Zehntausende haben in Griechenland bei Trauermärschen des 15-jährigen Schülers gedacht, der bei den schweren Krawallen in Athen durch eine Polizeikugel getötet worden war. Bei den Feierlichkeiten flammten die Zusammenstöße von Autonomen und Polizei wieder auf.

Zur Beerdigung des Schülers auf einem kleinen Friedhof in der Athener Vorstadt Palaio Faliro kamen außer der Familie und Freunden auch Schülervertretungen aus zahlreichen Gymnasien Athens zusammen. Schüler aus Nordgriechenland und von der Insel Kreta schickten Blumen, berichtete das Fernsehen. Als der Sarg aus der Kirche kam, brandete Beifall auf.

"Es ist der letzte Beifall für einen Jungen, den die Polizeigewalt von uns genommen hat", sagte ein Schüler im Radio, und überall waren weiße Nelken. "Sie symbolisieren in unserem Glauben die Unschuld des Jungen." Aus der Menge kamen auch harte Worte. "Bullenschweine - Mörder", skandierten einige. "Das vergossene Blut fordert Rache." Die Polizei beobachtete von einem Hubschrauber aus in diskreter Entfernung die Trauerfeier.

Auf vielen zentralen Plätzen im Land gedachten zeitgleich Zehntausende Schüler des 15-Jährigen. Aus einer Demonstration von rund 5000 Schülern in Athen lösten sich rund 200 Jugendliche und bewarfen die Polizei mit roter Farbe, Steinen und Latten vor dem Parlamentsgebäude, wie das Fernsehen zeigte. Die Polizei setzte massiv Tränengas ein, um die Randalierer auseinanderzutreiben. Trotz verschärfter Sicherheitsmaßnahmen kam es am Nachmittag sporadisch zu weiteren Ausschreitungen in Athen. Rund 50 Randalierer zündeten Mülltonnen an. Sie hatten zuvor an der Trauerfeier teilgenommen.

Bereits in der Nacht zu Dienstag hatten im Athener Stadtzentrum rund 5000 zumeist vermummte Autonome Hunderte Läden, öffentliche Gebäude und Autos in Brand gesteckt und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die Sicherheitskräfte reagierten zumeist hilflos. "Ich bin wie gelähmt. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll", klagte der Inhaber eines Schuhgeschäfts an der Akademiasstraße im Zentrum. Sein Laden war nur noch ein verkohltes schwarzes Loch in dem Gebäude. Bei den schweren Ausschreitungen wurde sogar der Eingang des Außenministeriums verwüstet.

Die Regierung droht den Randalierern nun mit aller Härte der Staatsgewalt. Der konservative Regierungschef Kostas Karamanlis rief die politischen Parteien außerdem zu Geschlossenheit auf. "Das ist unsere Pflicht", sagte er nach einem Treffen aller Spitzenpolitiker bei Staatschef Karolos Papoulias. Der Regierungschef kündigte eine lückenlose Aufklärung der Hintergründe des Todes des 15-Jährigen an. "Ich habe dem Präsidenten des Landes versichert: Wir werden keine Gnade für die Verantwortlichen zeigen."