Community Aus Obamas dotcom wird dotgov

Der neue Präsident Barack Obama hat im Internet ein Heer von Unterstützern gesammelt und will es nun nutzen, um Politik zu machen

Barack Obama könnte zum größten Heerführer der Geschichte werden, wenn ihm gelingt, was er derzeit plant. Dank des Internets hat der neu gewählte amerikanische Präsident während des Wahlkampfes eine virtuelle Armee geschaffen: Nicht nur 500 Millionen Dollar sammelte sein Team, sondern auch die E-Mail-Adressen und Telefonnummern von zehn Millionen Unterstützern.

Jetzt soll diese Armee in Marsch gesetzt werden, um Politik zu machen. Ob und wie er das schafft, wird von vielen Politikern mit Interesse beobachtet, auch von deutschen, die schließlich gerade einen Bundestagswahlkampf planen.

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Eine Hürde für Obama ist das amerikanische Recht. Es verbietet dem Präsidenten, allein mit einer begrenzten Gruppe von Menschen zu kommunizieren, er muss sich an alle wenden. Barack Obama darf nicht mehr wie bisher einfach E-Mails an all jene schicken, die sich in seinem Verteiler eingetragen haben. Für diese Kommunikation gibt es die offizielle Internetseite des Weißen Hauses.

In seinem Stab wird überlegt, eine Stiftung zu gründen, um die Mailadressen zu verwalten. Als eine Art Kriegskasse. Immer, wenn Obama für eine Kampagne Unterstützer braucht und Druck ausüben will, würde die politische Stiftung aktiv. Dank ihrer fänden sich bestimmt genug Menschen, um beispielsweise das Büro eines widerspenstigen Senators mit Anrufen oder Mails zu überfluten oder um eine Demonstration zu organisieren.

Noch sei es zu früh, um erkennen zu können, wie Obama sein Netzwerk und seine Kommunikation mit den Wählern strukturieren und ausbauen werde, sagt Micah Sifry. Der amerikanische Journalist untersucht seit Jahren die Auswirkungen des Internets auf die Politik, unter anderem auf der Seite techpresident.com. Sicher aber ist er sich, dass Obama auch künftig die Möglichkeit hat, seine Basis direkt anzusprechen und für seine Zwecke einzusetzen. "Etwas, das kein Präsident bisher auf so ausgefeilte Art tun konnte." Es sei gut vorstellbar, dass es ihm gelänge, über die offizielle Seite des Weißen Hauses ein ähnlich großes oder gar größeres Netzwerk zu schaffen, wie auf seiner Übergangsseite change.gov.

Doch will Obama seine Anhänger nicht nur nutzen, um Druck zu machen. Sie sollen auch Einblick bekommen und ihre Meinung sagen dürfen. Vor Kurzem wurde auf change.gov eine neue Debattenplattform gestartet. Ideen will man so sammeln und die Sorgen der Nutzer ernst nehmen. Die erste Frage des gewählten Präsidenten lautete: Was macht Ihnen am Gesundheitssystem die meisten Sorgen? Auch hat Obama angekündigt, ein Portal zu schaffen, auf dem jeder nach neuen Gesetzen schauen und sie diskutieren könne – fünf Tage bevor der Präsident sie unterschreibt und damit in Kraft treten lässt.

Funktioniert dieser Ansatz, könnte das die Demokratie selbst grundlegend ändern, wie die Zeitschrift Newsweek glaubt. Ob der Ansatz aber funktionieren wird, weiß bisher niemand. "Wir befinden uns auf unerforschtem Gebiet", sagt Sifry. Obamas Versprechen könne "eine Büchse Würmer öffnen", also mehr Probleme als Nutzen bringen. Es könne aber auch genauso gut vielen Menschen Zugang zum politischen Prozess verschaffen und ihn transparenter machen, glaubt Sifry. Letzteres zumindest scheint Obama zu wollen. Seine Aussagen während des Wahlkampfes immerhin legen nahe, dass er Washington für dominiert von den Interessen der Reichen hält. Dass er glaubt, Reformen würden dort eher verhindert als gefördert. Und dass er mehr normale Menschen einbeziehen will, um einen Gegenpol zu den Lobbyisten zu schaffen.

