Krawalle Griechenland vor unruhiger Nacht

Für den Abend wurden in fünf Städten, darunter auch in Thessaloniki, weitere Proteste angekündigt. Die Menschen sind enttäuscht über ihre ratlos agierende Regierung

Athens Innenstadt nach den Unruhen vom Wochenende: Viele erinnern die Bilder an den Bürgerkrieg Ende der vierziger Jahre

Athens Innenstadt nach den Unruhen vom Wochenende: Viele erinnern die Bilder an den Bürgerkrieg Ende der vierziger Jahre

Griechenland kommt nach dem Tod eines 15-jährigen Schülers durch den Schuss aus einer Polizeiwaffe nicht zur Ruhe. Nach den schweren Ausschreitungen autonomer Gruppen vom Wochenende demonstrierten am Montag erneut Tausende gegen die Polizei und griffen öffentliche Gebäude und Einrichtungen an. Landesweit sind nach ersten Schätzungen mehr als 500 Geschäfte, Banken, Autohäuser und öffentliche Gebäude verwüstet oder schwer beschädigt worden. Die Schadenssumme der Gewalt soll mehr als 100 Millionen Euro ausmachen, rund 40 Menschen wurden bisher verletzt.

In Athen gingen auch am Montag mehrere tausend Schüler auf die Straßen. Vor der Polizeidirektion zogen sich zwei Jugendliche bis auf die Unterwäsche aus und legten sich vor den Eingang. "Tötet uns auch", skandierten sie. In der Hafenstadt Thessaloniki warfen Unbekannte mehrere Brandsätze gegen ein Bankgebäude. Schüler blockierten die Straßenbahn von Athen. Andere Jugendliche besetzten eine Station der U-Bahn nahe der Vorstadt Kifissia.

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In Piräus warfen Schüler Steine auf eine Polizeistation. Randalierer zerstörten sechs Autos. In Nikosia, der Hauptstadt Zyperns, blockierten Hunderte Jugendliche den Eingang der griechischen Botschaft. Und auch für die kommenden Tagen wurden neue Demonstrationen autonomer Gruppen und linker Parteien angekündigt.

Danach boten Straßenzüge insbesondere in Athen und im nordgriechischen Thessaloniki Bilder wie aus einem Bürgerkrieg. Mehr als 500 Angestellte der Stadt versuchen in der Hauptstadt noch immer, die vielen Wracks der Autos aus den Straßen zu entfernen. 

Griechenland befindet sich im Schockzustand. "Verbrechen, Terror und dann Gewalt" titelte eine Athener Zeitung. Fassungslos reagierte das Land auf den Tod eines 15-Jährigen durch eine Kugel der Polizei. Das Wochenende der Verwüstung und des Chaos hinterließ aber auch Ratlosigkeit. Dieser hässlichen Gewaltspirale müsse dringend ein Ende gesetzt werden. "Nur wie?", fragten sich die Kommentatoren der griechischen Medien.

Ratlos scheint auch der griechische Regierungschef Kostas Karamanlis zu sein. "Wir werden alles tun, damit diese Tragödie sich nicht wiederholt", sagte er in einer Fernsehansprache. Für die Ausschreitungen am Wochenende machte er "extreme Elemente" verantwortlich. "Deren einziges Motiv ist die Gewalt und die Zerstörung. Wir werden das nicht dulden." Er rief die Griechen auf, Ruhe zu bewahren und versprach Entschädigungen für die Inhaber der Geschäfte, die beschädigt oder zerstört wurden.

Leser-Kommentare
  1. Autos und Geschäfte zerstört... na da wird sich die Opel-Niederlassung in Athen und die Filiale in OBI's Baumarkt doch freuen!
    Wenn unsere Gaga-Ökonomen Recht haben, müsste es dann bald einen Konjunktursprung und wieder Aufschwung geben: Zumindest in Griechenland.

