Rechtsextremismus Das braune Gift der Mitte
Eine neue Studie zeigt: Rechtsextreme Einstellungen gehen zurück. In vielen Gebieten in Ost und West grassieren Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus aber weiter
Es sind unmissverständliche Aussagen, die nahelegen, dass viele Deutsche ein massives Problem mit Fremden haben. Der Aussage "Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet" stimmen 46,7 Prozent der Ostdeutschen zu, obwohl in manchen Regionen dort gerade mal zwei Prozent Ausländer leben. Aber auch 27,9 Prozent der Westdeutschen bejahen dies.
Ausländerfeindlichkeit, das zeigt die Befragung im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung , ist bei jedem fünften Deutschen fest im Denken verankert. Antisemitismus ist im Westen sogar stärker als im Osten. "Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß", finden 18,5 Prozent der Westdeutschen und 15,4 Prozent im Osten.
Die Studie mit dem Titel „Bewegung in der Mitte“ belege, "dass Rechtsextremismus eben kein Ostproblem ist", sagen ihre Leipziger Autoren Oliver Decker und Elmar Brählereine. Eine Insel der toleranten Glückseligkeit sei Westdeutschland jedenfalls nicht.
Für die repräsentative Untersuchung ließen die Forscher der Leipziger Universität 2524 Bürger in 690 Städten und Orten befragen. Mit je drei Fragen wurde die Einstellung in sechs rechtsextremen Dimensionen gemessen: Befürwortung einer Diktatur, Chauvinismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus. Die Interviews wurden bis Mitte Juni geführt, als in Deutschland noch die Arbeitslosenzahlen zurückgingen.
Bereits vor sechs und vor zwei Jahren hatten die Forscher mit gleichen Fragen rechtsextreme Einstellungen ermittelt. Die gute Nachricht: Rechtsextreme Einstellungen nahmen seit 2002 insgesamt in allen sechs Bereichen ab, auch der Anteil derer mit einem geschlossen rechtsextremen Weltbild sank seit 2006 noch einmal um einen Prozentpunkt auf 7,6 Prozent. "Das zeigt, dass zivilgesellschaftliche Initiativen durchaus wirken", sagt Mitautor Decker. Der Ausländerfeind wünscht sich auch nicht zwangsläufig eine Diktatur, doch einzelne Bausteine des Rechtsextremismus haben sich offenbar in der Mitte der Gesellschaft bei ganz normalen Leuten festgesetzt.
Immer wieder wird Rechtsextremismus als exklusives Problem des Ostens abgetan. Die Ergebnisse der Studie widerlegen das. "Ostdeutsche neigen eher einer rechtsautoritären Diktatur zu, sind chauvinistischer und ausländerfeindlicher. Dagegen sind Westdeutsche antisemitischer, sozialdarwinistischer und neigen eher zur Verharmlosung des Nationalsozialismus", analysieren die Autoren. "Wohlstand wurde nach dem Krieg in Deutschland ein Ersatz für die verlorene Rassen- und Herrenideologie", sagt Oliver Decker.
- Datum 02.09.2009 - 11:15 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, 15.12.2008 - 09:06 Uhr
- Kommentare 122
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Sehr interessant, das. Als aufgeklärter Akademiker, der in Bayern lebt, sind mir verhärtete faschistoide Einstellungen in der Provinz und auf dem Land schon lange aufgefallen.
Schon Biermann sang in seinem 1980er Album vom Förster-Bazi in Bruckmühl, der mit Schäferhund ins Wirtshaus kommt und beim Füttern ruft: "Nimm's, s'is vom Jud!" Sein Refrain lautete: "Und gäb's diesen kleinen Faschismus nicht..."
Es gibt kleine Gemeinden, in denen ruchbar wird, wer "abweichend" gewählt hat, wenn die CSU unter 100 % kommt.
Die hohen Antisemitismuswerte in Bayern und BW, den ökonomischen "Musterschülern" der Republik, lassen vermuten, dass es hier eher um den jahrtausendealten katholischen Antijudaismus geht. Gut, den gab's auch noch bei Luther, aber mittlerweile kann man den im deutschen Protestantismus nicht mehr ausmachen.
