Krisentreffen ohne Merkel Steinbrück kritisiert Sarkozy und Barroso
Der Finanzminister hält es für nicht zwingend, dass die Kanzlerin am heutigen Krisentreffen in London teilnimmt und kritisiert, "Gipfel in immer kürzeren Abständen"
Im Streit über die Konjunkturpakete in Europa hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kritisiert. "Jeder Vorschlag, der auf der europäischen Ebene vom EU-Präsidenten oder auch von Frankreich gemacht worden ist, läuft im Zweifelsfall darauf hinaus, dass die Deutschen zahlen", sagte Steinbrück am Sonntag in Hamburg auf einer Matinee der Zeit . Deutschland habe seine Haushalte von 3,4 Prozent Defizit auf eine schwarze Null gebracht. "Andere Länder waren nicht so erfolgreich." Daraus dürfe man Deutschland keinen Strick drehen. Die Bundesrepublik müsse beschlossene EU-Maßnahmen zu 22 bis 23 Prozent mitfinanzieren.
Vor dem separaten Dreiertreffen von Sarkozy, Barroso und dem britischen Premierminister Gordon Brown an diesem Montag in London stimmten sich Merkel und Sarkozy am Sonntag telefonisch miteinander ab. Beide hätten "ein langes und freundschaftliches Telefonat“ über den EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag geführt, teilte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mit. Sie wollten das geplante Klima- und Energiepaket der EU "zu einem gemeinsamen Erfolg“ führen.
Das Treffen in London dient der Vorbereitung auf den EU-Gipfel diese Woche in Brüssel. Es wurde aber auch als Schritt gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel gewertet, die nicht eingeladen worden war. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen am Donnerstag und Freitag in Brüssel europäische Konjunkturmaßnahmen und ein Klimapaket beschließen.
FDP-Chef Guido Westerwelle wertete es laut Presseberichten als "Ohrfeige", dass Merkel zu dem Dreiertreffen nicht eingeladen ist. Steinbrück sagte dagegen, er halte es nicht für zwingend, dass die Kanzlerin teilnehme: Deutschland sei in einer anderen Situation als Großbritannien und Frankreich. Frankreich habe beispielsweise eine Wirtschaftsstruktur, die weniger mittelständisch sei als die deutsche. Großbritannien habe fast sein gesamtes produzierendes Gewerbe verloren - während Deutschland weite Teile seiner Industrie erhalten habe. Man müsse sich zwar in Europa koordinieren, aber auch nicht bei jedem "relativ spontan geäußerten Vorschlag" mitmachen.
Er halte es auch nicht für sinnvoll, "in immer kürzeren Abständen Gipfel zu organisieren", fügte Steinbrück hinzu. Die Märkte würden dann abwartend reagieren, dies habe einen kontraproduktiven Effekt.
- Datum 04.05.2009 - 11:10 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 2
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Steinbrück hat in dieser Situation genau das gesagt, was zu sagen ist.
Brown muß sehen, dass London City wieder zu seinem Spielgeld kommt,
Sarkozy, dass der Stabilitätspakt bald zur Farce wird und Barroso, dass er als Europaretter dasteht. Traurig nur, dass in diesem Lande die Panikmache unschöne Ausmaße annimmt,von der unschönen Begleitmusik
wie "Madame No" ganz abgesehen. Nur gut, dass sich Frau Merkel durch diesen Psychoterror nicht so leicht beeindrucken läßt!
Herrn Steinbrück und seinen zwei Gesprächspaertnern gebührt Lob und Anerkennung für die informative Gesprächsrunde am Sonntag in Hamburg auf einer Matinee der Zeit!
Es war ein echtes TV-Erlebnis und einer der seltenen Höhepunkte im deutschen Fernsehen.
Herr Steinbrück hat sich hervorragend präsentiert und die Begründung seiner Finanzpolitik verständlich gemacht. Nach all dem aufgeregten Aktionismus in der politischen Landschaft war die Darstellung seiner Politik eine wohltuende Ausnahme, die für die nötige Klarheit und Gelassenheit sorgte.
Peer Steinbrück als Finanzminister ist Gott sei Dank auch noch gleichzeitig die Kompensation unseres mehr als unglücklich auftretenden und agierenden Wirtschaftsministers.
Vielen Dank für diese informative Sendung
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