Europa hat einen neuen Lebensmittelskandal: Nach gammeligem Döner- und BSE-Rindfleisch sind diesmal riesige Mengen an verseuchtem Schweinefleisch aus Irland im Handel aufgetaucht.

Seit September sollen rund 2000 Tonnen mit Dioxinen und dem dioxinähnlichen Stoff PCB belastetes Fleisch auch nach Deutschland, auf fünf Betriebe in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gelangt sein. In Irland bildeten sich bereits lange Schlangen von verunsicherten Kunden vor den Supermärkten, die ihre eingekauften Fleischprodukte zurückbringen wollten. Trotz der raschen Entwarnung der deutschen Behörden, fragen sich auch die Verbraucher hierzulande, wie gefährlich der Verzehr von irischem Schweinefleisch jetzt ist.

Tatsächlich muss niemand in den kommenden Tagen befürchten, ernsthaft zu erkranken. Erst die Aufnahme größerer Mengen an Dioxinen über einen Zeitraum von mehreren Tagen bis Wochen kann Krebs auslösen. Auch akute Beschwerden, wie Hauterkrankungen, Leber-, Milz- und Nierenschäden sowie ein geschwächtes Immunsystem, treten erst dann auf, wenn die Giftstoffe in hoher Dosis in den Körper gelangen. Dennoch gilt: Dioxinähnliche Polychlorierte Biphenyle (PCB) haben nichts in Lebensmitteln zu suchen. 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schätzt, dass die Menge an gefährlichen Stoffen, die in irischem Schweinefleisch gefunden wurde, etwa zwanzigfach über dem zulässigen Grenzwert liegt. Zugelassen sind anderthalb Billionstel Gramm Dioxine pro Gramm Fett aus Schweinefleisch. "Wird so ein Wert einmal für kurze Zeit überschritten, ist das nicht gefährlich", sagt der Chemiker Wolfgang Mathar vom BfR. Dennoch seien langfristige Folgen zu bedenken: "Selbst bei geringen Mengen über längere Zeit ist tendenziell eine schädliche Belastung erkennbar."

Die Ursache für die jetzt entdeckte hohe Dioxin-Belastung ist vermutlich einmal mehr verseuchtes Tierfutter. Kein neues Thema: Seit Jahren warnen unter anderem unabhängige Verbraucherorganisationen wie Foodwatch vor Dioxinen und dioxinähnlichem PCB in Futtermitteln. Diese bestehen zu großen Teilen aus zugelassenen Inhaltsstoffen wie etwa alte Bratfette, Öle und Fischmehl. Etwa 80 Prozent der Dioxinmenge, die jeder von uns täglich zu sich nimmt, sei es über Nahrung oder die Luft, stammt aus Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch, Milch und Eier. Zu einem großen Anteil ist das aber unbedenklich; täglich sind die Menschen geringen Mengen an Dioxin ausgesetzt.

Rätselhaft ist aber die erschreckend hohe Belastung der Tiere in Irland. Nach ersten Erkenntnissen der irischen Behörden soll ein Tierfutter-Hersteller aus dem Südosten Irlands den Skandal ausgelöst haben. Der Betrieb habe möglicherweise verseuchtes Öl verwendet, um seine Futterproduktion zu trocknen.

Bislang besteht also keine akute Gefahr für den Menschen. Allerdings könnte das verseuchte Tierfutter nicht nur an Schweine verfüttert worden sein: Wie die EU-Kommission berichtet, sind auch Rinderzuchtbetriebe betroffen. Hierbei werde derzeit noch geprüft, ob auch dieses Rindfleisch ähnlich schwer belastet ist. Dabei handele es sich aber um eine Vorsichtsmaßnahme, da Kühe mit weit weniger Mischfutter versorgt werden als Schweine.