Fussball im Fernsehen Ein Nischenprodukt?

Die ARD hat die Rechte am Bundesliga-Sonntag erstanden, doch weiß nicht, was tun damit. Dem Fußball scheint es an einer TV-Strategie zu fehlen.

Dass Werder Bremen die europäische Spitzenmannschaft Inter Mailand mit 2:1 besiegt hat und wenigstens noch in den Uefa-Cup einzieht, konnten gestern nur die Premiere-Abonnenten sehen. Selbst Zusammenfassungen von Europapokalspielen gibt es im frei empfangbaren deutschen Fernsehen allenfalls mit Verspätung.

Auch der nationale Fußball wird zum Teil im Bezahlfernsehen versteckt. Am vorigen Freitag haben Bayern und Hoffenheim den "neuen deutschen Fußball" (FAZ) eingeleitet. Doch viele Deutsche waren ahnungslos. Im Free-TV waren Bewegtbilder nämlich erst am Samstagabend zu sehen; am Freitagabend sendete die ARD nur Fan-Interviews.

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Es gibt weitere Indizien, dass die Sportart Nummer eins ihre TV-Vermarktung überreguliert. Als die Deutsche Fußball Liga (DFL) jüngst die Vergabe der TV-Rechte an der Bundesliga bekannt gab, feierte sie einen Erfolg: In schwierigen Zeiten konnte sie ein leichtes Einnahmeplus verzeichnen. Doch nun wird ein Makel sichtbar, denn im Moment weiß niemand, was mit dem Sonntag passiert.

Die ARD hat zwar von Juli 2009 bis Juni 2013 die Sonntagsrechte, bestätigt aber ZEIT ONLINE auf Nachfrage, dass sie keine Strategie habe, wie sie damit umgehen soll. Sonntagabend sieht man in der ARD traditionell Tatort, Anne Will und ab 23 Uhr Kultur, daran will wohl niemand rütteln. Vielleicht haben die Intendanten überhaupt kein zusätzliches Geld für die Sonntagsrechte ausgegeben, sondern wurden bloß für die Entwertung ihrer Samstags-Sportschau entschädigt, die ab der nächsten Saison mit einem Live-Spiel auf Premiere konkurrieren muss.

Der Sonntag ist offensichtlich keine begehrte TV-Ware. Das DSF, aktueller Besitzer der Rechte, hat das Interesse verloren. ARD-Programmdirektor Volker Herres hat in einem Interview mit dem Medienmagazin DWDL gesagt, am herkömmlichen Programm nichts ändern zu wollen. Der Bundesliga könnten sich die Dritten Programme annehmen. Das klingt eher danach, als müsste die ARD einer Pflicht nachkommen – und nicht, als hätte sie ein Premiumprodukt erstanden.

Der Fußball könnte dadurch an Quote verlieren. Die Dritten sind Regionalprogramme, das heißt beispielsweise: Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) würde sich wohl nur für Spiele interessieren, an denen Hamburg, Wolfsburg, Bremen oder Hannover beteiligt sind. Unter Umständen würden Bundesliga-Sendungen parallel laufen, etwa so: Der Hessische Rundfunk zeigt um 21.45 Uhr Frankfurt gegen Stuttgart, der Südwestfunk Stuttgart, aber auch und zusätzlich Hoffenheim gegen Cottbus, über das wiederum der Rundfunk Berlin-Brandenburg berichtet. Die Fans müssten die Fernsehprogramme gut studieren, wenn sie alle Tore sehen wollen.

Einer Zuschauerbindung und dem Aufbau einer Marke, wie etwa der Sportschau am Samstag, ist die Verschiebung der Bundesliga in das Regionalfernsehen nicht dienlich. Zumal nicht alle Dritten überall in Deutschland zu empfangen sind und auch nicht alle Sportsendungen am Sonntagabend etabliert haben. Der NDR hat für seinen Sportclub ein Stammpublikum aufgebaut, doch der Westdeutsche Rundfunk zeigt am Sonntagabend keinen Sport mehr. Eine andere Variante wäre, die Bundesliga in den Tagesthemen abzuwickeln. In einer Nachrichtensendungbliebe jedoch wenig Zeit für zwei, manchmal sogar drei Spiele. Zudem hieße das eine Sendezeit etwa um 23 Uhr, kinderfreundlich ist das nicht.