Die neue Regierung glaube an die Weisheit der Masse, schreibt Newsweek und zitiert Google-Chef Eric Schmidt: "Ein offenes System bedeutet mehr Stimmen; mehr Stimmen bedeuten mehr Debatten, die zu besseren Entscheidungen führen. Eine Community wird immer eine bessere Entscheidung treffen als ein Individuum."

Wenn man sie denn lässt. Wenn nicht, kann sich eine so große selbstorganisierende Gruppe schnell gegen ihren Schöpfer wenden. "Partizipationsversprechen muss man einhalten", sagt Kajo Wasserhövel, Bundesgeschäftsführer und Wahlkampforganisator der SPD. Gerade im Internet.

Dank der engen Vernetzung und des regen Austauschs von Informationen können sich eben nicht nur positive, sondern auch negative Botschaften zügig verbreiten. Noch scheinen Obamas Unterstützer voller Hoffnung, dass er seine Versprechen einlöst. Tut er es, so glauben sie, könnte das zu einer Regierung führen, die offener und transparenter ist als alle zuvor. Und die dadurch bessere Entscheidungen fällt, denn oft folgen Abmachungen hinter verschlossenen Türen übleren Motiven als solche, die in einem nachvollziehbaren und durchlässigen Verfahren getroffen wurden.

"Doch egal, ob Obama das gelingt oder nicht", sagt Sifry, "der Geist der Selbstorganisation ist aus der Flasche."

 
Leser-Kommentare
  1. massenmedium das menschen fehlleiten kann....nein nicht das radio, nicht die zeitung das internet!

    waere mal echt super wenn eines dieser medien eventuell mal fuer bildung benutzt werden wuerde und nicht fuer irgendwelchen polit- oder meinungspropaganda, was im engeren sinn ja auch was mit bildung zu tun hat.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • CCWW
    • 03.12.2008 um 16:59 Uhr

    Also, bitte nicht persoenlich nehmen, aber das was sie sagen is komplett sinnlos, vor allem im Zusammenhang mit der Tatsache dass sie hier posten und vermutlich auch lesen.

    Ihr potentielles Alter sollte Sie nicht daran hindern, nochmal ueber ihr posting selbst-reflectiv nachzudenken!

    Und bedenken Sie: Der Unterschied des internets zu ALLEN andren Massenmedien, ist das es keine Einbahn ist.

    Cheers und Wilkommen in 2009 ;)
    CC

    • CCWW
    • 03.12.2008 um 16:59 Uhr

    Also, bitte nicht persoenlich nehmen, aber das was sie sagen is komplett sinnlos, vor allem im Zusammenhang mit der Tatsache dass sie hier posten und vermutlich auch lesen.

    Ihr potentielles Alter sollte Sie nicht daran hindern, nochmal ueber ihr posting selbst-reflectiv nachzudenken!

    Und bedenken Sie: Der Unterschied des internets zu ALLEN andren Massenmedien, ist das es keine Einbahn ist.

    Cheers und Wilkommen in 2009 ;)
    CC

    • gudrud
    • 03.12.2008 um 16:29 Uhr

    ich find des gar nicht mal so ne schlechte idee. barack obama konnte schon eine menge leute im wahlkampf mobilisieren und durch dieses internetportal haben eine ganze menge mehr leute die möglichkeit "politik zu machen".
    ob das auch genutzt wird, ist dann wieder eine andere frage.
    eine frage, die sich mir aufdrängt, wäre, inwieweit dieses medium nun wieder zur manipulation der massen genutzt wird.

    aber es wird ja die ganze welt zuschauen, wie die usa ihren weg macht.

    • CCWW
    • 03.12.2008 um 16:59 Uhr
    3. hmm...

    Also, bitte nicht persoenlich nehmen, aber das was sie sagen is komplett sinnlos, vor allem im Zusammenhang mit der Tatsache dass sie hier posten und vermutlich auch lesen.

    Ihr potentielles Alter sollte Sie nicht daran hindern, nochmal ueber ihr posting selbst-reflectiv nachzudenken!