In Bayern kenn ich auch einen Fall, wo ein Mann wegen Beleidigung verklagt wurde, weil er eine Amtsrichterin auf eklatante Grammatikfehler in ihrem Urteilstext hinzuweisen gewagt hatte. Die Dame war schlechterdings der deutschen Sprache nicht mächtig; dies auszusprechen war jedoch nicht gestattet. Auch der Präsident des Landgerichts Kempten schloss sich der Bewertung als "Majestätsbeleidigung" an. Erst eine Verfassungsbeschwerde rückte die Sache wieder zurecht.
Da muss man fragen, wie soll es bei der Bevölkerung zu demokratischen Einstellungen kommen, wenn die Behörden noch obrigkeitsstaatlichen Grundüberzeugungen huldigen? Wichtig ist auf'm Platz - hier: die institutionelle Praxis - und nicht fromme Sonntagsreden oder staatsbürgerkundlicher Unterricht.
Demokratie muss gelebt, und Meinungsfreiheit täglich neu erkämpft werden.
"Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß", finden 18,5 Prozent der Westdeutschen und 15,4 Prozent im Osten.
Welche Juden, ich kenne keinen einzigen, habe Juden in Deutschland auch nie gesichtet, aus den geschichtlich bekannten Gruenden.
Das allein zeigt doch schon auf welchen Holzweg die Rechten sind.
die dieses bösartige, aus Unwissenheit, irrationalen Phobien und Dummheit gespeiste Verhalten auch ganz ohne einen einzigen Juden hinbekommen. Insofern gebe ich Ihnen recht.
Korrigieren darf ich Sie allerdings in Ihrer Einschätzung "weil Sie persönlich noch nie einen Juden in Deutschland gesichtet haben, gäbe es offensichtlich hier 'aus den geschichtlich bekannten Gründen' auch keinen mehr"
Zum Glück, ich bin darüber sehr froh weil ich etliche jüdische Freunde habe, leben in Deutschland wieder Juden. Die nachstehende Aufstellung des Zentralrats der Juden in Deutschland gibt eine kleine Übersicht:
Zentralrat der Juden in Deutschland
Mitglieder
Karte der Landesverbände und jüdischen Gemeinden
Unter dem Dach des Zentralrats der Juden sind 23 Landesverbände mit insgesamt 107 jüdischen Gemeinden und ihren insgesamt 104 000 Mitgliedern organisiert. Das Spektrum der religiösen Denomination innerhalb der Gemeinden ist weit gefächert und reicht von streng orthodoxen über Reform- und konservative bis hin zu liberalen Gemeinden. Damit macht der Zentralrat der Juden in Deutschland deutlich, dass er die religiösen Interessen aller Juden in Deutschland vereinigt.
Mit freundlichen Grüßen
Knüppel
unter den sogeannten Neo-Nazis zu finden sondern auch unter den immer so hoch gepriesenen Linken.Aber auf dem 'Linken Auge' sind viele Leute immer noch blind.
Handelt es sich bei der Frage nach dem großen Einfluss der Juden vielleicht um eine Fangfrage?
Würde die Frage lauten: "Haben Ihrer Meinung nach jüdische Organisationen einen ihrer Mitgliederzahlen nicht entsprechenden sehr großen Einfluss?", würde ich mit JA antworten. Denn z.B. der Zentralrat der Juden übt einen Einfluss aus, der mit der Zahl der von ihm präsentierten Menschen nicht übereinstimmt.
Und aus Beantwortung dieser Frage mit "JA" könnte man ja wohl kaum auf
antisemitische Einstellungen schließen.
Fragt man aber: "Sind Sie der Meinung, das der Einfluss der Juden zu gross ist?",
tapsen natürlich sehr viele Menschen, die keine akademische Ausbildung genießen
konnten, in die Falle. Aber handelt es sich bei einer bejahenden Antwort wirklich
um Antisemitismus oder einfach nur um mangelnde verbale Fähigkeiten?
Das könnte man doch mit einer weiteren Frage oder einer anderen Fragestellung
eruieren. Allerdings besteht die Gefahr, das man dann nicht mehr das gewünschte Ergebnis erzielen würde.
die dieses bösartige, aus Unwissenheit, irrationalen Phobien und Dummheit gespeiste Verhalten auch ganz ohne einen einzigen Juden hinbekommen. Insofern gebe ich Ihnen recht.