Wie das neue TV-Modell angenommen wird, ist ja nicht nur in dieser Hinsicht fraglich. Auch der Samstag steht vor einer Bewährungsprobe: Welche Folge hat es, wenn künftig um 18.30 Uhr, also zur traditionellen Sportschau-Zeit, ein Spiel angestoßen wird? Für den Fußball könnte dies weniger Sichtbarkeit und weniger Popularität bedeuten, für die Sponsoren weniger Reichweite. Dabei sollten alle im Fußball daran interessiert sein, viele Menschen zu erreichen. Die Bundesliga kennt man, über die Bundesliga redet man. Uli Hoeneß, Ralf Rangnick und Jürgen Klopp sind vielen Deutschen fast Teil der Familie. Das ist auch ein ökonomischer Wert.

 
Leser-Kommentare
    • zetti
    • 10.12.2008 um 8:58 Uhr

    DFL? Ist das nicht diese Firma, von der vor einiger Zeit Uli Höneß behauptet hat, das einzig Gute an deren Arbeit sei das neue Bundesligalogo?
    Zetti

  1. dass es dem deutschen Fußball an einer TV-Strategie fehlt.
    Das Problem ist, dass Fußball im TV zu sehen ist. Fußbal gehört auf den Platz, in den heimischen Verein, und nicht ins öffentliche Fernsehen. Dass öffentliche Gelder für große Sportstadien und die Übertragung der dort betriebenen leibesertüchtigenden Übungen verschwendet werden, ist ein großes Ärgernis, ein noch unerkannter Skandal! Es gibt, weiß Gott, Sehenswerteres!

    • Anonym
    • 10.12.2008 um 17:30 Uhr

    Die Glotze als Leitmedium wurde bei den jungen Leute bereits vom Internet/PC abgelöst und zwar deutlich. Maximal läuft der Fernseher noch im Hintergrund, als "Geräuschkulisse" (wenn man nicht gerade Musik hört ist es sonst doch arg still vor dem Rechner). Hinschauen tut aber keiner. Und wenn man von großen Turnieren wie WM absieht will diese Generation nichts mehr anschauen wenn es die Sender vorgeben - sondern wann sie wollen (dann lieber gleich Live dabei - im Stadion in einer dieser vielen topmodernen Arenen die den Normalbürger vom Sofa weg mitten ins Getümmel holen). Also über's Internet, das wäre der ideale Verbreitungsweg.

    Der Sport ist damit nicht allein.
    Bei Musikern gibt es derzeit auch ein Revival von Konzerten - nach dem man mit CDs kein Geld mehr verdienen kann und Musikfernsehen/Radio schlicht "out" sind (nicht zuletzt auch wegen unerträglich schlechtem Programmangebot, vor allem aus Klingeltonwerbung, billig produzierter "Gute Laune" und anderen Banalitäten bestehend - ab und zu unterbrochen von Musik).
    Die Jugend kriegt man heutzutage im Internet - oder gar nicht.
    Und die Jugend von heute ist das gesamte Publikum von Morgen.
    Die ganze Medienlandschaft, ob privat oder öffentlich-rechtlich, scheint hier schlicht keine Zukunftskonzepte zu haben.
    Ich hab meinen Fernseher sogar schon abgeschafft, da mein Kabelanbieter die Digitalisierung erzwungen hat und ich Geld hätte ausgeben müssen um dieses Zeug noch empfangen zu können. Es ist nicht niveaulos oder so, bin keiner dieser blasierten La-Di-Das, es ist einfach nur langweilig was da läuft.

    • KFlash
    • 10.12.2008 um 17:59 Uhr

    Ich glaube, dass VOD (Video on Demand) mehr für die Medien bringen wird als "Mitmach-TV", wo man einen backstream einbindet um einfluss auf die Sendung zu nehmen.

    Passives Angucken wird es auch in Zukunft geben - aber nicht mehr dann wenn es der Sender sagt, sondern dann wenn man es will.
    Ich muss auch München gegen Hoffenheim nicht live im Fernsehn sehen. Wenn ich z.B. eine Halbe Stunde nach Anpfiff vom Nachbar höhre, dass das ein Sch**sspiel ist, dann guck ich es nicht an. Wenn er das Gegenteilige sagt, dann guck ich mir das VOD an.

    Notgedrungen setzt man VODs in Randprogrammen wie E-Sport ein. Dort hat man nicht die Marktmacht um zu sagen: Entweder du guckst jetzt, oder Pechgehabt. Die (GIGA, ESL-TV) müssen sich kümmern, ihre Zuschauer zu behalten. Deshalb gibt es bei denen VODs. Ich gucke dort eigentlich nur noch VODs an. Livesendungen schränken mich zusehr ein (ich kann nicht weggehen, ohne was zu verpassen.)

    • DerIre
    • 23.12.2008 um 18:01 Uhr

    Zattoo alle ARD-Sender, DSF uvm. sind eingespeist. Der Trend geht eh zum zwei Monitor-Rechner.

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