Arbeitsmarkt Zahl der Hartz-IV-Aufstocker steigt
Die Zahl der Menschen, deren Lohn zum Leben nicht reicht, nimmt nach Angaben der Bundesagentur zu. Der Trend begann schon zu Boomzeiten - und könnte sich nun verschärfen
Die Zahl der Arbeitnehmer, die voll oder in Teilzeit arbeiten und zur Sicherung des Existenzminimums zusätzlich Arbeitslosengeld II beziehen, ist auch 2008 weiter gestiegen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung und bezieht sich auf eine Studie der Bundesagentur für Arbeit.
Demnach sei die Zahl der sogenannten Aufstocker, deren Arbeit mindestens 800 Euro brutto im Monat einbringt, von Januar bis Juli 2008 von 369.597 auf 384.467 gestiegen, berichtet das Blatt. Auch die Zahl der Aufstocker, deren Bruttoverdienst zwischen 400 und 800 Euro lag, habe in diesem Zeitraum um fast 12.000 auf 243.550 zugelegt.
Damit bestätigt sich eine von vielen erwartete Trendwende nicht. Im vergangenen Winter war die Zahl der Aufstocker vorübergehend zurückgegangen. Langfristig aber sei die Zahl der Menschen, die zusätzlich auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind, deutlich gestiegen, schreibt die Zeitung. Dabei beruft sie sich auf Berechnungen des Arbeitsmarktexperten des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Wilhelm Adamy, der die aktuellen Zahlen mit jenen vom September 2005 vergleicht. Danach wuchs von diesem Monat an bis Ende 2007 die Zahl der Aufstocker mit einem Bruttolohn von 400 bis 800 Euro um mehr als 50 Prozent und die mit mehr als 800 Euro Einkommen um rund 40 Prozent.
Die neuen Zahlen könnten den Befürwortern von Mindestlöhnen weiter Auftrieb geben. Diese argumentieren seit Langem, dass Unternehmen die Löhne drückten, seit der Staat durch das Arbeitslosengeld II aufstockende Leistungen zahlt.
Adamy begründet den jüngsten Trend mit der Zunahme von prekärer und nicht existenzsichernder Beschäftigung. Zudem weist er daraufhin, dass die Entwicklung bereits zu einer Zeit begann, als die Wirtschaft florierte, der Bedarf nach Arbeitskräften anstieg und die Zahl der Hartz-IV-Empfänger zurückging. Für die Betroffenen sei es "demoralisierend, wenn sie voll arbeiten, mit ihren Beiträgen zur Finanzierung des Sozialstaats beitragen und trotzdem auf staatliche Leistungen angewiesen sind", sagte Adamy der Zeitung. Verbreitet sei das Aufstocken von Löhnen vor allem in der Gastronomie, im Verkehrsgewerbe, bei Reinigungsdiensten und in der Leiharbeitsbranche.
Insgesamt waren im Juli 2008 1,35 Millionen Menschen auf das ergänzende Arbeitslosengeld II angewiesen. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Hartz-IV-Empfänger und Niedriglöhner im Abschwung weiter zunehmen wird.
- Datum 06.12.2008 - 13:08 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 33
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Ist klar, Unternehmen die so tiefe Löhne bezahlen das davon in Deutschland nicht gelebt werden kann lassen sich durch eben diese Angestellten und deren staatlichen Unterstützungen Subventionieren... eine genügend hohe Anzahl von Arbeitslosen als Vorbedingung für solche niederen Machenschaften ist leider schon seit längerem vorhanden...
Sind das nun Vorbildliche Manager oder nutzen diese einfach Schwächen von anderen aus? Wie gut währen diese Manager den wirklich wenn diese unter Umständen "managen" müssten die einer modernen Gesellschaft würdig währe?
