EU-Erweiterung Brüssel rechnet mit Aufnahmeantrag Islands
Der Inselstaat im Atlantik ist in der Finanzkrise fast untergegangen. Nun sucht er offenbar Sicherheit in der EU
EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn stellt sich jedenfalls auf ein Beitrittsgesuch Islands ein. Die Verhandlungen für eine EU-Mitgliedschaft könnten rascher ablaufen als mit anderen Ländern, da Island bereits enge Bande mit der EU habe, sagte der finnische Kommissar am Donnerstag in Brüssel. Ein Gesuch könnte es möglicherweise bereits Anfang 2009 geben.
Es sei Sache des isländischen Volkes und der Regierung, ob sie eine Mitgliedschaft wollten, sagte Rehn. Island ist Mitglied der NATO, unterhält aber keine eigenen Streitkräfte. Das Land gehört außerdem zum sogenannten Schengen Raum der EU, in dem die systematischen Personenkontrollen an den Grenzen abgeschafft sind.
Die Insel ist stark von der internationalen Finanzkrise betroffen. Mehrere isländische Großbanken wie Kaupthing oder Landesbanki mussten vom Staat vor der Pleite bewahrt werden, die Regierung warnte zeitweise vor einem drohenden Staatsbankrott. Aus dem EU-Raum erhielt das Land zunächst wenig Hilfe. Es fand stattdessen in Russland und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Kreditgeber.
Auch die Schwäche der Landeswährung könnte ein Grund für die Annäherung an die EU sein. Die Isländische Krone hat innerhalb der letzten zwölf Monate knapp drei Viertel ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren. Die Inflationsrate ist auf 17,1 Prozent geklettert. Für die einst blühende Wirtschaft Islands sind das katastrophale Werte.
Auf der Insel leben rund 320 000 Menschen. Bis zur Krise zählten sie zu den wohlhabendsten Europas. Doch in der Krise zeigte sich, dass der Boom zum erheblichen Teil auf Pump und Spekulationen gebaut war.
- Datum 11.12.2008 - 18:50 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE/dpa/hf
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Die Wohlhabenheit war nur gepumpt auf Basis geliehenen Geldes und der Transaktionen der Banken.
Lt. Wikipedia: 10 % der Isländer sind Fischer, und mehr als die Hälfte führen Dienstleistungen aus. Exportiert werden Fisch und Maschinen. Die Landwirtschaft besteht hauptsächlich aus der Haltung von Schafen, Islandpferden und Rindern.
Was zum Teufel also, würde ein EU-Beitritt sachlich ändern für die Isländer ausser möglicherweise der Währung?
Es hat schon ein Gschmäckle, solang daheim alles gut lief und das Gezocke funktioniert und man davon gut gelebt hat wollte man natürlich nicht in die EU. Das hieße ja solidarisch sein zu müssen mit den neuen Mitgliedsländern in Osteuropa, oder auch keine Wirtschaftspolitik der Ellenbogen führen zu können (Stichwort Fischfangquoten, die vor allem den Zweck haben die Ausrottung von Speisefischen zu verhindern!).
Und jetzt wo man Probleme hat will man auf einmal in die EU, warscheinlich auch noch Hilfsgelder, Darlehen und das ganze Paket.
So sehr mich die europäische Idee begeistert (wenn man von den Abgründen des bürokratischen Alltages absieht) aber hier bin ich entschieden der Ansicht dass die Isländer sich erst mal selbst aus dem Schlamassel rausarbeiten müssen den sie und ihre Regierung/Banken angerichtet haben. Man hat Jahre über seine Verhältnisse gelebt und alle Warnungen in den Wind geschlagen (Warnungen gab es zahlreich, seit Jahren). Dann kann man - wie mit jedem anderen Anwärter auch - normale Verhandlungen beginnen. Den Kopenhagener Kriterien nach ist Island derzeit definitiv KEIN Beitrittskandidat.
Ich bin mir sicher: Wäre Island der EU gemeinsam mit Schweden und Finnland 1995 der EU beigetreten, würde Island heute die "Bürokraten in Brüssel" für ihre Situation verantwortlich machen - man würde vermutlich den Austritt aus dem Verein und eine Rückbesinnung auf die angeblichen eigenen nationalen Stärken fordern. Denn, dass man an seiner Misere selbst schuld sein könnte, ist natürlich nie eine Option.
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