Nahostkonflikt Jüdische Siedler wollen sich an Palästinensern rächen
Die israelischen Sicherheitskräfte rechnen mit weiteren Gewaltausbrüchen in Hebron. Gestern hatte die Armee ein von Siedlern besetztes Gebäude gewaltsam gestürmt

© David Silverman/Getty Images
Abbas macht die israelische Regierung für die Eskalation der Gewalt direkt verantwortlich
Die israelische Polizei wappnet sich gegen weitere Ausschreitungen jüdischer Siedler in Hebron im Westjordanland. In der geteilten Stadt klebten Siedler Plakate an Hauswände, auf denen sie mit einer "Woche der Revanche" drohen.
Grund für die Radikalisierung sind tagelange gewaltsame Zusammenstöße zwischen den Siedlern sowie israelischen Soldaten und Palästinensern. Daraufhin hatte die israelische Armee ein von Siedlern besetztes Gebäude gewaltsam geräumt. Das israelische Fernsehen zeigte Bilder, wie mehrere Dutzend bewaffnete Einsatzkräfte mit Schutzausrüstung und Schlagstöcken in das Haus eindrangen und Siedler herausführten oder -trugen. Mindestens 25 Soldaten und Siedler sollen verletzt worden sein. Nach Medienberichten soll die Polizei auch Tränengas gegen die Besetzer eingesetzt haben, die ihrerseits Steine auf die Sicherheitskräfte geworfen haben sollen.
Unmittelbar danach kam es aus Rache gegen die Zwangsräumung zu ersten Angriffen von Siedlern auf Palästinenser. Ein palästinensisches Haus sowie mindestens 15 Autos wurden laut israelischen Medien bei den Übergriffen angezündet. Zwei Palästinenser erlitten schwere Schussverletzungen. Augenzeugen berichteten, die Siedler hätten Steine auf Häuser von Palästinensern geworfen und sich Handgemenge mit arabischen Nachbarn geliefert. Kurz nach Sonnenuntergang wurde Hebron schließlich zum militärischen Sperrgebiet erklärt, um eine Ausweitung der Krawalle zu verhindern.
Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, es habe keine andere Wahl als die Räumung gegeben. Die Fähigkeit des Staates, Gesetze umzusetzen, sei auf die Probe gestellt worden. Hingegen warfen Siedlerführer der Regierung "brutale Verfolgung" vor. Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert verurteilte unterdessen die Siedlergewalt und versprach eine "scharfe und unmittelbare" Antwort der Sicherheitskräfte.
Das umstrittene Gebäude soll solange unter Aufsicht der Armee gestellt werden, bis ein Gericht den Streit über die Besitzansprüche geklärt hat. In dem Haus leben seit März 2007 mehrere jüdische Siedlerfamilien. Der ursprüngliche palästinensische Besitzer bestreitet jedoch ihre Angaben, er habe ihnen das Gebäude rechtmäßig verkauft. Wegen der ungeklärten Besitzverhältnisse hatte das Oberste Gericht im November die Räumung angeordnet.
Hebron ist seit Langem ein Brennpunkt israelisch-palästinensischer Gewalt. Israelische Sicherheitsverantwortliche hatten befürchtet, die Spannungen um das besetzte Haus könnten auf andere Teile des Westjordanlands übergreifen. In der geteilten Stadt leben 800 radikale Siedler unter rund 200.000 Palästinensern. Diese Übergriffe könnten nach Ansicht der Palästinenserbehörde gar zum Ende der Friedensgespräche mit Israel führen. Die israelische Regierung sei für die Eskalation der Gewalt direkt verantwortlich, sagte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.
- Datum 07.05.2009 - 13:50 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 6
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Laßt doch die Räumung ihres zu Unrecht besetzten Landesteils die Palis selber in die Hand nehmen. 200.000 Palis werden das schon hinkriegen ihre Häuser von den rechten jüdischen Siedlern zu befreien. Ob das dann für die Siedler angenehmer wird als wenn sie von der israelischen Polizei herausgetragen werden wage ich allerdings zu bezweifeln.
Es wird Zeit die politische Immunität Israels, die lediglich unserem schlechten Gewissen aus dem Holocaust geschuldet ist, endlich zu beenden und Israel in die Verantwortung zu nehmen, das selbe Völkerrecht das den Juden einen eigenen Staat ermöglichte, auch für andere (nichtjüdische) Völker gelten zu lassen.