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
man muss kein Experte sein und nicht über das Orakel von Delphi verfügen, um diese absolut logische Entwicklung vorauszusehen. Der Segen der Leiharbeit mag in Einzelfällen qualifizieten Kurzzeitarbeitslosen und in jedem Fall den Betrieben zugute kommen, im Großen und Ganzen sorgt sie dafür, dass das finanzielle Niveau, das Arbeitnehmer heutzutage an ihren Arbeitsplatz stellen dürfen, kontinuierlich sinkt mit der logischen Folge, das es irgendwann so niedrig ist, das die Allgemeinheit für den einzelnen aufkommen muss, der von seiner Arbeit nicht mehr leben kann. Freiwillig zahlt keine Firmenleitung mehr als sie unbedingt muss und hat jetzt immer noch als schlechtes Beispiel das As im Ärmel, auf die Leiharbeiter zurückgreifen oder verweisen zu können, sollte sich der Arbeitnehmer anmaßen, Ansprüche zu stellen. Unsere Wirtschaft unterliegt nur und ausschließlich den Regeln des Kapitalismus, das Soziale steuert der Staat bei, doch der kann nur umverteilen und wird von den Betrieben, Firmen und Konzernen immer schamloser herangezogen und angefordert. Selbst wenn wir auf diese Art Vollbeschäftigung hätten, wäre sie ein Witz, wenn für die Hälfte der Arbeitnehmer der Staat als Retter einspringen muss, damit sie über die Runden kommen und die andere Hälfte der Arbeitnehmer diesen Wahnsinn durch ihre Arbeit finanziert. Wer sich da die Hände reibt und die Taschen stopft, ist doch wohl klar.
Interessant ist in diesem Zusammenhang der Beschluss, den die CDU auf ihrem XXII. Parteitag unter dem Titel "Die Mitte. Deutschlands Stärke" beschlossen hat. Darin heisst es gleich am Ende von Seite 1:
Zitat CDU:
Eine Gesellschaft, in der jeder mitgenommen wird und jeder seine Chance zur persönlichen
Entfaltung und zum Aufstieg erhält – in der sich Leistung lohnt und derjenige, der
arbeitet, mehr hat, als derjenige, der nicht arbeitet.
Quelle: CDU.de
Tatsächlich verweigert sich die Union vehement und konsequent seit Jahren existenzsichernden Mindestlöhnen und warnt vor Roten Socken...
sehen so viele Mitmenschen so deutlich mitgenommen aus.
Die Unternehmen verpassen ohnehin keinen Mitnahme-Effekt.
Die cdU sorgt also für eine reichlich mitgenommene Gesellschaft.
Nun haben wir es sogar schriftlich.
sehen so viele Mitmenschen so deutlich mitgenommen aus.
Die Unternehmen verpassen ohnehin keinen Mitnahme-Effekt.
Die cdU sorgt also für eine reichlich mitgenommene Gesellschaft.
Nun haben wir es sogar schriftlich.
Wenn man ein System wie Hartz I bis IV einführt und dieses nicht flankierend mit einem Mindestlohn versieht, entstehen genau diese Auswüchse. Und unsere politischen Parteien (hier FDP und CDU), die schon lange nicht mehr als Volksvertreter agieren, sondern lediglich Erfüllungsorgane diverser Lobbyistengruppen sind, haben nicht das geringste Interesse daran, dies zu ändern. Wenn so Dampfplauderer wie Westerwelle den Mindestlohn als kommunistisches Konstrukt geiselen, obwohl selbst erzkapitalistische Staaten wie England und USA dieses Instrument einsetzen, zeigt dies eindeutig, von wem diese Politiker ausgesteuert werden. Nachdem diese Entwicklung sich einer Phase des wirtschaftlichen Aufschwunges abgespielt hat, bin ich jetzt auf die Entwicklung im Abschwung gespannt.
SPD, Grüne und Linkspartei sind genauso Erfüllugsgehilfe von Lobbies. Denn ein jeder verspricht sich ja eine Interessenvertretung, wenn man sein Kreuzchen bei der einen oder anderen Partei macht. Die "linken" Partie kämpfen für die Ausgesteuerten und Unwilligen, CDU und FDP eben für die Leistungserbringer der Gesellschaft.
