Interaktive Zeitleiste Helmut Schmidt - Stationen eines politischen Lebens
Auch ein Vierteljahrhundert nach Ende seiner Amtszeit gilt Helmut Schmidt vielen Deutschen immer noch als beliebtester Bundeskanzler. Ein multimedialer Rückblick auf neun bewegte Jahrzehnte.
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- Datum 03.09.2009 - 15:17 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, 11.12.2008
- Kommentare 2
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Der Deutschen liebster Deutscher? Nicht nur in Deutschland haben seine Meinung und kritischen Kommentare Gewicht; nicht immer war ich Ihrer Meinung. Bis zuletzt aber werde ich mich dafür schlagen, dass Sie sie vertreten können...
An einem Tag im Frühjahr 2003 ging ein Foto um die Welt: sechs schwer bewaffnete amerikanische Soldaten haben sich in einem Salon des erstürmten Palastes von Saddam Hussein niedergelassen. In der Bildmitte im Sessel ein Sergeant, der ebenso erschöpft wie erleichtert an einer Zigarette zieht. Als Peter Ustinov in einem Hamburger Hotel - war er da nicht etwa auch bei Ihnen zu Besuch - die Zeitung zum Frühstück gebracht wird, kommentiert er das Bild augenblicklich: hat ihm niemand gesagt, dass Rauchen gefährlich ist? Natürlich würde Peter Ustinov seinen viel gerühmten "Schwarzen Humor" beim kettenrauchenden Altkanzler wohl kaum zur Anwendung bringen. Oder vielleicht doch? Rauchen ist eine Angewöhnung, die jeder Disziplin zuwiderläuft. Peter Ustinov würde bei dieser Bemerkung sicherlich spitzbübisch schmunzeln...
Helmut Schmidt hat Herbert von Karajan einmal seine "beinahe ekelhafte Disziplin" vorgeworfen. Was haben Sie sich dabei gedacht? War es nicht gerade diese eiserne, ekelhafte Disziplin, die den Staatsmann Schmidt auszeichnete? Seine unerschütterliche Standfestigkeit, seine Zielstrebigkeit, sich für eine einziges Ziel einzusetzen?
Natürlich, im Rückblick erhält man den Eindruck, der Helmut Schmidt habe den Kanzler eigentlich gar nicht gewollt und doch den richtigen Zeitpunkt gewählt. War da nicht ein wenig Berechnung nach dem Muster Bismarck dabei?
So oder ähnlich wird der Buchtitel beginnen, den ich mir "vorgenommen" habe...
Peter Süess - CH-5303 Würenlingen
Wie latent der Antisemitismus und der Antizionismus, die negative Haltung gegenüber Israel ist, beweisen die weltweiten Demonstrationen. Hört der kritische Beobachter jedoch genauer in die Betrachtungen der Demonstrierenden hinein, wird rasch klar, wer der eigentliche Sündenbock für die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Israel einerseits, den Palästinensern, der Hamas und der Hizbollah andererseits, ist. Kriege kann sich niemand leisten, weder die Israelis, die Palästinenser, noch sonst irgendwer. Wenn es dennoch dazu kommt, braucht es, vereinfacht ausgedrückt, wie in der Ehe, zwei die sich streiten.
Die Hamas hat Gebiete Israels mit Raketen beschossen und damit den Israelis den Fehdehandschuh hingeworfen. Der ewige Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis ist somit in eine neue Dimension eingetreten; in die einer unkontrollierbaren kriegerischen Radikalisierung der Machtansprüche. In Gaza will die Harakat Al Muqawama Al Islamija ihre Glaubensgrundsätze in die Politik hinein tragen und beweisen, wer die Macht über Palästina oder einen zukünftigen palästinensichen Staat beansprucht. Die Hamas kann zudem mit der Unterstützung der Hizbollah rechnen, die vom Libanon aus gegen Israel operiert. Diese beiden radikal-islamischen Organisationen unterlaufen den Grundsatz Yassir Arafats, wonach die Palästinenser das Existenzrecht Israels anerkennen und im Gegenzug die Eigenstaatlichkeit zugesprochen erhalten. Hizbollah, wie Hamas, sind nicht an einem palästinensichen Staat interessiert. Ihnen geht es lediglich um die Destabilisierung einer ganzen Region; ihnen geht es um die Errichtung eines islamischen Machgefüges nach dem Grundsatz der Scharia, wonach das religiöse islamische Recht für alle zur Anwendung käme. Diese Muslimbruderschaften, die vor über zwei Jahrzehnten ihre Geburtsstunde in Ägypten hatten, sind durchaus in der Lage, die nordafrikanischen Diktaturen aus dem Gleichgewicht zu heben.