Korrigieren darf ich Sie allerdings in Ihrer Einschätzung "weil Sie persönlich noch nie einen Juden in Deutschland gesichtet haben, gäbe es offensichtlich hier 'aus den geschichtlich bekannten Gründen' auch keinen mehr"
Zum Glück, ich bin darüber sehr froh weil ich etliche jüdische Freunde habe, leben in Deutschland wieder Juden. Die nachstehende Aufstellung des Zentralrats der Juden in Deutschland gibt eine kleine Übersicht:
Zentralrat der Juden in Deutschland
Mitglieder
Karte der Landesverbände und jüdischen Gemeinden
Unter dem Dach des Zentralrats der Juden sind 23 Landesverbände mit insgesamt 107 jüdischen Gemeinden und ihren insgesamt 104 000 Mitgliedern organisiert. Das Spektrum der religiösen Denomination innerhalb der Gemeinden ist weit gefächert und reicht von streng orthodoxen über Reform- und konservative bis hin zu liberalen Gemeinden. Damit macht der Zentralrat der Juden in Deutschland deutlich, dass er die religiösen Interessen aller Juden in Deutschland vereinigt.
Mit freundlichen Grüßen
Knüppel
unter den sogeannten Neo-Nazis zu finden sondern auch unter den immer so hoch gepriesenen Linken.Aber auf dem 'Linken Auge' sind viele Leute immer noch blind.
Handelt es sich bei der Frage nach dem großen Einfluss der Juden vielleicht um eine Fangfrage?
Würde die Frage lauten: "Haben Ihrer Meinung nach jüdische Organisationen einen ihrer Mitgliederzahlen nicht entsprechenden sehr großen Einfluss?", würde ich mit JA antworten. Denn z.B. der Zentralrat der Juden übt einen Einfluss aus, der mit der Zahl der von ihm präsentierten Menschen nicht übereinstimmt.
Und aus Beantwortung dieser Frage mit "JA" könnte man ja wohl kaum auf
antisemitische Einstellungen schließen.
Fragt man aber: "Sind Sie der Meinung, das der Einfluss der Juden zu gross ist?",
tapsen natürlich sehr viele Menschen, die keine akademische Ausbildung genießen
konnten, in die Falle. Aber handelt es sich bei einer bejahenden Antwort wirklich
um Antisemitismus oder einfach nur um mangelnde verbale Fähigkeiten?
Das könnte man doch mit einer weiteren Frage oder einer anderen Fragestellung
eruieren. Allerdings besteht die Gefahr, das man dann nicht mehr das gewünschte Ergebnis erzielen würde.
die dieses bösartige, aus Unwissenheit, irrationalen Phobien und Dummheit gespeiste Verhalten auch ganz ohne einen einzigen Juden hinbekommen. Insofern gebe ich Ihnen recht.
Korrigieren darf ich Sie allerdings in Ihrer Einschätzung "weil Sie persönlich noch nie einen Juden in Deutschland gesichtet haben, gäbe es offensichtlich hier 'aus den geschichtlich bekannten Gründen' auch keinen mehr"
Zum Glück, ich bin darüber sehr froh weil ich etliche jüdische Freunde habe, leben in Deutschland wieder Juden. Die nachstehende Aufstellung des Zentralrats der Juden in Deutschland gibt eine kleine Übersicht:
Zentralrat der Juden in Deutschland
Mitglieder
Karte der Landesverbände und jüdischen Gemeinden
Unter dem Dach des Zentralrats der Juden sind 23 Landesverbände mit insgesamt 107 jüdischen Gemeinden und ihren insgesamt 104 000 Mitgliedern organisiert. Das Spektrum der religiösen Denomination innerhalb der Gemeinden ist weit gefächert und reicht von streng orthodoxen über Reform- und konservative bis hin zu liberalen Gemeinden. Damit macht der Zentralrat der Juden in Deutschland deutlich, dass er die religiösen Interessen aller Juden in Deutschland vereinigt.
