Kinder in Deutschland sehnen sich stark nach Geborgenheit, nach Vertrauen und Verlässlichkeit. Sie erhoffen sich diese Werte vor allem von der Familie. Das ergab der Kinderwerte-Monitor 2008 , den die Hilfsorganisation Unicef und das Kindermagazin Geolino in Berlin vorstellten. Mit Beginn der Pubertät verschiebt sich der Schwerpunkt von der Familie hin zu den Freunden. Diese sind auch bei Problemen in der Familie besonders wichtig. Daher wird Freundschaft am meisten genannt in der Studie. Für fast 80 Prozent der 11- bis 14-Jährigen ist sie "total wichtig". Die jüngeren Kinder sehnen sich zu über 60 Prozent nach Geborgenheit.

Aber auch Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit haben einen hohen Stellenwert bei Kindern. Sie wollen etwas leisten, in der Schule und anderswo. Geld und Besitz nehmen dagegen eine vergleichsweise geringe Bedeutung ein. Jungen streben dabei noch immer eher nach Wohlstand als die Mädchen. Für sie ist auch eine klassisch "männliche" Tugend wie Mut bedeutsamer als für Mädchen.

Wenn es darum geht, wer den Kindern Werte vermitteln soll, stehen die Eltern an erster Stelle – fast alle der befragten Kinder sehen Mutter und Vater in dieser Rolle. Mit weitem Abstand folgen dann erst andere Verwandte (knapp 70 Prozent) und Lehrer (60 Prozent). Politiker, berühmte Menschen und Medienvertreter gelten nicht als sonderlich vertrauenswürdig und vorbildhaft. Nur 6 Prozent der Kinder glauben beispielsweise, dass ihnen Politiker gut Werte beibringen können.

Die Sehnsucht nach Geborgenheit hat stark an Wichtigkeit gewonnen seit der letzten Studie. 58 Prozent der Kinder halten sie in diesem Jahr für besonders wichtig, während es im letzten Jahr nur 48 Prozent waren. Das mag daran liegen, dass Kinder sich inzwischen viele Sorgen um die Zukunft machen. So fürchtet fast ein Viertel der befragten Jungen und Mädchen, die Eltern oder nahe Angehörige durch Krankheit oder Scheidung zu verlieren. Außerdem haben Kinder Angst, dass ein Elternteil arbeitslos werden oder es der Familie finanziell schlechter gehen könnte. In den Ängsten der Kinder spiegeln sich möglicherweise soziale, gesellschaftliche und politische Probleme der Erwachsenen wider.

Verstehen Kinder überhaupt, wenn man sie nach Werten wie Toleranz und Umweltschutz befragt? Sie verstünden sehr viel davon, behaupten die Organisatoren der Studie. Unter Toleranz beispielsweise verstünden die meisten Kinder eine generelle Akzeptanz anderer Meinungen, aber auch, Menschen anderer Nationalitäten zu akzeptieren. Unter Freundschaft – dem wichtigsten Kinderwert – verstehen die Befragten allerdings Unterschiedliches. Die 6- bis 10-Jährigen nennen vor allem "miteinander spielen". Die Älteren verlangen dagegen, dass Freunde füreinander da sein müssen, sich gegenseitig vertrauen und zusammenhalten. Ab etwa 12 bis 14 Jahren wird das gegenseitige Verstehen sogar wichtiger als Hilfeleistungen.

Für den Wertemonitor 2008 wurden im Sommer 2008 insgesamt 911 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren aus Deutschland sowie 706 Mütter der befragten Sechs- bis Zwölfjährigen interviewt.