Staatsmänner vom Format eines Helmut Schmidt oder Anwar as Sadat sind wieder gefragt. Allerdings besteht in der Zukunft auf der politischen Bühne kaum Hoffnung auf entsprechenden Nachwuchs. Vielleicht gelingt es Barack Obama Ausgewogenheit in das zerstörte Gläubigkeitsbild der abrahamistischen Religionen und damit das absehbare Ende der über die Jahrhunderte hinweg ausgefochtenen kriegerischen Auseinandersetzungen herbeizuführen. Um dem damit verbundenen latenten Antisemitismus entgegenzutreten, wäre ein rigoroser Laizismus nach türkischem Vorbild ein gangbarer Weg. Nur eine klare Trennung von Staat und religiösen Einflüssen kann einer unruhigen Gegend wie der Nahe Osten auf Dauer Stabilität bringen.
Erinnern wir uns an das griechische Wort "holokaustos", an die Brandopfer, die jeder Krieg fordert, auch der palästinensisch-israelische. In diesem Zusammenhang wäre es auch ratsam, den jüdischen Israelis ihre Vergangenheitsgeschichte in Erinnerung zu rufen. Die an den Juden begangenen Verbrechen bieten sich als Anlehnung und Anleitung für das mörderische Vorgehen an den Palästinensern gerade zu an, wenn auch in abgeschwächster und milderer Form.
Rudolf Augstein schrieb einmal, "Israelis scheinen andere Menschen zu sein." "Israel sei nun einmal, auch ohne Menachem Begin, ein landnehmender, ein erobernder, ein auf Eroberung programmierter Staat, in einer nach Rohstoffen und nach Zahl der Leute überlegenen Umwelt." "Wie lange will der Staat Israel mit einer konstruktiven Friedenspolitik gegenüber seinen arabischen Nachbarn waren...(?)" Der Nachsatz bezog sich dann allerdings auf die noch vor 1945 geborenen Deutschen. Diese Feststellung enthebt die jüdischen Israelis Augsteins Ansicht nach der Friedenswilligkeit!
Natürlich sind die Umstände der Bedrohung heute wesentlich anders. Die Radikalisierung der Palästinenser erklärt noch lange nicht die Notwendigkeit einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel; sie erklärt auch nicht die Notwendigkeit täglichen Raketenbeschusses durch die Hamas. Ist nicht die Hamas Anlass des weltweiten Aufschreis unter Umkehrung der Tatsachen?
Helmut Schmidts politischer Kommentar und die damit verbundene Kritik, die Aufgleisung von Lösungsmöglichkeiten, wäre auch in Anbetracht dieser unseligen Entwicklung nicht nur eine Notwendigkeit, sie wäre fruchtbarer Boden für die Entflechtung eines uralten Vorurteils, wonach Araber und Juden nicht in friedlicher Nachbarschaft zusammenleben können. Schmidts seinerzeitige Erfahrung mit der israelischen Führung hat ihm nicht nur Beifall eingebracht...
Solange sich beide zerstritten Parteien um Frieden nicht ernsthaft bemühen, die Israelis die politischen und religiösen Unausgewogenheiten seitens der Palästinenser nicht in ihr Kalkül miteinbeziehen, solange wird das "jüdische Vorgehen" zum Anlass eines wieder aufflammenden "modischen, politischen und gesellschaftlichen" Antisemitismus, werden Anschläge gegen ihre Einrichtungen, Personen und Institutionen wieder zunehmen. Was sich im Nahen Osten zur Zeit zuträgt, ist nicht nur eine "neue Form des Krieges", er gebärt auch "eine neue Form des Antisemitismus"!
Peter Süess. CH-5303 Würenlingen
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