Mit freundlichen Grüßen
Knüppel
Korrigieren darf ich Sie allerdings in Ihrer Einschätzung "weil Sie persönlich noch nie einen Juden in Deutschland gesichtet haben, gäbe es offensichtlich hier 'aus den geschichtlich bekannten Gründen' auch keinen mehr"
Ich halte es für gut möglich, dass xxyyzzaabbcc Juden schon gesehen hat, ohne sich dessen bewusst gewesen zu sein. Denn heute traut sich kaum ein Jude in Deutschland, als solcher äußerlich erkennbar zu sein. Haben Sie denn jemals auf offener Straße einen kippatragenden Menschen gesehen?
Nur zum Vergleich: in praktisch jeder deutschen Stadt (zumindest in Westen) werden Sie keine Probleme haben, Moslems (insbesondere Frauen) zu erkennen.
Schoen zu sehen, dass wir uns in der Sache einig sind.
Und zu den Juden, ich habe nicht gesagt, dass es in Deutschland keine Juden mehr gibt.
Mir ist schon bewusst, dass Menschen mit juedischer Religionszugehoerigkeit in Deutschland leben, und ich begruesse das.
Ich vermute, die meisten dieser Menschen stammen aus der ehemaligen Sowjetunion.
Aber, ich habe aber noch nie einen Kippa tragenden Juden ( den Ausdruck habe ich auch erst hier im Forum gelernt, und hoffe, ich verwende ihn richtig) in Deutschland getroffen.
Allerhoechstens mal in Frankfurt auf dem Flughafen, das ist aber eine ganz vage Erinnerung.
Was wir uns vor Augen halten muessen, ist die Tatsache, dass sich das Strassenbild in Deutschland gewaltig veraendert hat.
Aus den geschichtlich bekannten Gruenden
Meines Wissens war es in den 30er Jahren in den Grosstaedten Deutschlands eine Alltaeglichkeit, orthodoxe Juden auf der Strasse anzutreffen. So wie es heute noch der Fall ist in New York.
Was ist denn davon geblieben?
Oder in anderen Worten: welche Juden sind gemeint ?
Die ( verschwindend geringen ) 104.000 in Deutschland ?
Die juedische Weltverschwoerung ?
Die Rechten phantasieren sich also etwas zusammen.
Ach, einer faellt mir doch noch ein, Rate mal mit Rosenthal.
Den hatten wir damals glaube ich alle gern.
Korrigieren darf ich Sie allerdings in Ihrer Einschätzung "weil Sie persönlich noch nie einen Juden in Deutschland gesichtet haben, gäbe es offensichtlich hier 'aus den geschichtlich bekannten Gründen' auch keinen mehr"
Ich halte es für gut möglich, dass xxyyzzaabbcc Juden schon gesehen hat, ohne sich dessen bewusst gewesen zu sein. Denn heute traut sich kaum ein Jude in Deutschland, als solcher äußerlich erkennbar zu sein. Haben Sie denn jemals auf offener Straße einen kippatragenden Menschen gesehen?
Nur zum Vergleich: in praktisch jeder deutschen Stadt (zumindest in Westen) werden Sie keine Probleme haben, Moslems (insbesondere Frauen) zu erkennen.
Schoen zu sehen, dass wir uns in der Sache einig sind.
Und zu den Juden, ich habe nicht gesagt, dass es in Deutschland keine Juden mehr gibt.
Mir ist schon bewusst, dass Menschen mit juedischer Religionszugehoerigkeit in Deutschland leben, und ich begruesse das.
Ich vermute, die meisten dieser Menschen stammen aus der ehemaligen Sowjetunion.
Aber, ich habe aber noch nie einen Kippa tragenden Juden ( den Ausdruck habe ich auch erst hier im Forum gelernt, und hoffe, ich verwende ihn richtig) in Deutschland getroffen.
Allerhoechstens mal in Frankfurt auf dem Flughafen, das ist aber eine ganz vage Erinnerung.
Was wir uns vor Augen halten muessen, ist die Tatsache, dass sich das Strassenbild in Deutschland gewaltig veraendert hat.
