Peter Neururer war enttäuscht. "Angsthasenfußball" seiner Mannschaft hatte er am vergangenen Freitag beim glücklichen 1:1 in Osnabrück gesehen. Jetzt will der Trainer des MSV Duisburg in der Winterpause den Kader ausmisten, sieben Spieler sollen gehen. So wie in Rostock, wo Coach Dieter Eilts am Montag Dexter Langen und Djordjije Cetkovic als die ersten zwei Spieler aus dem Profi-Kader warf.

Normales Geschäftsgebaren, könnte man meinen, wenn zwei Absteiger aus der Bundesliga wie Duisburg im Mittelfeld herumkrebsen oder wie Hansa sogar gegen den Abstieg kämpfen, anstatt die Rückkehr in die Bundesliga im Auge zu haben. Doch die Krise der beiden Klubs ist ein Symbol für den Zustand der Liga, die vom berichterstattenden Fernsehsender DSF im Vorjahr noch als "die beste Zweite Liga aller Zeiten" beworben worden war.

Die Trainer Neururer und Eilts sind erst seit ein paar Wochen bei ihren Vereinen in der Verantwortung, für Aufbruch stehen sie mit ihren Images aber nicht. Neururer wollte in den drei Jahren zuvor keiner mehr haben, schon gar nicht in der Bundesliga. Und Eilts ist an der Aufgabe gescheitert, der U-21-Nationalmannschaft eine Spielweise einzuimpfen, die dem Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes, Matthias Sammer, zusagt.

Neururer und Eilts sind zwei fachlich gute Fußballlehrer, die aber keine große zeitgemäße Ausstrahlung mehr haben (Neururer) oder nie hatten (Eilts) und in der allgemeinen Wahrnehmung nur im besten Fall überhaupt zweitklassig wirken. Ganz anders ist es in der Bundesliga, wo abgesehen von Franck Ribéry die Stars in dieser Saison Trainer wie Bruno Labbadia, Jürgen Klinsmann oder Ralf Rangnick sind. Sie helfen, eine mit Ausnahme des sensationellen Tabellenführers eher fade Saison interessant zu halten.

In der Zweiten Liga, wo in der Vorrunde kein Spieler so herausstach, dass er landesweites Interesse geweckt hätte, sind zwar die Trainer Christian Wück von Aufsteiger Rot-Weiß Ahlen und der Ex-Profi Thorsten Fink in Ingolstadt interessante Figuren – aber nur bei genauem Hinsehen.

Es liegt aber nicht nur am Fehlen herausragender Persönlichkeiten auf und neben dem Platz, dass die Zweite Liga in der Vorrunde so wenig begeistert hat. Der Zuschauerrückgang von durchschnittlich etwa 18.000 pro Spiel auf gut 15.000 ist zwar noch damit zu erklären, dass der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach aufgestiegen sind. Doch kommen rekordträchtige 57.200 Fans wie am Sonntag zu 1860 München gegen den 1. FC Nürnberg, kriegen sie ein zähes Ringen zu sehen, wie es in der Zweiten Liga zwar nicht prinzipiell ungewöhnlich, aber doch eher bei Wehen Wiesbaden gegen Koblenz zu erwarten ist.

Die einmaligen hohen Einnahmen helfen 1860 auch nicht weiter, sich aus der mehr als prekären Finanzlage zu befreien. Überhaupt ist die Eigenkapitalquote bei den Fußball-Unternehmen der Zweiten Liga erschreckend niedrig, gerade im Vergleich zur Bundesliga, die sich in den vergangenen Jahren ein kleines Stück weit entschuldet hat. Die erste Liga hat am Montag - man möchte sagen: natürlich - mal wieder einen neuen Zuschauerrekord für die Hinrunde vermeldet. Ganz ohne Peter Neururer.