Kein Zweifel, auf dem Helm des Ritters sitzt ein Osterhase. Und auf dem seines Nebenmannes – ist das ein Quietscheentchen? Unter den mittelalterlichen Rüstungsträgern, die sich im zweiten Akt des Tannhäuser auf der Wartburg einfinden, um dem Sängerwettbewerb zu lauschen, tragen einige sehr extravaganten Kopfputz. Eine beiläufige selbstironische Geste in Kirsten Harms’ Inszenierung, die sich ansonsten auf die ganz großen Bilder konzentriert.

Schon zu den Klängen der Ouvertüre schwebt im Glitzerregen ein funkelnder Ritter vom (mitunter peinlich knarzenden) Schnürboden. Scheinbar schwerelos wie ein Kubrick’scher Astronaut inmitten des leeren Raumes. Ihn empfängt eine Wolke aus Seifenblasen und ein Whirlpool voller lasziv sich räkelnder Damen, angeführt von einer Venus, wie Botticelli sie schuf.

Wie die gesamte Inszenierung badet auch diese Szene in buntem Licht, das einzelne Akteure stimmungsvoll einfärbt. Rüstungen glänzen metallisch blau, Liebende erglühen in rot. Harms und ihr Ausstatter Bernd Damovsky bringen sogar ein veritables Fegefeuer samt geflügelter Dämonen auf die Bühne – eine zynische Lesart des Pilgerchores.

Als dann Landgraf Hermann und Hofstaat auf rollenden Panzerreiterrössern hereingeschoben werden und sich ein Heer dekorativer Ritterrüstungen marionettengleich über die Szenerie senkt, verwandelt sich die Deutsche Oper in eine Augsburger Puppenkiste XXL.

Tatsächlich steht aber nicht die in rostfreier Ehre erstarrte Männerwelt im Zentrum von Harms’ Konzept, sondern die (Un-)Vereinbarkeit von Erotik und keuscher Tugend. Venus und Elisabeth - die These ist nicht neu - sind nicht moralische Antagonistinnen, sondern Facetten ein und derselben gespaltenen Persönlichkeit.