Kritik zur Verleihung Nobels AlbtraumSeite 2/2
Es wird auch kritisiert, dass die reisenden Komiteemitglieder nicht darauf Rücksicht nahmen, dass das chinesische Staatsfernsehen erst im vergangenen Jahr diejenigen Teile der Nobelpreiszeremonie, in denen es um Meinungsfreiheit ging, für das chinesische Publikum aus der Fernsehübertragung herausschnitten. Kritiker unken nun, dass sich auch die Richter des Friedensnobelpreises von Peking einladen lassen. Das Komitee war in diesem Jahr heftig kritisiert worden, als es den Friedensnobelpreis an den politisch unproblematischen finnischen Friedensvermittler Martti Ahtisaari verlieh, statt an chinesische Menschenrechtler.
Als ob all das so kurz vor der Preisvergabe nicht reichen würde, wird die Nobelstiftung dieser Tage zusätzlich noch scharf wegen ihrer Nähe zum Pharmakonzern Astra Zeneca kritisiert. Das Unternehmen ist seit einem guten halben Jahr Hauptsponsor der Nobelpreisfirmen "Nobel Media" und "Nobel Web". Sie kümmern sich um die Medienrechte am Nobelpreis. Im Oktober ging dann der Medizinnobelpreis an den deutschen Forscher Harald zur Hausen für dessen Entdeckung der Gebärmutterhalskrebs verursachenden humanen Papillomviren (HPV).
Auch durch die Ehrung zur Hausens darf Astra Zeneca nun mit astronomische Einnahmen rechnen, unterstellen schwedische Medien. Der Arzneimittelkonzern hat die Patente für beide auf dem Markt erhältlichen HPV-Impfstoffe, Cervarix und Gardasil. Mit dem zusätzlichen Verkauf der Nutzungsrechte an weitere Firmen komme der Konzern, zusammen mit weiteren Einkünften auf Einnahmen zwischen 30 bis 50 Millionen Euro, rechnete ein Experte der großen schwedischen Bank Swedbank vor. Durch die Preisvergabe an den Entdecker der HP-Viren würden zusätzlich die international immer noch wegen angeblicher Wirkungslosigkeit und starken Nebenwirkungen umstrittenen flächendeckenden Impfprogramme gegen Gebärmuttelhalskrebs gefördert.
Laut Nobelstiftungsdirektor Michael Sohlman hat der Konzern aber keine Möglichkeit, die Vergabe des Preises zu beeinflussen. "Wir sind überaus sicher, dass dies etwas ist, das nichts miteinander zu tun hat", sagt er. Hans Jörnvall, Sekretär des Nobelkomitees des Karolinska Institutes, ist kritischer: "Es ist das erste Mal, dass wir einen großen Sponsor bekommen, der so ungewöhnlich nahe an unserem eigenen Tätigkeitsfeld liegt", sagte er dem schwedischen Rundfunk.
Auf die Sponsorenzusammenarbeit der Stiftung angesprochen, war der deutsche Nobelpreisträger zur Hausen am Dienstag auf einem Botschaftsempfang in Stockholm ehrlich überrascht. "Zu der Kritik gegen die Stiftung wegen Sponsoren kann ich nichts sagen. Ich höre dies das erste Mal", sagte er gegenüber ZEIT ONLINE. Als Forscher in seinem Gebiet könne er nur sagen, dass es vielen Frauen Leiden ersparen würde, wenn sie vor der sexuell aktiven Zeit gegen die Viren geimpft würden. Auch in schwedischen Medien wird unterstrichen, dass zur Hausen selbst in keiner Weise mit der wirtschaftlichen Nutzung der Impfstoffe zu tun hat.
Die Kritiker, allen voran angesehene Wissenschaftsjournalisten in Schweden, sind sich sicher, dass die Nobelstiftung im Laufe der Jahre einfach zu bequem und damit zu wenig selbstkritisch geworden sei. Das könne dem Ruf der Nobelpreise nachhaltig großen Schaden beifügen, befürchten sie. Doch Kritik zu üben sei nicht gern gesehen, sagt einer von ihnen: "Journalisten, die Enthüllungen über die Nobelstiftung machen, werden in Schweden ähnlich unwillkommen behandelt, wie Journalisten, die die königliche Familie in ein schlechtes Licht rücken."
- Datum 19.12.2008 - 10:47 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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werden nun mal nicht nach noblen Kriterien vergeben. Ich denke da an Kissinger, der gerade in dem Jahr,1973, mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde, als er nachweislich federführend am Putsch gegen den demokratisch gewählten Allende beteiligt war.
Was die Chinareise angeht: wurden die Preise für Wirtschaftswissenschaften in der wirtschaftsliberalen Ära nicht eventuell mit Reisen gesponsort?
Chinesen kopieren doch so gern unsere Errungenschaften ...
wenn die wissenschaft das wort ethik nicht kennt, warum sollte das nobelstiftung dieses wort kennen?
Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Die USA- und West-zentrierte Vergabepraxis hat gute Gründe, aber auch den, daß man vielleicht nicht so genau weiß, was beispielsweise so in China und Indien getan wird. Von alleine fliegen die Verantwortlichen da nicht hin - also muß man sie einladen. Meint wirklich jemand, ein ausgezeichneter amerikanischer Forscher kommt auf eigene Kosten für eine Woche nach Hamburg? Jeder einzelne dieser Wissenschaftler, Wissenschaftspolitiker wird dafür eingeladen. Jede Akkreditierungs- und Evaluierungskomission in Deutschland bekommt alle Auslagen von der betroffenen Einrichtung ersetzt und ich würde mich schwer wundern, wenn es eine gäbe, die nicht auch noch von den bedauernswerten Opfern zum Abendessen eingeladen worden ist.
