Es sind unmissverständliche Aussagen, die nahelegen, dass viele Deutsche ein massives Problem mit Fremden haben. Der Aussage "Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet" stimmen 46,7 Prozent der Ostdeutschen zu, obwohl in manchen Regionen dort gerade mal zwei Prozent Ausländer leben. Aber auch 27,9 Prozent der Westdeutschen bejahen dies.

Ausländerfeindlichkeit, das zeigt die Befragung im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung , ist bei jedem fünften Deutschen fest im Denken verankert. Antisemitismus ist im Westen sogar stärker als im Osten. "Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß", finden 18,5 Prozent der Westdeutschen und 15,4 Prozent im Osten.

Die Studie mit dem Titel „Bewegung in der Mitte“ belege, "dass Rechtsextremismus eben kein Ostproblem ist", sagen ihre Leipziger Autoren Oliver Decker und Elmar Brählereine. Eine Insel der toleranten Glückseligkeit sei Westdeutschland jedenfalls nicht.

Für die repräsentative Untersuchung ließen die Forscher der Leipziger Universität 2524 Bürger in 690 Städten und Orten befragen. Mit je drei Fragen wurde die Einstellung in sechs rechtsextremen Dimensionen gemessen: Befürwortung einer Diktatur, Chauvinismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus. Die Interviews wurden bis Mitte Juni geführt, als in Deutschland noch die Arbeitslosenzahlen zurückgingen.

Bereits vor sechs und vor zwei Jahren hatten die Forscher mit gleichen Fragen rechtsextreme Einstellungen ermittelt. Die gute Nachricht: Rechtsextreme Einstellungen nahmen seit 2002 insgesamt in allen sechs Bereichen ab, auch der Anteil derer mit einem geschlossen rechtsextremen Weltbild sank seit 2006 noch einmal um einen Prozentpunkt auf 7,6 Prozent. "Das zeigt, dass zivilgesellschaftliche Initiativen durchaus wirken", sagt Mitautor Decker. Der Ausländerfeind wünscht sich auch nicht zwangsläufig eine Diktatur, doch einzelne Bausteine des Rechtsextremismus haben sich offenbar in der Mitte der Gesellschaft bei ganz normalen Leuten festgesetzt.

Immer wieder wird Rechtsextremismus als exklusives Problem des Ostens abgetan. Die Ergebnisse der Studie widerlegen das. "Ostdeutsche neigen eher einer rechtsautoritären Diktatur zu, sind chauvinistischer und ausländerfeindlicher. Dagegen sind Westdeutsche antisemitischer, sozialdarwinistischer und neigen eher zur Verharmlosung des Nationalsozialismus", analysieren die Autoren. "Wohlstand wurde nach dem Krieg in Deutschland ein Ersatz für die verlorene Rassen- und Herrenideologie", sagt Oliver Decker.