"Ich habe als Teenie mit Selbstbefriedigung begonnen: hab Praline -Heftchen angekuckt, 'Eis-am-Stiel'-Videos geschaut. Doch mit dem Internet wurden auch harte Pornos täglich verfügbar."

Auftakt eines Gesprächs. Laurenz M.* ist 28 Jahre alt und hat soeben sein Studium abgeschlossen. Mathematik und Physik auf Lehramt. Das Gespräch mit ihm dauert eine Stunde. Er erzählt, wie sich sein Pornografie-Konsum allmählich gesteigert hat und wie er darunter gelitten hat, Tag für Tag vor seinem Computer zu sitzen und sich Pornos anzuschauen. "Die Videos wurden exzessiver im Inhalt. Harte Pornos mit allem drum und dran. Das Einfache hat irgendwann einfach nicht mehr gereicht."

Oft hält Laurenz inne, wägt ab und redet doch immer weiter. Er möchte anderen vermitteln, dass sie mit ihrem Problem nicht allein sind. Denn Laurenz und viele Experten sind sich sicher, dass "sie" viele sind. Viele, die bequem vom Schreibtisch aus ganze Nächte lang auf der Jagd nach dem perfekten Bild, dem perfekten Reiz sind.

Und verschiedenste Zahlen scheinen ihnen recht zu geben. Seit Jahren ist in den Medien die Rede von einer "Generation Porno", von einem Heer verrohter Jugendlicher und erwachsener Männer, die durch ihre Sucht abseits des Webs unfähig seien, Liebe und Sexualität erfüllt zu erleben, und die sich zunehmend selbst isolierten. 

Volkssucht oder Hysterie?

Laut Internet Filter Reviews 2006 besuchen inzwischen weltweit 72 Millionen User monatlich pornografische Seiten. Das Angebot steigt mit der Nachfrage. Täglich würden rund 266 neue Seiten mit pornografischem Inhalt ins Netz gestellt.

Laurenz merkte, dass die Online-Pornografie zu einem fixen Bestandteil seiner Sexualität wurde. Nach mehr als zehn Jahren meinte er, nicht mehr frei über sein Verhalten entscheiden zu können, und gestand sich ein: "Ja, ich bin süchtig."

Peer Briken möchte einer solchen Einschätzung nicht voreilig zustimmen. Briken arbeitet am Institut für Sexualforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Er sagt: "Die Wissenschaftler streiten schon lange darum, ob es sich bei solchen Phänomenen um eine Sucht handelt." Briken kennt Laurenz nicht und möchte sein Leid auch gar nicht in Abrede stellen. Wogegen er sich aber wehrt, ist die zunehmende mediale Hysterisierung, die in diesem Zusammenhang um sich greife.