Es liegt an den Gutachtern selbst, die Grenzen zu sehen und zu setzen und sich nicht beeinflussen zu lassen. Im vorliegenden Fall, scheint mir, sind die beschriebenen Tatsachen nicht so, daß ein lauter Aufschrei gerechtfertigt wäre - weder einer gegen China, noch einer gegen die Gutachter. Viel mehr Geschmäckle hat da schon die Konzern-Geschichte ...
Theo Rem
was ist ein Nobelpreis noch wert, wenn Keiner mehr an eine gerechte Auswahl glaubt? Vielleicht taugt er dann noch für einen Eintrag ins Guiness-Buch der absurden Rekorde, aber in der Wissenschaft könnte er glattweg ignoriert werden...
Die Wirtschaftsnobelpreise der Schwedischen Reichsbank möchte ich nicht riechen müssen. Die stinken nämlich. Das liegt daran, dass die Wiwi-Nobelpreise im höchsten Maße politisch sind und die Herrschaftsideologie unserer westlichen Eliten betreffen. Man darf ein gewisses Maß an innewohnender Fehlsichtigkeit unterstellen.
Die herrschende VWL ist vollkommen mathematisch in sich schlüssig. Nur einige Grundannahmen, sprich versteckte, immanente Grundannahmen sind falsch. Aber kritische Fragesteller, die den versteckten Annahmen auf die Schliche gekommen sind. bleiben grundsätzlich außen vor. Sie könnten die wirtschaftliche Herrschaftsideologie bloß stellen.
Wundern Sie sich bitte nicht, dass die Wirtschaftskrise weitergeht. Wenn man eine Ursache nicht in der Lehre vorfindent, kann man sie auch nicht bekämpfen.
Den Rest reimen Sie sich bitte selbst zusammen.
Gruß
Bernhard
Zitat: "Durch die Preisvergabe an den Entdecker der HP-Viren würden zusätzlich die international immer noch wegen angeblicher Wirkungslosigkeit und starken Nebenwirkungen umstrittenen flächendeckenden Impfprogramme gegen Gebärmuttelhalskrebs gefördert."
Eine bessere Recherge bzw. ausgewogene Berichterstattung würde der "Zeit" besser zu Gesicht stehen: Erstens - zur Hausen hat nicht die HPV entdeckt, sondern den Zusammenhang zwischen HPV-Infektion und Gebärmutterhalskrebs postuliert und dann auch nachgewiesen. Zweitens - die Effektivität der Impfstoffe wurde in klinischen Studien erwiesen. Allerdings konnten bis jetzt nur Aussagen über den Schutz vor den Karzinomvorstufen getroffen werden, da die Beobachtungszeiträume nicht ausreichen um zu einer Karzinomentstehung zu führen. Jedoch ist anerkannt, das Karzinome aus den Vorstufen entstehen, vor denen die Impfung schützt. Drittens - die Nebenwirkungen wurden in klinischen Studien beobachtet und unterscheiden sich nicht von anderen Impfungen. Bei den in den Medien spektakulär hervorgehobenen Todesfällen die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung aufgetreten sind, handelt es sich wohl um ein rein zufälliges Zusammentreffen von Impfung und ungeklärten Todesfällen- zumindest gab es bei den durchgeführten Untersuchungen keine Anhaltspunkte auf eine ursächliche Beteiligung der Impfung.
Trotzdem würde ich eine gewisse Kritik unterstützen- und zwar an dem Umstand, das die Grundlagen für die Impfung durch öffentliche Fördermittel geschaffen wurden- der Gewinn jetzt jedoch von Pharmafirmen kassiert wird. Zumindest sollten die, ohne Zweifel trotzdem noch hohen Investitionen der Pharmafirmen inzwischen durch den bisherigen Gewinn mehr als bezahlt sein, so dass ein Preisnachlass für z.B. Entwicklungsländer realisiert werden müsste.
Dass bislang nichts Nobelpreiswürdiges aus China gekommen ist, liegt vielleicht daran, dass da bislang noch nichts Interessantes herausgefunden wurde und falls doch, niemand darüber was verlautbaren ließ. Es lohnt sich auf jeden Fall mal zu untersuchen, warum das so ist. Insofern ist es richtig, dass das Komitee, oder Teile davon, mal nach China gefahren ist. Sollte jemand in China der Meinung gewesen sein, dass das Komitee auf diese Weise, zu bestechen gewesen sein sollte, kann man den Chinesen nur unterstellen, dass sie da was nicht verstanden haben. Man kann keinen Nobelpreis für Murks bekommen (Wirtschaftswissenschaft mal ausgenommen). Man wird sich schon bemühen müssen, was zu Forschen und hinterher auch zu publizieren, vorzugsweise in einer Sprache, die man im Komitee auch versteht.
Auch der Friedensnobelpreis geht nicht immer an den, den die veröffentlichte Presse wünscht, oder der im Blickpunkt der westlichen Welt ist. Allzu oft fragte ich mich nach der Bekanntgabe der Preise: "Huch, wer ist denn das? Und wofür?"
Also: Locker bleiben! Vielleicht im nächsten Jahr...
Und an die Chinesen: Nicht nur kopieren! Auch mal was selber erfinden!
Wie so oft bei Stiftungen, verwässern die Nachfolger im Laufe der Jahrzehnte die Intentionen des Stifters. Was als reiner Wissenschaftspreis begann, wurde nach und nach auf Wirtschaft, Literatur und "Frieden" erweitert und damit eindeutig politisiert, wie obige Kommentare zeigen.
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