Bundesliga-Presseschau Mit Bayern Meister zu werden ist keine Kunst

Die Bayern sind längst wieder erfolgreich, doch Jürgen Klinsmann bleibt umstritten. Und: Was war in der Hinrunde außer Hoffenheim ermunternd? Eine Presseschau

Peter Ahrens (Spiegel Online) nimmt Jürgen Klinsmann die fremden Federn vom Kopf: "Über den Bayern-Trainer wissen wir ja mittlerweile, dass er immer noch Hitzfeld heißt, obwohl Klinsmann draufsteht und er wie Klinsmann aussieht. Weil Deutschlands Premiumklub mittlerweile wieder so spielt, wie er es auch im vergangenen Jahr unterm alten Coach getan hat. Zé Roberto und Franck Ribéry machen ihr Ding und Toni das wichtige Tor. Mit Bayern Meister zu werden, ist keine Kunst. Die Kunst ist es, mit Bayern nicht Meister zu werden. Klinsmann traue ich immer noch zu, dass er das schafft."

Tobias Schächter (Berliner Zeitung) pflichtet Ahrens bei und seziert das Bayern-Spiel beim 2:2 in Stuttgart: "Die einzelnen Mannschafsteile standen zu weit auseinander und lange Bälle auf Luca Toni bedeuteten die einzige taktische Variante. Dass sie in der Liga trotzdem vorne und in der Champions League im Achtelfinale stehen, ist schlicht dem überdurchschnittlichen Kader zu verdanken. Mit Trainer Jürgen Klinsmann hat das womöglich wenig zu tun."

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Zuspruch findet Klinsmann bei Michael Horeni (FAZ), wenn auch hauptsächlich für seine Arbeit als Bundestrainer. Von 2004 bis 2006 habe Klinsmann mit seiner Reformpolitik dem deutschen Fußball den Boden zur Weiterentwicklung bereitet, die jetzt zu erkennen sei. Die Vorrunde beschließt Horeni mit einem optimistischen Fazit: "Als Klinsmann die Nationalmannschaft vorantrieb, hörte man als Reaktion noch viel zu oft den Bundesliga-Sound der Selbstzufriedenheit: Geht nicht, gibt's nicht, gab's noch nie. Die Halbserie 2008 hat dagegen eine sportliche und gedankliche Vielfalt offenbart, die nicht nur dazu geeignet scheint, die Bundesliga in Zeiten der Finanzkrise zu stabilisieren, sondern sie nach vielen Jahren des Rückschritts auch mal wieder ein Stück voranzubringen. Das neue, höhere Tempo ist das seit vielen Jahren schönste Versprechen für ein gutes neues Fußballjahr.“

Jan Christian Müller (FR) hingegen kann außer in Hoffenheim nicht viel Blühendes entdecken: "Das Beispiel TSG Hoffenheim zeigt in dieser insgesamt mäßigen Vorrunde eindrucksvoll, dass schneller, kombinationsstarker Fußball aus dem Labor heraus planbar ist. Wobei es sicher kein Zufall ist, dass Trainer Ralf Rangnick und Sportdirektor Jan Schindelmeiser sich vorher ausgiebig im Ausland kundig gemacht haben. Derzeit sind sie längst nicht nur finanziell dem Gros der Konkurrenz einen Schritt voraus."

Stuttgarts Torhüter Jens Lehmann ist im Interview mit der SZ vom Samstag als Taktikexperte aufgetreten. In seinem Resümee nach einer Vorrunde Bundesliga gibt er zu bedenken, dass in Arsenal und England viel offensiver gedacht und trainiert werde. Außerdem vermisse er in Deutschland einstudierte Spielzüge: "Ich bin überrascht, wie viele Bundesliga-Mannschaften kein verlässliches Spiel haben. In England war das Schema klarer: Wenn Fabregas an dieser oder jener Stelle den Ball bekommt, dann spielt er ihn da oder dort hin. Die Spielzüge waren automatisiert. In der Bundesliga dagegen passieren manchmal Dinge, mit denen man nicht rechnet. Ich stehe hinten drin und denke: So, jetzt spielt er einen Pass da rüber – aber der spielt den Pass dann gar nicht da rüber. Auf einmal verliert der Spieler den Ball, und zack, geht das Spiel in die andere Richtung. Das Passspiel in Deutschland ist weniger verlässlich, das Spiel generell weniger automatisiert."

Der Blog Medien-Sport-Politik erwidert Uli Hoeneß, der sich darüber beklagt, dass die Bayern am Samstag spielen mussten, obwohl sie erst am Mittwoch in den Champions League in Lyon angetreten waren: "Ach, Herr Hoeneß, schon mal darüber nachgedacht, dass Stuttgart am Donnerstag noch Uefa-Cup spielt? Wo ist das Problem, Mittwoch und Samstag zu spielen? Sind die Bayern nicht eine internationale Spitzenmannschaft, die den Kader und die Qualität der Spieler hat, das auf sich zu nehmen? Möchte man sich nicht mit den besten Teams Europa messen? Dann schauen Sie mal nach England oder Spanien. Da ist das fast Woche für Woche eine Regelmäßigkeit. Und insgeheim geben Sie damit zu, dass ihr Team körperlich nicht fit genug ist. Lächerlicher kann man sich nicht machen."

 
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