Gut das die Medien wenigstens über die unglaublichen Vorgänge im nahen Osten berichten. So soll sich niemand wundern wenn dort der Frieden nicht eintritt, weil beide Seiten die Grundrechte des jeweils Anderen mit Füßen treten - Juden wie Palis - beide gleich.
Es wird Zeit offen über die Verfehlungen Isareals sprechen zu dürfen ohne gleich in die antisemitische und antizionistische Ecke getreten zu werden.
Gebt den Palis endlich Ihren eigenen Staat! Denn sie sind es die zur Zeit die Restzeche aus WW2 für Europa bezahlen mit dem Verlust ihres Landes.
"Es wird Zeit offen über die Verfehlungen Isareals sprechen zu dürfen ohne gleich in die antisemitische und antizionistische Ecke getreten zu werden."
wie oft muss man diese stammtischsprüche eigentlich noch lesen?
"Es wird Zeit offen über die Verfehlungen Isareals sprechen zu dürfen ohne gleich in die antisemitische und antizionistische Ecke getreten zu werden."
wie oft muss man diese stammtischsprüche eigentlich noch lesen?
"Es wird Zeit offen über die Verfehlungen Isareals sprechen zu dürfen ohne gleich in die antisemitische und antizionistische Ecke getreten zu werden."
wie oft muss man diese stammtischsprüche eigentlich noch lesen?
würde ich das nicht nennen ArneAnka, denn es ist in der tat eine verfehlte politik israels extreme gruppen (und das sind die siedler in hebron welche unterstützt von radikalen kreisen auch der usa die flamme der gewalt am brennen halten, mit gebietsansprüchen welche aus texten der bibel abgeleitet weren permanent palästinenser wie die israelische regierung und damit gleichzeitig die mehrheit der israelis provozieren) immer wieder so weit vordringen zu lassen . Die regierung braucht die kraft diese aktionen jederzeit sofort zu unterbinden. Diese aggressiven siedler sind für viel blutvergiessen verantwortlich und keine opfer in deren rolle sie sich genau so wie militante palästinenser gerne darstellen. Diese unsäglichen verhaltensweisen gefährden das leben meiner verwandten dort.
lg
A.DOM
....unser leben ist nur eine kurze unruhe zwischen den unendlichkeiten...lasst uns gemeinsam das beste daraus machen...
>Gut das die Medien wenigstens über die unglaublichen Vorgänge im nahen Osten berichten.
Verglichen mit der Häufung der Vorfälle allein in Hebron kann man nicht davon sprechen, dass westliche Medien - auch nicht in Deutschland - das Thema Nahostkonflikt auch nur annähernd ausreichend behandeln. Da ich selber erst vor kurzem von einem 12monatigen Aufenthalt in Israel/Palästina zurück gekommen bin und auch die Situation in Hebron sozusagen am eigenen Leib mitbekommen habe (siehehttp://www.shovrimshtika.org/index_e.asp) bilde ich mir ein, ein wenig über die aktuelle Lage informiert zu sein.
Wer Informationen zum Thema sucht, der sei auf folgende englischsprachige Seiten verwiesen:
www.ynetnews.com - sehr empfehlenswert!
www.haaretz.com - tendenziell links
www.jpost.com - tendenziell rechts
www.iht.com/pages/africa/...
> (...)weil beide Seiten die Grundrechte des jeweils Anderen mit Füßen treten - Juden wie Palis - beide gleich.
Zumindest bezüglich Hebron nicht ganz richtig: die 800 Siedler von Qiryat Arba sind u.A. dafür verantwortlich, dass das Stadtzentrum Hebrons wirtschaftlich am Ende ist - rund 2000 Ladenlokale wurden in den vergangenen Jahren geschlossen, ich denke nicht, dass es nötig ist, weiter zu erläutern, was das für die finanzielle Lage der Palästinenser bedeutet.
Zudem sind viele Straßen für Palästinenser nicht befahr-/begehbar, was im Extremfall dazu führt, dass sie ihr Haus nur über die Nachbardächer verlassen können - da sie die Straße vor ihrer Haustür nicht betreten dürfen...
