Trotz Siemens-Skandal und einer Vielzahl an Präventionsmaßnahmen: Die Auslandskorruption deutscher Unternehmen konnte auch in diesem Jahr nicht eingedämmt werden. Zwar rangiert Deutschland beim internationalen Bestecher-Index 2008 der Organisation Transparancy International zusammen mit Großbritannien und Japan auf einem "sauberen" fünften Platz, doch damit "können wir nicht zufrieden sein", sagte Sylvia Schenk, Vorsitzende von Transparency International Deutschland. "Wir sind keinen Schritt nach vorne gekommen."

Insbesondere kleinere Unternehmen wiesen alle Schuld von sich und unterschätzten das Risiko, erwischt zu werden. Die Hamburger Oberstaatsanwältin Cornelia Gädigk ergänzte diese Ansicht: "Es soll sich keiner mehr sicher fühlen. Das Entdeckungsrisiko ist gestiegen." Grund für die verbesserten Ermittlungschancen sei eine immer intensivere nationale und internationale Zusammenarbeit in der Strafverfolgung, aber auch der öffentliche Druck seitens der Bevölkerung und der Medien. Insbesondere die erleichterte Telekommunikationsüberwachung seit Anfang des Jahres erhöhe die Chancen der Ermittler.

Die Tatsache, dass sich deutsche Unternehmen im Bestecher-Index nicht verbessert haben, zeigt noch immer "erheblichen Handlungsbedarf", sagte Schenk. Besonders personelle Kapazitäten bei Polizei und Gericht im Bereich der Wirtschaftskriminalität müssten aufgestockt werden. Auch die Bundesländer bräuchten mehr Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Korruption, "sonst entsteht langfristig Schaden für die Demokratie".

Ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zu Prävention und Strafverfolgung würde da einiges ändern, sagte Schenk. "Aber Deutschland versagt hier." So sei zum Beispiel die Strafbarkeit der Abgeordnetenbestechung in Deutschland noch nicht an internationale Vorgaben angepasst. Auch die mittlerweile fünf Jahre bestehende UN-Konvention gegen Korruption habe Deutschland noch nicht ratifiziert. Somit "fehlt der Bundesrepublik die nötige Glaubwürdigkeit", um sich auch international für saubere Geschäftspraktiken einzusetzen.