AFP/Getty Images
Indische Sicherheitskräfte suchen während eines heftigen Schusswechsels mit den Attentätern im Taj-Hotel Deckung hinter ihren Fahrzeugen
Sehr wahrscheinlich ist, dass die Attentäter muslimischen Glaubens sind. Offenbar spielen die Spannungen zwischen Hindus und Muslimen im Land eine Rolle für ihr Handeln. Auch der Konflikt um Kaschmir, der seit der Gründung Pakistans im Jahr 1947 zwischen Indien und seinem Nachbarland schwelt, wird in Zusammenhang mit den Attentaten gebracht.
Es waren rund zwei Dutzend Angreifer im Alter von Anfang 20, bewaffnet mit Maschinengewehren, Granaten und Rucksäcken voller Munition. Sie kamen über das Meer und fuhren in Booten zu den Touristenzentren auf der Halbinsel, auf der die Altstadt von Bombay liegt. Aus einem Fahrzeug schossen sie dort wahllos auf Passanten, auf Menschen in einem Bahnhof, in Krankenhäusern und in dem beliebten Touristen-Treffpunkt Café Leopold. Dann verschanzten sie sich in mehreren Luxushotels. Fachleute sprechen von ungewöhnlich schweren Terroranschlägen.
"Die Extremisten machen ... Mumbai (Bombay) zu ihrem bevorzugten Schlachtfeld", schreibt die Neue Züricher Zeitung (NZZ) . "Die Stadt repräsentiert all das, was sie hassen: Sie ist multikulturell, sie ist das Tor zum Ausland, und sie verkörpert die Öffnung des Landes zur westlich geprägten Globalisierung."
Zwar bekannte sich die bislang nicht in Erscheinung getretene muslimische Gruppe Deccan Mudschaheddin zu den Anschlägen. Doch am Taj-Hotel, einem der umkämpften Luxushotels, festgenommene Terroristen gaben an, der berüchtigten muslimischen Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (Armee der Reinen) anzugehören. Das berichtete die Nachrichtenagentur PTI. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Indische Medien berichteten, ein Sprecher der Gruppe habe jede Beteiligung zurückgewiesen.
Lashkar-e-Toiba fordert die Unabhängigkeit Kaschmirs, das Indien wie Pakistan gleichermaßen für sich beanspruchen. Zweimal haben sie wegen der Provinz schon gegeneinander Krieg geführt. Die indischen Sicherheitskräfte sind überzeugt, dass Lashkar-e-Toiba von Pakistan aus operiert. Die Terrorgruppe ist für zahlreiche Anschläge in Indien in den vergangenen Jahren verantwortlich gemacht worden. PTI zufolge war unter den am Taj-Hotel Festgenommenen auch ein Pakistaner.
In einem anderen Hotel, dem mittlerweile von der Polizei gestürmten Trident Oberoi , hatte ein Angreifer in einem Telefoninterview gefordert, alle in Indien inhaftierten islamistischen Kämpfer müssten freigelassen werden. Ebenfalls im Fernsehen warf einer der Angreifer der indischen Armee vor, in der Region Kaschmir viele Muslime zu töten.
Die indische Regierung geht davon aus, dass die Mumbaier Anschlagsserie von Pakistan aus geplant wurde. Ersten Erkenntnissen zufolge seien "Elemente mit Verbindungen nach Pakistan beteiligt", sagte Außenminister Pranab Mukherjee am Freitag in Neu-Delhi. Sein pakistanischer Kollege Shah Mehmood Qureshi widersprach. Er sagte, beide Staaten stünden einem gemeinsamen Feind gegenüber. "Bringen Sie nicht die Politik mit ins Spiel", warnte er am Freitag während eines Indien-Besuchs. Pakistan verurteilte die Anschläge und versprach Indien Unterstützung.
Indien wie Pakistan verfügen über Atomwaffen. Man fürchtet, dass die Spannungen zwischen den beiden Mächten nun wieder zunehmen. Indien hat dem muslimischen Nachbarland schon früher mehrfach vorgeworfen, in Indien agierende islamistische Extremisten unterstützt zu haben.
Internationale Zeitungen vermuten die Drahtzieher der Attentate ebenfalls in Pakistan. "Die Terroristen (zielen) offenkundig darauf ab, die ganze Region zu destabilisieren. Kurz vor dem Blutbad in Bombay ist Pakistans Außenminister nach Delhi gekommen, um den Dialog zwischen den Nachbarn in Gang zu bringen. Den Extremisten ist die Annäherung der Ex-Erzfeinde ein Dorn im Auge. Jede Bombe, die in Indien explodiert, verschlechtert das Verhältnis ... zu Pakistan. ... Lange genug hat Pakistan islamistischen Terror nach Indien exportiert. Auch diesmal könnte Pakistans Geheimdienst ISI seine Finger im schmutzigen Spiel haben", kommentieren die Salzburger Nachrichten .
Die Verantwortung für die Attentate nur beim Nachbarn zu suchen ist aber wohl zu einfach. So schreibt die linksliberale französische Zeitung Libération : "Wenn die Terroristen von Mumbai aus dem Nachbarland Pakistan kommen, müssen die Inder das beweisen. Denn man darf nicht vergessen, auf welchem Boden diese Radikalität wächst. Indien hat auf seine laizistischen und toleranten Ideen von einst verzichtet. Es behandelt im Namen einer chauvinistischen Vision des Hinduismus seine beachtliche muslimische Gemeinde wie Staatsbürger zweiter Klasse. Die indischen Behörden haben die anti-muslimischen und anti-christlichen Pogrome zu lange währen lassen und diese Gemeinden nicht an der Demokratie und den Erfolgen Indiens teilnehmen lassen. Der Terrorismus nährt sich auch von diesen Frustrationen."
Ähnlich argumentiert die Londoner Times : "Mit über 150 Millionen Muslimen ist Indien die Heimat einer der größten islamischen Gemeinden. Bis vor Kurzem schien diese Minderheit dem religiösen Fanatismus, der woanders Muslime in den politischen Extremismus getrieben hat, entkommen zu sein. Aber die Spannungen waren zuletzt gestiegen. Gewalt liegt dicht unter der Oberfläche, und sie brach aus, als fanatische Hindus die Moschee von Ayodhya zerstörten oder bei dem anti-muslimischen Pogrom in Gujarat im Jahr 2002. Und da nationalistische Gruppen der Hindus stärker werden, fühlen sich auch die Muslime zunehmend kampfbereit."
Wenn aber Einheimische die Täter waren, kommentiert die NZZ, sei es sehr wahrscheinlich, dass in Wahrheit al-Qaida hinter den Anschlägen stecke. Denn das sei "typisch für die von Osama bin Ladin geschaffene Internationale des Terrors: Lokale Gruppen, die in ein global agierendes Netzwerk eingebunden sind".
- Datum 13.05.2009 - 15:43 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, reuters
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wie kann man besser die ungeliebte eigene regierung schwächen, als wenn man die sowieso schon schlechten Beziehungen mit dem Nachbarstaat weiter belastet?
Ich hoffe die Inder lassen sich nicht zu Schnellschüssen hinreißen. Das ist doch genau das was die Terroristen wollen. 2 Nuklearmächte die sich gegenseitig an die Kehle gehen. Daraus schlagen die Terrororganisationen ihren Vorteil.
die nzz schreibt sich ohne 'i' in zür(i)cher.
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