Thailand steckt in einer tiefen innenpolitische Krise. Am internationalen Flughafen der Hauptstadt spitzt sie sich gerade zu. Das Oppositionsbündnis, das sich selbst zynischerweise "Volksallianz für Demokratie" (PAD) nennt, will die vom Volk demokratisch gewählte Regierung von Premier Somchai stürzen. Und ihre Mittel dazu sind drastisch: monatelang anhaltender Massenprotest und Blockaden.

Nach einer spektakulären Aktion Ende August, als Anhänger der PAD den Regierungssitz und das Parlament besetzten, zogen die Demonstranten zum alten Flughafen Don Muang, an dem die Somchai-Regierung ihren neuen Arbeitsplatz bezogen hatte. Seit einigen Tagen haben sie nun auch noch den Internationalen Flughafen von Bangkok in ihre Gewalt gebracht, fast der gesamte Flugverkehr des Landes ist zum Erliegen gekommen.

Die Besetzer der beiden Flughäfen haben sich der Aufforderung der Regierung zur Räumung bislang widersetzt. Tausende Regierungsgegner ignorierten den vom Premier verhängten Ausnahmezustand, durch den ihre Aktion illegal wurde. Stattdessen bauten sie Barrikaden aus Gepäckwagen auf, um eine Erstürmung durch die Polizei zu verhindern. Mit Eisenstangen bewaffnete Schlägertrupps wurden zur Bewachung der Eingänge abgestellt.

Die PAD wirft Premier Somchai vor, eine Marionette seines Schwagers zu sein, des vor zwei Jahren gestürzten Premierministers Thaksin. Der frühere Ministerpräsident und Telekom-Milliardär hatte das Land verlassen, weil er wegen Amtsmissbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt worden war.

Bei seinem Wahlsieg im Jahr 2001 hatte Thaksin die entscheidenden Wählerstimmen bei den armen Bauern im stark besiedelten Norden und Nordostens Thailands gewonnen. Er bediente sich dabei populistischer Parolen, betrieb jedoch nach seiner Wahl eine durchaus erfolgreiche Wirtschaftspolitik, die vor allem beim ärmeren Bevölkerungsteil ankam. Aber Thaksin war auch korrupt, ein Makel, der bei thailändischen Regierungsmitgliedern nicht selten ist, der Opposition indes Gelegenheit gab, gegen ihn vorzugehen.

Diese Opposition besteht in erster Linie aus der traditionellen urbanen Elite des Landes – Militärs, Beamte und Geschäftsleute. Sie verstehen sich als Vertreter des "modernen" Thailand, ganz im Gegensatz zu der aus ihrer Sicht rückständigen Landbevölkerung im Norden und Nordosten.

Nach seinem Wahlsieg nahm Thaksin der städtischen Elite - in erster Linie jene der Hauptstadt Bangkok - einen Teil ihrer Pfründe und Privilegien, indem er zentrale Ämter mit von ihm gewählten Personen besetzte. Eine Abkehr der Staatsregierung von der bis dahin herrschenden politischen Klasse hatte es bis dahin nicht gegeben.