Aus den geschichtlich bekannten Gruenden
Meines Wissens war es in den 30er Jahren in den Grosstaedten Deutschlands eine Alltaeglichkeit, orthodoxe Juden auf der Strasse anzutreffen. So wie es heute noch der Fall ist in New York.
Was ist denn davon geblieben?
Oder in anderen Worten: welche Juden sind gemeint ?
Die ( verschwindend geringen ) 104.000 in Deutschland ?
Die juedische Weltverschwoerung ?
Die Rechten phantasieren sich also etwas zusammen.
Ach, einer faellt mir doch noch ein, Rate mal mit Rosenthal.
Den hatten wir damals glaube ich alle gern.
Antisemitismus ist kein Privileg der Rechten, das zeigen noch gar nicht so lange zurückliegende Diskussionen in der Linkspartei. Aber es klingt halt dramatischer, wenn alle DDR-Nostalgiker, die sich nach einer Einheitspartei und einer starken Hand an der Spitze zurücksehnen als Rechtsextreme klassifiziert werden. Irgendwo müssen halt die Forschungsgelder für die nächste Studie herkommen.
als Zyniker mit dem Wort "Privileg" belegen würde ... sehe ich hier (wieder einmal) den sehr durchsichtigen Versuch der Relativierung. Also, indem darauf verwiesen wird "auch dort ..." und "auch bei denen ...", soll von der manifesten antisemitischen Haltung der Rechten abgelenkt und dieses kranke Menschenverständnis verharmlost werden.
Der Fraktionsvorsitzende der Partei DIE LINKE. - Dr. Gregor Gysi - hat in einer vielbeachteten Rede zum Jubiläum des Staates Israel ausführlich auch zu Antisemitismus und Antizionismus Stellung genommen (siehe unten):
Am 14. April 2008 hielt der Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE., Dr. Gregor Gysi auf einer Veranstaltung „60 Jahre Israel“ der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung eine bemerkenswerte Rede, die mir als vollständiges Manuskript vorliegt. Zu finden ist sie unter www.rosalux.de
(Standpunkte 9/2008). Gysis Rede ist eine auf viel Sachkenntnis und großem Engagement basierende Sympathie-Erklärung an Israel und seine Bewohner, die innerhalb der Partei zu einer fundierten Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit führte, die noch anhält.
Knüppel
Die SED und deren Nachfolger in die antisemitische Schmuddelecke stellen zu wollen, ist Geschichtsklitterung.
Der Antisemitismus hat sich in Europa aus dem Antijudaismus der Christen (i.e. Katholiken) entwickelt. Im engeren Sinne ist Anti-Semitismus die geschichtliche Ausnahme, weil es sich hier um die rassenideologische Variante handelt.
In zweitausend Jahren Geschichte der jüdischen Diaspora in Europa (seit der Vertreibung der Juden aus "Syria-Palästina", vormals "Judäa", unter Kaiser Hadrian) gibt es zahllose Episoden von Verfolgung, Vertreibung, Toleranz und Assimilierung.
Lange Zeit konnten Juden sich durch Konvertierung vor Verfolgung retten. Die rassenideologische Ausprägung des Antisemtismus, die im 20. Jh erst en vogue kam, verschloss diesen Notausgang.
Muslimische Gesellschaften waren prinzipiell tolerant gegenüber ihren jüdischen Bürgern. Bekannteste Beispiele sind die Kalifen von Granada und die osmanischen Sultane, in deren Obhut die Sefarden fast vollständig nach der Reconquista flüchten mussten.
Die Judenfeindlichkeit des zaristischen Systems, die durch die Bolschewistische Revolution, an der logischerweise viele russische Juden an vorderster Front aktiv mitwirkten, eigentlich überwunden schien, feierte fröhliche Urständ im Stalinismus; allerdings so richtig übel und offen erst nach Kriegsende, als Stalin "seine" antifaschistischen Juden nicht mehr im Kampf gegen Hitlerdeutschland zu brauchen meinte.
Diese Judenfeindlichkeit wurde in der DDR von der SED-Diktatur nicht übernommen, weshalb man hier sogar eine gewisse antifaschistische Konsequenz attestieren muss. Salonfähig in der DDR war allein der Anti-Zionismus, der aber genealogisch nicht mit Antijudaismus und -semitismus zu rubrumieren ist.
