Herthas Torwart "Er hält wie Jesus"

Hertha ist nach der Hinrunde erster Verfolger von Hoffenheim und Bayern. Der überraschende Erfolg hat viele Gründe – ein bedeutender ist Torhüter Jaroslav Drobny

In der Hinrunde spielte Jaroslav Drobny sechsmal zu null. Häufiger hat das kein anderer Torwart in der Bundesliga geschafft

In der Hinrunde spielte Jaroslav Drobny sechsmal zu null. Häufiger hat das kein anderer Torwart in der Bundesliga geschafft

Am Ende des Spiels konnte der Spieler des Spiels den guten Eindruck nicht mehr ganz aufrechterhalten. Er geriet ein wenig ins Abseits. Mit der schönsten Szene des Spiels hatte er nicht das Geringste zu tun. Fünf Minuten waren es noch bis zum Ende, als der Ball mit einer flirrenden Flachpasskombination über fünf Stationen mit je einem Kontakt zu Fabian Lustenberger in den Strafraum gelangte. Lustenbergers Schuss landete am Pfosten, der Schweizer setzte nach und drückte den Ball zum 3:0 für Hertha BSC über die Linie. "Das war das beste Tor, das ich gesehen habe, seitdem ich hier bin", sagte Lucien Favre, der Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten. Der Spieler des Spiels war daran ebenso wenig beteiligt wie kurz darauf am Tor zum 4:0-Endstand. Es lag in der Natur der Sache. Der Spieler des Spiels hieß Jaroslav Drobny: Er steht bei Hertha im Tor.

Auf den ersten Blick ist das mehr als paradox: Vier zu null gewonnen – und der beste Mann ist der Torhüter. Bei Hertha aber steckt dahinter System. Dass die Berliner die Hinrunde auf Platz drei beenden, ist zunächst einmal ihrer überzeugenden Defensivarbeit geschuldet, und die beginnt beim Torwart. "Du brauchst einen sehr guten Goalie", sagt Favre. Hertha hat ihn, das hat das Spiel gegen den KSC erneut gezeigt. Nach der frühen Führung durch Maximilian Nicu bewahrte Drobny seine Mannschaft gleich dreimal mit katzengleichen Reflexen vor dem Ausgleich. "Ich weiß nicht, ob wir auf das 1:1 hätten reagieren können", sagte Herthas Trainer. "Ich denke nicht."

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So aber nahm die Hinrunde für die Berliner mit dem sechsten Heimsieg hintereinander doch noch ein überaus erfreuliches Ende. Für den überraschenden Erfolg gibt es einige Gründe: Der Brasilianer Cicero hat sich als echte Verstärkung erwiesen, das Mittelfeld insgesamt ist deutlich torgefährlicher als noch in der Vergangenheit, die Innenverteidigung mit Arne Friedrich und Josip Simunic zählt zum Besten, was es in der Liga gibt – den größten Entwicklungssprung aber hat mit 29 Jahren Jaroslav Drobny gemacht. "Er hat eine super Hinrunde gespielt", sagt Kapitän Friedrich. "Er zeigt jetzt, welche Klasse er hat. Wir sind froh, dass wir ihn haben."

Ein Jahr mussten sie bei Hertha warten, bis der Tscheche diese Klasse offenbarte. "Das erste Jahr war vielleicht nicht so souverän", sagt Friedrich. Nach seinem Wechsel aus Bochum spielte Drobny – wohlwollend formuliert – solide. Jetzt gewinnt er seiner Mannschaft Punkte und Spiele. So wie gegen Wolfsburg, als er in letzter Sekunde das 2:3 verhinderte, vor allem aber beim 1:0 in Leverkusen. Favre bescheinigte Drobny nach dem Spiel, er habe gehalten wie Jesus. Auch nach dem Sieg gegen Karlsruhe bemühte der Schweizer Übersinnliches, um die Leistung des Tschechen zu würdigen: "Er hat wieder ein, zwei Wunder vollbracht."

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