Ich hoffe, dass die israelische Bevölkerung sich öffentlich von den militanten Siedlern distanziert - leider habe ich das Gefühl, dass sich viele Israelis seit dem Bau der $1 Mrd. teuren Mauer nicht mehr wirklich für die Lösung des Konflikts in ihrem eigenen Land interessieren. Stattdessen versucht man, ein "normales" westliches Leben zu führen, was generell ja nichts verwerfliches ist. Nur, dass ohne öffentlichen Druck eben kein essentieller Fortschritt geschehen kann.
Immer noch die Folgen des Scheiterns von Oslo und der Al-Aqsa Intifada, die den vorläufigen Tod für das israelische Friedenslager bedeuteten.
PS: Schön, dass mit Rot (#3), d.h. Adom, hier anscheinend auch eine vernünftige deutsch-jüdische Stimme vertreten ist!
für den Stern ivogruner. Ihr kommentar spiegelt meine erfahrungen vor ort (leider) wieder, ich war dieses jahr 3mal vor ort und habe dieselben eindrücke/erfahrungen. Es fällt mir allerdings schwer die in israel lebenden israelis wie palästinenser immer wieder auf die verantwortung jedes einzelnen hinzuweisen. In der tat versuchen viele ihren alltag zu leben und die hautnah um sie herum existierenden probleme auszublenden. Würden wir wahrscheinlich genau so machen. Es fällt mir deshalb schwer den menschen dies vorzuwerfen wenngleich mit dieser mentalität nie wirklich ruhe einkehren wird. Es macht auch keinen sinn an dieser stelle politische konsequenzen zu fordern, noch verdienen zu viele an waffenlieferungen auf alle seiten und der kampf gegen diese weltweiten gnadenlosen verbrechen müssen wir alle ausfechten.
.
lg
A.DOM
....unser leben ist nur eine kurze unruhe zwischen den unendlichkeiten...lasst uns gemeinsam das beste daraus machen...
für den Stern ivogruner. Ihr kommentar spiegelt meine erfahrungen vor ort (leider) wieder, ich war dieses jahr 3mal vor ort und habe dieselben eindrücke/erfahrungen. Es fällt mir allerdings schwer die in israel lebenden israelis wie palästinenser immer wieder auf die verantwortung jedes einzelnen hinzuweisen. In der tat versuchen viele ihren alltag zu leben und die hautnah um sie herum existierenden probleme auszublenden. Würden wir wahrscheinlich genau so machen. Es fällt mir deshalb schwer den menschen dies vorzuwerfen wenngleich mit dieser mentalität nie wirklich ruhe einkehren wird. Es macht auch keinen sinn an dieser stelle politische konsequenzen zu fordern, noch verdienen zu viele an waffenlieferungen auf alle seiten und der kampf gegen diese weltweiten gnadenlosen verbrechen müssen wir alle ausfechten.
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lg
A.DOM
....unser leben ist nur eine kurze unruhe zwischen den unendlichkeiten...lasst uns gemeinsam das beste daraus machen...
für den Stern ivogruner. Ihr kommentar spiegelt meine erfahrungen vor ort (leider) wieder, ich war dieses jahr 3mal vor ort und habe dieselben eindrücke/erfahrungen. Es fällt mir allerdings schwer die in israel lebenden israelis wie palästinenser immer wieder auf die verantwortung jedes einzelnen hinzuweisen. In der tat versuchen viele ihren alltag zu leben und die hautnah um sie herum existierenden probleme auszublenden. Würden wir wahrscheinlich genau so machen. Es fällt mir deshalb schwer den menschen dies vorzuwerfen wenngleich mit dieser mentalität nie wirklich ruhe einkehren wird. Es macht auch keinen sinn an dieser stelle politische konsequenzen zu fordern, noch verdienen zu viele an waffenlieferungen auf alle seiten und der kampf gegen diese weltweiten gnadenlosen verbrechen müssen wir alle ausfechten.
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lg
A.DOM
....unser leben ist nur eine kurze unruhe zwischen den unendlichkeiten...lasst uns gemeinsam das beste daraus machen...
sprach von "Pogrom", das dürften wir hier nicht, auch wenn viele Vorgänge in den besetzten Gebieten diese Bezeichnung durchaus verdienen.
Man lese nur die Berichte von Gideon Levy und sehe die Videofilme, die Palästinenser mit Kameras drehen, die ihnen von der israelischen Friedensbewegung zu Dokumentation des täglichen Unrechts gegeben haben.
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