Von daher ist der Versuch, linken Gruppierungen oder den Nachfolgern der SED die gleiche dumpfbackige Judenparanoia anzudichten, wie wir sie von manifesten reaktionären Grundeinstellungen in Deutschland her gewohnt sind, absurd und von keinerlei historischer Kenntnis getrübt.
als Zyniker mit dem Wort "Privileg" belegen würde ... sehe ich hier (wieder einmal) den sehr durchsichtigen Versuch der Relativierung. Also, indem darauf verwiesen wird "auch dort ..." und "auch bei denen ...", soll von der manifesten antisemitischen Haltung der Rechten abgelenkt und dieses kranke Menschenverständnis verharmlost werden.
Der Fraktionsvorsitzende der Partei DIE LINKE. - Dr. Gregor Gysi - hat in einer vielbeachteten Rede zum Jubiläum des Staates Israel ausführlich auch zu Antisemitismus und Antizionismus Stellung genommen (siehe unten):
Am 14. April 2008 hielt der Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE., Dr. Gregor Gysi auf einer Veranstaltung „60 Jahre Israel“ der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung eine bemerkenswerte Rede, die mir als vollständiges Manuskript vorliegt. Zu finden ist sie unter www.rosalux.de
(Standpunkte 9/2008). Gysis Rede ist eine auf viel Sachkenntnis und großem Engagement basierende Sympathie-Erklärung an Israel und seine Bewohner, die innerhalb der Partei zu einer fundierten Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit führte, die noch anhält.
Knüppel
Die SED und deren Nachfolger in die antisemitische Schmuddelecke stellen zu wollen, ist Geschichtsklitterung.
Der Antisemitismus hat sich in Europa aus dem Antijudaismus der Christen (i.e. Katholiken) entwickelt. Im engeren Sinne ist Anti-Semitismus die geschichtliche Ausnahme, weil es sich hier um die rassenideologische Variante handelt.
In zweitausend Jahren Geschichte der jüdischen Diaspora in Europa (seit der Vertreibung der Juden aus "Syria-Palästina", vormals "Judäa", unter Kaiser Hadrian) gibt es zahllose Episoden von Verfolgung, Vertreibung, Toleranz und Assimilierung.
Lange Zeit konnten Juden sich durch Konvertierung vor Verfolgung retten. Die rassenideologische Ausprägung des Antisemtismus, die im 20. Jh erst en vogue kam, verschloss diesen Notausgang.
Muslimische Gesellschaften waren prinzipiell tolerant gegenüber ihren jüdischen Bürgern. Bekannteste Beispiele sind die Kalifen von Granada und die osmanischen Sultane, in deren Obhut die Sefarden fast vollständig nach der Reconquista flüchten mussten.
Die Judenfeindlichkeit des zaristischen Systems, die durch die Bolschewistische Revolution, an der logischerweise viele russische Juden an vorderster Front aktiv mitwirkten, eigentlich überwunden schien, feierte fröhliche Urständ im Stalinismus; allerdings so richtig übel und offen erst nach Kriegsende, als Stalin "seine" antifaschistischen Juden nicht mehr im Kampf gegen Hitlerdeutschland zu brauchen meinte.
Diese Judenfeindlichkeit wurde in der DDR von der SED-Diktatur nicht übernommen, weshalb man hier sogar eine gewisse antifaschistische Konsequenz attestieren muss. Salonfähig in der DDR war allein der Anti-Zionismus, der aber genealogisch nicht mit Antijudaismus und -semitismus zu rubrumieren ist.
Von daher ist der Versuch, linken Gruppierungen oder den Nachfolgern der SED die gleiche dumpfbackige Judenparanoia anzudichten, wie wir sie von manifesten reaktionären Grundeinstellungen in Deutschland her gewohnt sind, absurd und von keinerlei historischer Kenntnis getrübt.
als Zyniker mit dem Wort "Privileg" belegen würde ... sehe ich hier (wieder einmal) den sehr durchsichtigen Versuch der Relativierung. Also, indem darauf verwiesen wird "auch dort ..." und "auch bei denen ...", soll von der manifesten antisemitischen Haltung der Rechten abgelenkt und dieses kranke Menschenverständnis verharmlost werden.
