Autoindustrie Solidarisch aus Eigennutz

Warum die deutsche Autobranche kein Interesse hat, dass ihre US-Konkurrenten zusammenbrechen

Lasst sie doch endlich Pleite gehen, die großen schwerfälligen US-Autokonzerne, könnte man sagen. Haben es die Manager von General Motors (GM), Ford Motor Co. und Chrysler doch jahrelang versäumt, in kleinere Autos und spritsparende Antriebe zu investieren. Haben Warnungen über das sich verändernde Verbraucherverhalten ignoriert und weiter dicke Gehälter kassiert.

Jetzt trifft sie die Rezession in einer ohnehin stark geschwächten Verfassung. Es bringt nichts, den überfälligen Untergang mit Staatsgeld zu verzögern, sagt die reine Lehre. Pech gehabt. Da freut sich halt die Konkurrenz aus Japan, Korea oder Deutschland, könnte man meinen. Tut sie aber nicht! Denn ihr Geschäft ist gleich mehrfach mit dem der US-Riesen verknüpft.

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Erstens: Längst produzieren sie fast alle auch in Amerika. Die Fabriken von Toyota, Hyundai aber auch BMW, Mercedes und Volkswagen (Mexiko) nutzen für viele ihrer Teile die gleichen lokalen Zulieferer wie ihre US-Rivalen. Und ohne ihre Hauptabnehmer aus Detroit, das scheint sicher, könnten viele der kleineren und mittleren Zulieferer rasch zusperren. Das träfe auch die deutschen Hersteller.

Zweitens: Längst produzieren deutsche Zulieferer wie Bosch, Conti, Mahle, Behr oder Getrag in den USA, sie beliefern dort BMW und Mercedes, aber eben auch die US-Riesen, haben zum Teil hohe Summen in eigene US-Werke investiert. Ein Ausfall der US-Kundschaft hätte auch für sie massive Folgen.

Drittens: Wenn die Muttergesellschaften GM respektive Ford zahlungsunfähig würden, kämen alsbald die europäischen Töchter wie Opel und Saab respektive Volvo und Ford Europa in arge Not. Das würde nicht nur die Arbeitsplätze in den hiesigen Opel- oder Ford-Fabriken gefährden, sondern auch etliche europäische Zulieferer. Und ein möglicher Ausfall in der Lieferkette könnte auch die vergleichsweise gesünderen deutschen Autobauer wie Volkswagen/Audi, Daimler oder BMW beeinträchtigen - das alles in der weltweiten Absatzflaute.

Fazit: Die deutsche Autobranche hat kein Interesse an einem abrupten Ausfall ihrer US-Konkurrenz. Klar möchte man ihr noch mehr Kundschaft abjagen. Aber dann doch lieber mittel- und langfristig. Und ohne dass man ständig gerissene Lieferketten flicken muss.

 
Leser-Kommentare
    • keox
    • 05.12.2008 um 18:12 Uhr

    ein perfektes Motto für eine Friedliche Welt.

    • 7tage
    • 05.12.2008 um 18:58 Uhr

    Steile Wirtschafttheorien werden hier publiziert.
    Also die deutschen Autobauer haben sicher kein verstärktes Interesse an der Rettung von Konkurrenten. Vielleicht die Manager von deutschen Konzernen, weil ein potentieller Arbeitgeber verloren geht.

    Zulieferer: Die Frage ist wieviel deutsche Zulieferer den US Konzernen liefern konnten und ob es nicht doch auf lange Sicht besser ist, wenn deutsche Konzerne dort mehr Autos verkaufen, weil pro Auto mehr deutsche Komponenten verwendet werden.
    Jedenfalls wenn amerikanische Zulieferer pleite gehn, dann müssen Autobauer auf andere zurückgreifen.

    Alles in allem würde ich die Aussagen in dem Text sehr vorsichtig betrachten. Die Aussagen stimmen grundsätzlich vielleicht noch. Die Folgerungen sind meines Erachtens jedoch definitiv falsch...

  1. Das Problem, und der Grund warum verständnisvolle bezahlte Politiker derzeit die Milliardenprogramme mit dem Geld anderer Leute für die Konzerne und Banken auflegen, ist doch, das sie sich gut mit dem Konflikt eines Ex-Managers oder Bankers identifizieren können, der sich bei realistischer Vorgehensweise enteignet und in der direkten Nachbarschaft zu seinen bisherigen Untergebenen bei Hartz (Alg 2) angesiedelt sehen würde.
    Naaa, da muss doch die Solidarität funktionieren, so etwa wie bei den korrupten Cops in diesen amerikanischen Kriminalfilmen.

  2. der Menschen kann halt in manchen Fragen schneller gehen als es Manchem lieb ist. Es wird oft und schnell von Politikern, Interessenvertretern usw. gefordert, aber wenn es dann einsetzt ...
    Ich habe vor ca. 2 Jahren noch an einen Gag geglaubt, als mir ein Auto mit dem Dacia - Schild (mit bayerischem Kennzeichen!) begegnete. Heute gehört es schon zum Straßenbild. Was ist passiert?
    Einer aktuellen UN-Studie über die Einkommensentwicklung in den Industrienationen zeigt Deutschland wieder mal an der Spitze, nämlich als Spitzenreiter beim Öffnen der Einkommensschere. Das dies kein Naturgesetz (infolge Globalisierung) ist, zeigen Länder wie F oder ES, in denen sich die Schere geringfügig aber erkennbar schließt (diese Information entnahm ich dem DLF, in der ZEIT wurde darüber m.W. nicht berichtet).
    Zurück zum Umdenken; es kann sehr kurzfristig erfolgen und das meist nicht auf freiwilliger sondern auf erzwungener Basis. Auslöser können Steuerbescheide, Nebenkostenabrechnungen, Mieterhöhungen oder Einkommensausfälle sein, die den Betroffenen keine andere Einsicht mehr lassen, als ab jetzt in einer anderen Liga zu spielen. Mit nachhaltigen Auswirkungen auf das Konsumverhalten (ist der Ruf erst ruiniert, lebt man völlig ungeniert! W.Busch) Also: ob das jetzige Beben eine Welle erzeugt, die an den Molen der Industrienationen verplätschert oder sich zum Tsunami entwickelt - keiner kann es wissen, aber alle werden es merken.