    Und bedenken Sie: Der Unterschied des internets zu ALLEN andren Massenmedien, ist das es keine Einbahn ist.

    Cheers und Wilkommen in 2009 ;)
    CC

    Antwort auf "ein weiteres "
    • kamy
    • 04.12.2008 um 7:44 Uhr

    Hm, finde es gut, dass eine politische Diskussionsplattform mit einem direkten Draht zum Präsidententeam geschaffen wird. Es ist zumindest mal eine spannende Idee - mal sehn wie sich das entwickelt.

    Aber zu glauben, dass dann intelligentere Entscheidungen getroffen werden, wenn die Intelligenz der VIELEN wirkt, halte ich für ein Missverständnis.

    "Schwarmintelligenz" ist nur dann vorteilhaft, wenn es um Schätzprobleme oder Auswahl bei Multiple-Choice-Fragen geht. Also etwa Dinge, wie: "Wieviele Erbsen sind in einem Glas?" oder der Publikumsjoker bei "Wer-wird-Millionär" .

    Bei politischen Fragen, zeigen öffentliche Foren eher eine Stimmungslage und Meinungsbild der kommunikativen Bevölkerungsteile - und der Foren-Trolle.

    Als Politikberatung oder vielleicht sogar direkte Einflussnahme auf politische Entscheidungen wollte ich diese Foren lieber nicht sehen.

    Eine Menschenmasse kann auch zackig "Hurra" schreien und in den Untergang marschieren.

  2. "Der Geist der Selbstorganisation ist aus der Flasche."

    In der Tat; und zwar nicht nur in den USA, sondern global.
    Wie nach der 'Erfindung' des Kommunismus wird es vorraussichtlich zu einigen historischen Experimenten kommen, welche auslosten, ob die Wirklichkeit eher beschaffen ist wie von Eric Smith postuliert:

    "Eine Community wird immer eine bessere Entscheidung treffen als ein Individuum."

    oder eher so wie vom Benutzer 'kamy' dargestellt:

    "Schwarmintelligenz" ist nur dann vorteilhaft, wenn es um Schätzprobleme oder Auswahl bei Multiple-Choice-Fragen geht.

    Denn die Frage, ob das Volk in letzter Konsequenz mündig ist, in einem tranzparenten System vernünftige Entscheidungen zu treffen, akademisch zu klären, scheint zu schwierig. Und die Frage ist zu wichtig, um nicht vom Superkomputer Menschheit beantwortet zu werden.

    Eine von vielen Manifestationen dieser zumindest evolutionär beachtlichen Idee ist übrigens die Metapartei.de

    • Olly66
    • 04.12.2008 um 15:20 Uhr

    Es ist empirisch erwiesen, dass große Gruppen bei Einschätzungen, nimmt man einen Mittelwert, immer richtig oder fast richtig liegen.
    Das Gleiche gilt für Lösungsideen.
    Wenn man die Kommentare zu einem Artikel alle durchliest, stößt man auf Aspekte und Hintergrundwissen, von dem der Redakteur keinen blassen hatte und auch nicht haben konnte. Nie kann ein einzelner soviel Gesichtspunkte kennen wie eine große Schar Interessierter.

    Dennoch stößt Partizipation an ihre natürlichen Grenzen: Wenn etwa Kramnik oder Anand gegen einen Compi spielen, würde die spontane Befragung von Tausenden Zuschauern keine besseren Züge zutage fördern als das Gehirn der beiden Großmeister. Auch muss ein Pianist seine Finger allein koordinieren.

    Allein, gäbe es im Schachbeispiel für jeden Zug einen Tag Bedenkzeit und Massen von Zuschauern könnten innerhalb von 24 h den Zug vorschlagen, den sie für den besten halten, wäre der meistgenannte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tatsächlich der beste.

    Conclusio: Wenn es um blitzschnelle Entscheidungen geht, hilft die Vielheit nicht weiter. Geht es drum, die beste Idee nach langem Wägen herauszufiltern, ist die Masse jedem Individuum überlegen.
    (Was hätte der Herr Canetti wohl dazu gemeint?)

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