  2. Sonst geht's Ihnen gut?

  3. Die Kriegserklärung kam von der Polizei. Nachdem ein paar Jugendliche einen Streifenwagen ärgerten und eine Plastikflasche hinterherwarfen, kam die Besatzung zu Fuss zurück, warf eine Blendgrante und erschoß mit dem Dritten Schuß einen Jugendlichen. Das war wohl der berühmte Funken, der dem Faß den Deckel ausschlägt.

    So schnell kanns gehen, wenn ein hirnloser Rambo in Uniform einen Bürger ermordet, welcher dummerweise einem Kollektiv angehört, wo man Eigenständigkeit pflegt und zu stolz ist, sich einfach alles von der Staatsmacht bieten zu lassen. Noch dazu von einer mit vielen Faschisten durchsetzten und korrupten Polizei, die offen mit faschistischen Vereinigungen sogar noch nach der Diktatur zusammenarbeitet.


  4. "Ein solches Chaos kann unsere Wirtschaft und Gesellschaft nicht mehr lange ertragen", kommentierte das griechische Radio."

    In den Staatsmedien kommt auch gerne mal Propaganda. Schlimmer ist wohl die Unfähigkeit der Politelite in Griechenland, die das Land nahe an den Ruin trieb. Da sind wir in der BRD noch gut bedient.

  5. Was haben die Banken und Geschäfte in der athener Innenstadt mit der Polizei zu tun?

    Dass der Junge gestorben ist, ist tragisch. Die Polizei hat in dieser Situation - und offenbar auch in anderen Situationen - kläglich versagt. Gleiches gilt für die griechische Regierung.

    Trotzdem ist das unter keinen Umständen eine Rechtfertigung dafür, zu randalieren und die halbe Stadt auseinander zu nehmen.

    Schäden durch Randalierer sind durch keine Versicherung gedeckt. Die Leute, deren Geschäfte abbrennen, verlieren ihre Existenz. Dabei haben sie sich nichts zu Schulden kommen lassen, sondern sind an der Sache völlig unbeteiligt.

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    Die Kids scheinen der gehobenen Bürgerschicht zu entstammen. Es scheint fast so, daß diese die Läden ihrer Eltern abfackeln.
    Und dazu die Polizeimacht hinterher.

    Klasse!

    Die Kids scheinen der gehobenen Bürgerschicht zu entstammen. Es scheint fast so, daß diese die Läden ihrer Eltern abfackeln.
    Und dazu die Polizeimacht hinterher.

    Klasse!

    • KHJ
    • 08.12.2008 um 23:53 Uhr

    Linke Autonome schlagen mit Gewallt zurück, nachdem ein 15-jähriger Jugendlicher von einem Polizisten versehentlich erschossen wurde. Wir kennen es eben nicht anders von den Linken. Lieber einen kaputten Staat, als einen friedlichen Staat.

    Erst wenn ein Polizist ermordet wird, kehrt Ruhe in Griechenland ein. Leider.

    KHJ aus Köln

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    Er wurde absichtlich erschossen. Und der griechische Staat ist bereits kaputt. Gehens woanders haussieren.

    Er wurde absichtlich erschossen. Und der griechische Staat ist bereits kaputt. Gehens woanders haussieren.

  6. Die Kids scheinen der gehobenen Bürgerschicht zu entstammen. Es scheint fast so, daß diese die Läden ihrer Eltern abfackeln.
    Und dazu die Polizeimacht hinterher.

    Klasse!

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    Macht es das besser?
    Ist es nicht irgendwie komisch, dass "Gewinner" des kapitalistischen Systems gegen das selbige "protestieren"? Drängt sich in diesem Fall nicht noch mehr der Eindruck auf, dass es bloß um a) halbstarke Abgrenzung von den Eltern und b) bloßes Ausleben von Zerstörungswut geht?

    Macht es das besser?
    Ist es nicht irgendwie komisch, dass "Gewinner" des kapitalistischen Systems gegen das selbige "protestieren"? Drängt sich in diesem Fall nicht noch mehr der Eindruck auf, dass es bloß um a) halbstarke Abgrenzung von den Eltern und b) bloßes Ausleben von Zerstörungswut geht?

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