  3. Vom Standpunkt Deutsch- Amerikanischer Konkurrenz aus betrachtet, würde ich sagen, - lasst sie ( GM, Ford, Chev.) noch nicht jetzt untergehen. Wenn die US Regierung vorerst nochmal x Milliarden in die marode Autowirtschaft steckt (und das wird sie - spätestens mit Obama tun) - so wird diese dennoch mittelfristig nicht zum ernsteren Konkurrenten für die deutschen (und japanischen) Hersteller. Als US Bürger würde ich sagen, - lasst sie sterben und konzentriert euch auf ein Neues, Gesundes.
    Ich war damals gegen Schröders Philipp Holzmann Rettungsaktion und bin auch heute gegen eine staatliche Unterstützung von Opel. Es kling zwar nicht sehr sozial, - aber setzt die Mittel ( hier und jetzt ist von Geld die Rede) - lieber zur Stärkung und Gesundung des Werdenden ein, als Krankes, Schwaches zu erhalten und verlängern.

  4. Mit einem "Black Swan Event" zeigt uns die Globalisierung mal wieder, dass wir mit der Komplexitaet unserer Welt einfach nicht mehr klar kommen.

    Das verrueckte dabei ist, dass irgendwo eine Karte (Hauspreise in den USA) das gesamte Kartenhaus einstuerzen laesst; und alle werden mitgezogen. Mittlerweile betrachte ich nur noch mit Staunen, wie unser ganzes System in sich zusammenfaellt.

    Aberwitzig dabei ist, dass scheinbar niemand eine Ahnung hat wie man die schlimmsten Folgen noch abmildern kann. Bitte keine Verweise auf Prof. (un)Sinn oder unsere derzeitige politische Kaste.

    Dazu muss man sich noch anhoeren, dass man doch bitteschoen viel konsumieren sollte, um unser degeneriertes System noch ein paar Jahre laenger laufen zu lassen.

    Da sowieso niemand weiss, wie man die Sache beheben kann, ist es vielleicht das beste, um tatenlos zuzusehen und der Krise ihren Lauf zu lassen. Die Druckerpressen anschmeissen hat bisher wenig gebracht und fuehrt nur schnurstracks in die Hyperinflation. Eine horrende Geldwentwertung, mit eventueller Waehrungsumstellung und fuerchterlichen Arbeitslosenzahlen, klingt fuer mich schlimmer als Deflation mit fuerchterlichen Arbeitslosenzahlen.

    Wenigstens sind dann nicht die gesamten Ersparnisse wertlos.

  5. Die verballhornung von Namen ist kein Zeichen von "think big", sondern von think small. Soviel zu der Äußerung über Prof. Sinn.

    Die Frage nach der Komplexität dieser Welt ist allerdings berechtigt, ja mehr als das, sie ist drängend. Das Beispiel mit dem Schildchen an irgendeinem Haus verdeutlicht das Dilemma: Wir, der Staat drehen an einer der Millionen Stellschrauben, schauen dorthin, wo wir den Effekt erwarten und hinter unserem Rücken, dort, wo wir nichts erwarten, bricht eine Welt zusammen.

    Ein solches Beispiel erleben wir hier im noch relativ überschaubaren Automobilbereich: alles ist so ausgetüftelt, so optimiert, so voneinander abhängig, dass es keinen Spielraum gibt. Liefert zB die Zulieferfirma für die Außenspiegel nicht, weil sie wegen GM pleite ist, so wird auch kein Golf ausgeliefert, denn das läßt der TÜV nicht zu. Einen Ersatzlieferanten zu finden ist nicht möglich, da nirgendwo die Maschinen existieren. VW hat da keinen Spielraum.

    Und so bleibt zu konstatieren, dass die Kompelxität unserer Existenz zwar vielen Professoren Arbeit gibt, soweit reibungslos funktioniert, aber bei jedem Sandkorn im Getriebe den Stillstand des gesamten Systems nach sich zieht.

    Und dann ergibt sich sofort die Frage, ob eine komplexes zentrales System den einfacheren dezentralen Systemen vorzuziehen ist. Natürlich gibt es immer wieder Leute, die glaubhaft versichern, die ersteren sicher zu beherrschen. Doch immer schon und erst recht nach den Black Swan Events der letzten Monate sollte man solchen Aussagen mit allergrößtem Mißtrauen begegnen.

    Simplify your life: Bei dir selbst, in der Familie, in der Firma, in der Gemeinde, im Staat.

  6. Ich denke die Krise de US Autobauer kommt den dt. Firmen nicht ungelegen. In einem schrumpfenden Makt kann man den US Autobauern Marktanteile abnehmen.

    Nur möchte die Industrie einen Schock vermeiden, weil die Zulieferer plötzlich ebenfalls Insolvenz anmelden müssen - daher wäre ein Untergang ohne Insolvenz der Zulieferer die "schönste" Lösung.

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