Zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hatte der frühere Philosophie-Professor der Universität Peking gemeinsam mit 300 anderen Intellektuellen und Bürgerrechtlern einen "Charta 2008" genannten Aufruf unterzeichnet. Weil er demokratische Reformen fordert, werfen die chinesischen Behörden Xiaobo "Untergrabung der Staatsgewalt" vor.

Liu wurde bereits mehrfach verhaftet. Nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz in Peking 1989 saß er 20 Monate im Gefängnis, weil er die Aufklärung des Massakers forderte und das Vorgehen der Studenten verteidigte. 1996 kam er für drei Jahre in ein Umerziehungslager.

Die Organisation Human Rights in China (HRiC) vermutet, dass Liu vor Gericht gestellt werden soll. Die Durchsuchung seiner Wohnung, die Beschlagnahmung seines Computers, mehrerer Mobiltelefone und verschiedener Dokumente deuteten darauf hin.

Medienberichten zufolge wurden auch die Computer eines weiteren Initiators der Kampagne, Zhang Zuhua, konfisziert. Auch seien die Ersparnisse von seinem Bankkonto abgehoben worden, berichtet die Zeitung The Times .

Internationale Menschenrechtsorganisationen protestierten gegen die Festnahme Lius. Die chinesische Regierung habe damit zum Jahrestag "die leere Rhetorik" ihrer Menschenrechtspolitik enthüllt, hieß es von HRiC. Die Organisation Reporter ohne Grenzen berichtete von Verhören und Drohungen anderer Unterzeichner und nannte das Vorgehen "erschreckend".