Der Fraktionsvorsitzende der Partei DIE LINKE. - Dr. Gregor Gysi - hat in einer vielbeachteten Rede zum Jubiläum des Staates Israel ausführlich auch zu Antisemitismus und Antizionismus Stellung genommen (siehe unten):
Am 14. April 2008 hielt der Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE., Dr. Gregor Gysi auf einer Veranstaltung „60 Jahre Israel“ der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung eine bemerkenswerte Rede, die mir als vollständiges Manuskript vorliegt. Zu finden ist sie unter www.rosalux.de
(Standpunkte 9/2008). Gysis Rede ist eine auf viel Sachkenntnis und großem Engagement basierende Sympathie-Erklärung an Israel und seine Bewohner, die innerhalb der Partei zu einer fundierten Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit führte, die noch anhält.
Knüppel
Warum hat Gregor Gysi wohl diese Rede gehalten? Eben weil ihm gewisse Tendenzen in seiner Partei zu schaffen machen. Relativieren will ich im übrigen nichts, ich übe nur Kritik an der Methodik dieser Studie. So etwas nennt man Wissenschaft. Und, ja, ich bin Zyniker.
Warum hat Gregor Gysi wohl diese Rede gehalten? Eben weil ihm gewisse Tendenzen in seiner Partei zu schaffen machen. Relativieren will ich im übrigen nichts, ich übe nur Kritik an der Methodik dieser Studie. So etwas nennt man Wissenschaft. Und, ja, ich bin Zyniker.
Er, der Antisemitismus, gestaltet sich eher zum Privileg der "Linken" und des orientalischen Absolutismus. Eine unheilige Allianz.
Sie wissen, dass das die Unwahrheit ist! und deshalb geben Sie durch diesen Kommentar mehr von sich preis, als Ihnen offenbar bewußt ist ...
Knüppel
Ich kann aus eigener Erfahrung reden : Habe eine sehr gute Übersicht über die Linke der letzten Jahrzehnte (seit den frühen 80ern) bekommen und brauche tatsächlich keine Schriftstücke darüber zu lesen . Um mich kurz zu halten : Von den Jusos bis zu den Autonomen ist das Thema Antisemitismus fast aussschliesslich von der Antifaschistischen Ecke aus betrachtet worden .
Vielleicht kann man anderslautende Einzelfälle nachweisen , aber daraus lässt sich mit absoluter Sicherheit kein Pauschalurteil ableiten .Echten Antisemitismus habe ich aus der gesellschaftliche "Mitte" sehr viel öfters vernommen , ist aber trotzdem vernachlässigenswert , da fast ausgestorben .
Den Zweifel an militärischen Aktionen des israelischen Militärs als Antisemitismus zu diskreditieren ist schlichtweg unlauter . Wie schön , dass ich es aus erster Hand zu bewerten weiss
Die von Ihnen angeführten "Belege" beruhen allesamt auf (nachlesbar) unbegründeter Gleichsetzung von Kritik an israelischer Regierungspolitik, vornehmlich an der gegenüber den Palestinensern, mit Antisemitismus.
Besonders perfide finde ich den Winkelzug, Linken von vornherein Antisemitismus zu unterstellen, weil die extreme Rechte im Laufe des 20. Jahrhunderts die originär linken Begriffe von Kapitalismus und Imperialismus für sich übernommen hat, indem sie sie antisemitisch neu interpretiert hat. Daraus zu schlußfolgern, daß ja dann die Linken auch Antisemiten sein müssen, wenn sie Kapitalismus und Imperialismus kritisieren, ist unintelligent (wenn man wirklich daran glaubt) oder demagogisch (wenn man es eigentlich weiß, und es trotzdem polemisiert).
Sie wissen, dass das die Unwahrheit ist! und deshalb geben Sie durch diesen Kommentar mehr von sich preis, als Ihnen offenbar bewußt ist ...