--
"that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"
SPD, Grüne und Linkspartei sind genauso Erfüllugsgehilfe von Lobbies. Denn ein jeder verspricht sich ja eine Interessenvertretung, wenn man sein Kreuzchen bei der einen oder anderen Partei macht. Die "linken" Partie kämpfen für die Ausgesteuerten und Unwilligen, CDU und FDP eben für die Leistungserbringer der Gesellschaft.
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"that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"
Steuerzahler gepäppelt und das werktätige Volk muß bluten. Es hat sich nichts geändert in den letzten 100 Jahren.
http://www.sed-forum.de
wie in Frankreich. Wer ein höhere Lebensrisiko übernimmt sollte auch besser bezahlt werden wie die normalen Arbeitnehmer. Man fordert die Flexibilität von Leiharbeitern. Das ist das was die Wirtsschaft angeblich will. Im Moment holt sie sich aber Flexibilität und Kosteneisparung. Das ist nicht Sinn der Sache.
Mindestlöhne sind schon eine moralische Selbstversständlichkeit. Dabei ist die Diskussion über die Höhe auch völlig falsch Die Mindestlöhne müßten viel höher sein als angedacht.
früher war doch die (mindest-)lohngrenze auch so angesetzt, dass im grunde jeder von seiner arbeit auch leben konnte und noch eine familie ernähren konnte oder nicht?
ich meine mit früher in zeiten als es noch tarifpartner gab, die dieses auch durchsetzen konnten?
Es würde ja auch helfen, eine Sperrfrist einzuführen:
Nicht mehr als 3 Monate bei einer Firma, bei der der betroffene Arbeitnehmer in seinem früheren Leben schon einmal beschäftigt war.
Es ist ja ein bekannter Trick, die Leute von der Firma "Otto Meyer" zu verschieben in die "Otto Meyer Zeitarbeit GmbH"; die Leute tun dann das gleiche wie vorher, verdienen aber nur die Hälfte, geprsst durch das Arbeitsamt - nur die Arbeit muss zumutbar sein, der Lohn nicht.
früher war doch die (mindest-)lohngrenze auch so angesetzt, dass im grunde jeder von seiner arbeit auch leben konnte und noch eine familie ernähren konnte oder nicht?
ich meine mit früher in zeiten als es noch tarifpartner gab, die dieses auch durchsetzen konnten?
Es würde ja auch helfen, eine Sperrfrist einzuführen:
Nicht mehr als 3 Monate bei einer Firma, bei der der betroffene Arbeitnehmer in seinem früheren Leben schon einmal beschäftigt war.
Es ist ja ein bekannter Trick, die Leute von der Firma "Otto Meyer" zu verschieben in die "Otto Meyer Zeitarbeit GmbH"; die Leute tun dann das gleiche wie vorher, verdienen aber nur die Hälfte, geprsst durch das Arbeitsamt - nur die Arbeit muss zumutbar sein, der Lohn nicht.
früher war doch die (mindest-)lohngrenze auch so angesetzt, dass im grunde jeder von seiner arbeit auch leben konnte und noch eine familie ernähren konnte oder nicht?
ich meine mit früher in zeiten als es noch tarifpartner gab, die dieses auch durchsetzen konnten?
Es würde ja auch helfen, eine Sperrfrist einzuführen:
Nicht mehr als 3 Monate bei einer Firma, bei der der betroffene Arbeitnehmer in seinem früheren Leben schon einmal beschäftigt war.
Es ist ja ein bekannter Trick, die Leute von der Firma "Otto Meyer" zu verschieben in die "Otto Meyer Zeitarbeit GmbH"; die Leute tun dann das gleiche wie vorher, verdienen aber nur die Hälfte, geprsst durch das Arbeitsamt - nur die Arbeit muss zumutbar sein, der Lohn nicht.
durch fast alle bereiche zieht, leider .
durch fast alle bereiche zieht, leider .
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