Knüppel
Ich kann aus eigener Erfahrung reden : Habe eine sehr gute Übersicht über die Linke der letzten Jahrzehnte (seit den frühen 80ern) bekommen und brauche tatsächlich keine Schriftstücke darüber zu lesen . Um mich kurz zu halten : Von den Jusos bis zu den Autonomen ist das Thema Antisemitismus fast aussschliesslich von der Antifaschistischen Ecke aus betrachtet worden .
Vielleicht kann man anderslautende Einzelfälle nachweisen , aber daraus lässt sich mit absoluter Sicherheit kein Pauschalurteil ableiten .Echten Antisemitismus habe ich aus der gesellschaftliche "Mitte" sehr viel öfters vernommen , ist aber trotzdem vernachlässigenswert , da fast ausgestorben .
Den Zweifel an militärischen Aktionen des israelischen Militärs als Antisemitismus zu diskreditieren ist schlichtweg unlauter . Wie schön , dass ich es aus erster Hand zu bewerten weiss
Die von Ihnen angeführten "Belege" beruhen allesamt auf (nachlesbar) unbegründeter Gleichsetzung von Kritik an israelischer Regierungspolitik, vornehmlich an der gegenüber den Palestinensern, mit Antisemitismus.
Besonders perfide finde ich den Winkelzug, Linken von vornherein Antisemitismus zu unterstellen, weil die extreme Rechte im Laufe des 20. Jahrhunderts die originär linken Begriffe von Kapitalismus und Imperialismus für sich übernommen hat, indem sie sie antisemitisch neu interpretiert hat. Daraus zu schlußfolgern, daß ja dann die Linken auch Antisemiten sein müssen, wenn sie Kapitalismus und Imperialismus kritisieren, ist unintelligent (wenn man wirklich daran glaubt) oder demagogisch (wenn man es eigentlich weiß, und es trotzdem polemisiert).
Sie wissen, dass das die Unwahrheit ist! und deshalb geben Sie durch diesen Kommentar mehr von sich preis, als Ihnen offenbar bewußt ist ...
Knüppel
hinsichtlich des "linken "Antisemitismus"
http://www.hagalil.com/an...
http://www.uni-leipzig.de...
http://www.amazon.de/revi...
ein bedeutendes Phänomen in islamischen Gruppen und Millieus. (Reden Sie nicht nur über sondern auch mal mit Juden, das würde Sie erden.)
hinsichtlich des "linken "Antisemitismus"
http://www.hagalil.com/an...
http://www.uni-leipzig.de...
http://www.amazon.de/revi...
ein bedeutendes Phänomen in islamischen Gruppen und Millieus. (Reden Sie nicht nur über sondern auch mal mit Juden, das würde Sie erden.)
Korrigieren darf ich Sie allerdings in Ihrer Einschätzung "weil Sie persönlich noch nie einen Juden in Deutschland gesichtet haben, gäbe es offensichtlich hier 'aus den geschichtlich bekannten Gründen' auch keinen mehr"
Ich halte es für gut möglich, dass xxyyzzaabbcc Juden schon gesehen hat, ohne sich dessen bewusst gewesen zu sein. Denn heute traut sich kaum ein Jude in Deutschland, als solcher äußerlich erkennbar zu sein. Haben Sie denn jemals auf offener Straße einen kippatragenden Menschen gesehen?
Nur zum Vergleich: in praktisch jeder deutschen Stadt (zumindest in Westen) werden Sie keine Probleme haben, Moslems (insbesondere Frauen) zu erkennen.
vom Kommentator "noch kein Jude gesichtet worden ist" ..., sondern darum, dass hieraus die falsche Schlussfolgerung "also gäbe es hier wohl keine Juden" gezogen wurde.
Zu Ihrer Frage: Ja, da ich in Düsseldorf, mit einer der größten jüdischen Gemeinden Deutschlands, lebe sehe ich auch Kippa-tragende Männer.
Knüppel
vom Kommentator "noch kein Jude gesichtet worden ist" ..., sondern darum, dass hieraus die falsche Schlussfolgerung "also gäbe es hier wohl keine Juden" gezogen wurde.
Zu Ihrer Frage: Ja, da ich in Düsseldorf, mit einer der größten jüdischen Gemeinden Deutschlands, lebe sehe ich auch Kippa-tragende Männer.
Knüppel
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren