Interview mit Schäfer-Gümbel "Koch ist ein Brandstifter"

Hessens SPD-Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel sieht sich nicht als "Marionette" Ypsilantis. Selbstbewusst greift er den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten an. Ein Interview

ZEIT ONLINE: Herr Schäfer-Gümbel, lohnt es sich für Sie und die hessische SPD überhaupt noch, Wahlkampf zu machen? Die Landtagsneuwahl am 18. Januar scheint schon verloren zu sein.

Thorsten Schäfer-Gümbel: Im Gegenteil. Ich bin zuversichtlich, dass wir noch in die Offensive kommen.

ZEIT ONLINE: Doppelname, dicke Brillengläser, Bayern-Fan: Da ist Ihr Unternehmen Wahlsieg doch hoffnungslos.

Schäfer-Gümbel: Überhaupt nicht, aber wenn es einfach wäre, dann könnte es ja jeder.

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ZEIT ONLINE: Alle Umfragen sprechen von einer klaren schwarz-gelben Mehrheit, die SPD liegt bei 23 Prozent. Wie wollen Sie da in fünf Wochen noch eine Trendwende schaffen?

Schäfer-Gümbel: Wir sind schon mittendrin. Wir haben unsere Fehler eingeräumt und sagen dem Wähler: Wir haben verstanden! Ab jetzt rücken die Inhalte wieder in den Mittelpunkt der Wahlauseinandersetzung: bessere Bildung, gute Arbeit, neue Energie und unsere Vorschläge gegen die Wirtschaftskrise.

ZEIT ONLINE: Aber ist nicht überall zu spüren, dass der Wortbruch noch nachwirkt?

Schäfer-Gümbel: Es gibt Menschen, die sind enttäuscht darüber, dass wir versucht haben, mit der Linkspartei zusammen zu regieren. Und es gibt Menschen, die sind enttäuscht, dass es nicht funktioniert hat. In diesem doppelten Dilemma stehen wir.

ZEIT ONLINE: Was ist Ihr Angebot für die Doppelt-Enttäuschten?

Schäfer-Gümbel: Wir haben uns personell neu aufgestellt und gehen an die Gestaltungs- und Regierungsfrage jetzt mit einer neuen Offenheit heran. Ich wäre froh, wenn die anderen Parteien auch mal Konsequenzen aus der Situation ziehen würden, die sie mit verbockt haben. Die Verantwortung für die hessischen Verhältnisse liegt ja nicht nur bei der SPD, sondern bei allen 110 Abgeordneten des Hessischen Landtags, also bei allen fünf Fraktionen. Wir sind die Einzigen, die sich neu aufgestellt haben.

ZEIT ONLINE: Ein großes Handicap ist Ihre geringe Bekanntheit. Ihren Gegner Roland Koch hingegen kennt die ganze Republik. Wie wollen Sie diesen Rückstand aufholen?

Schäfer-Gümbel: Ich habe in den ersten 35 Tagen des Wahlkampfs mehr erreicht als andere Spitzenkandidaten in zwei Jahren. Auch der Versuch, mich als Marionette von Andrea Ypsilanti und als Hinterbänkler abzustempeln, ist gescheitert. Insofern bin ich zufrieden. Natürlich ist diese Wahlkampagne extrem kurz. Aber es kommt am Wahltag nicht nur auf die persönliche Popularität an, sondern auch darauf, ob sie die richtigen Antworten auf die Fragen der Zeit haben.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 15.12.2008 um 15:13 Uhr

    "Personaldebatten bringen uns nicht weiter."

    Mooooooment mal - was denn dann bitte? Wenn da der falsche Typ oder die falsche Typin am Steuer sitzt, na dann bringt uns eine Personaldebatte aber ganz fix weiter.
    Jaja, wir haben schon verstanden - man darf sich erlauben, was geht, die oberen 10.000 beliben unter sich...

    zur wahl - jetz mal ohne spaß, wer nach dem debakel noch ernsthaft drüber nachdenkt, spd zu wählen, wenn er oder sie es nicht shcon seit 25 jahren aus gewohnheit tut, der oder die kann einem ja nur noch leid tun. und das von einem überzeugten sozialdemokraten. das problem ist nur, dass ich in der SPD keinen einzigen mehr von meiner sorte sehe...

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    die Linke wählen und dann mal sehen welche Möglichkeiten der CDU noch bleiben. Ich sehe das so, das das mit der CDU und der Linken zusammen wohl ein Theaterstück wird, was seines Gleichen sucht!

    die Linke wählen und dann mal sehen welche Möglichkeiten der CDU noch bleiben. Ich sehe das so, das das mit der CDU und der Linken zusammen wohl ein Theaterstück wird, was seines Gleichen sucht!

    • Neon
    • 15.12.2008 um 15:26 Uhr

    Mit einer Zeitenwende ist nicht zu rechnen, wenn die SPD den naechsten oeffentlich-rechtlichen Partei-Karrieristen zur Wahl schickt. Die Politik in Hessen wird die naechste Wahl also wieder nicht aendern.
    Thorsten Schäfer-Gümbel unterstützt wie auch Lothar Bisky und Sahra Wagenknecht die Kampagne Hands off Venezuela der trotzkistischen Internationalen Marxistische Tendenz und damit den venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chávez.
    So einer hat also gerade noch gefehlt. Als Kontrapunkt zum Rechtsaussen Roland Koch. Da haben wir ja Klassenkampf alter Art.

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    in ihrem fanatischen Anti-SPD-Propagandismus so alles in die Welt setzt, Neon. Lesen Sie vielleicht auch andere Medien - und nicht nur rechtskonservative. So schreibt z.B. die FR:

    >>Woher die FAZ die Information nimmt, dass "Hands off Venezuela" eine "extremistische", also gewaltbereite und gewalttätige Kampagne ist, erklärt sie nicht. Als Beleg wertet sie vielleicht, dass auch Lothar Bisky, Vorsitzender der Linkspartei, Unterzeichner der Initiative ist.

    Unterstützer ist unter vielen anderen auch der entschiedene Kriegsgegner George Galloway, der im Oktober 2003 wegen seiner konsequenten Ablehnung der britischen Kriegsbeteiligung im Irak aus der Labour-Partei austrat.

    Interessant ist das durchaus, dass Thorsten Schäfer-Gümbel diese Kampagne unterstützt. Auf Nachfrage der FAZ sagte Schäfer-Gümbel, es liege schon einige Jahre zurück, dass er den Aufruf unterzeichnet habe. Damals sei es um die internationale Solidarität gegangen.

    "Hands off Venezuela" hat Anhänger in mehr als 30 Ländern. Die Arbeit der Initiative besteht nach eigenen Angaben darin, in öffentlichen Veranstaltungen und Diskussionen innerhalb der Gewerkschaftsbewegungen Solidarität für Venezuela zu organisieren.<< http://www.fr-online.de/t...

    in ihrem fanatischen Anti-SPD-Propagandismus so alles in die Welt setzt, Neon. Lesen Sie vielleicht auch andere Medien - und nicht nur rechtskonservative. So schreibt z.B. die FR:

    >>Woher die FAZ die Information nimmt, dass "Hands off Venezuela" eine "extremistische", also gewaltbereite und gewalttätige Kampagne ist, erklärt sie nicht. Als Beleg wertet sie vielleicht, dass auch Lothar Bisky, Vorsitzender der Linkspartei, Unterzeichner der Initiative ist.

    Unterstützer ist unter vielen anderen auch der entschiedene Kriegsgegner George Galloway, der im Oktober 2003 wegen seiner konsequenten Ablehnung der britischen Kriegsbeteiligung im Irak aus der Labour-Partei austrat.

    Interessant ist das durchaus, dass Thorsten Schäfer-Gümbel diese Kampagne unterstützt. Auf Nachfrage der FAZ sagte Schäfer-Gümbel, es liege schon einige Jahre zurück, dass er den Aufruf unterzeichnet habe. Damals sei es um die internationale Solidarität gegangen.

    "Hands off Venezuela" hat Anhänger in mehr als 30 Ländern. Die Arbeit der Initiative besteht nach eigenen Angaben darin, in öffentlichen Veranstaltungen und Diskussionen innerhalb der Gewerkschaftsbewegungen Solidarität für Venezuela zu organisieren.<< http://www.fr-online.de/t...

  1. ... die sind enttäuscht darüber, dass wir versucht haben, mit der Linkspartei zusammen zu regieren. Und es gibt Menschen, die sind enttäuscht, dass es nicht funktioniert hat. In diesem doppelten Dilemma stehen wir."

    Wahrscheinlich wird es das Problem für die SPD nicht vereinfachen, aber eigentlich handelt es sich hier nur um ein einfaches Dilemma.

  2. @ MyChemicalParzifal
    "das problem ist nur, dass ich in der SPD keinen einzigen mehr von meiner sorte sehe."
    Das gibt Hoffnung.
    @ Neon
    "Thorsten Schäfer-Gümbel unterstützt wie auch Lothar Bisky und Sahra Wagenknecht die Kampagne Hands off Venezuela".
    Das gibt noch mehr Hoffnung. Der Mann scheint vernünftige Ansichten zu vertreten.

  3. in ihrem fanatischen Anti-SPD-Propagandismus so alles in die Welt setzt, Neon. Lesen Sie vielleicht auch andere Medien - und nicht nur rechtskonservative. So schreibt z.B. die FR:

    >>Woher die FAZ die Information nimmt, dass "Hands off Venezuela" eine "extremistische", also gewaltbereite und gewalttätige Kampagne ist, erklärt sie nicht. Als Beleg wertet sie vielleicht, dass auch Lothar Bisky, Vorsitzender der Linkspartei, Unterzeichner der Initiative ist.

    Unterstützer ist unter vielen anderen auch der entschiedene Kriegsgegner George Galloway, der im Oktober 2003 wegen seiner konsequenten Ablehnung der britischen Kriegsbeteiligung im Irak aus der Labour-Partei austrat.

    Interessant ist das durchaus, dass Thorsten Schäfer-Gümbel diese Kampagne unterstützt. Auf Nachfrage der FAZ sagte Schäfer-Gümbel, es liege schon einige Jahre zurück, dass er den Aufruf unterzeichnet habe. Damals sei es um die internationale Solidarität gegangen.

    "Hands off Venezuela" hat Anhänger in mehr als 30 Ländern. Die Arbeit der Initiative besteht nach eigenen Angaben darin, in öffentlichen Veranstaltungen und Diskussionen innerhalb der Gewerkschaftsbewegungen Solidarität für Venezuela zu organisieren.<< http://www.fr-online.de/t...

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    oder Solidarität für einen linken Diktator, der aus Machtbesessenheit alles machen würde. Aber das passt eigentlich auch zu der von Fr. Y. nach wie vor organisierten hessischen SPD. Und wenn seine Unterstützung einige Jahre zurückliegt, so fehlt ihm offensichtlich der nötige Weitblick für einen Kandidaten. Sorry, aber Linksdiktatoren sind für mich genauso verhasst wie Rechtsdiktatoren. Und wer aus nostalgischen Gründen immernoch nichts aus der Geschichte gelernt hat, wie die Linkspartei und teilen der SPD, dann habe ich ernsthafte Probleme mit der Partei.

    oder Solidarität für einen linken Diktator, der aus Machtbesessenheit alles machen würde. Aber das passt eigentlich auch zu der von Fr. Y. nach wie vor organisierten hessischen SPD. Und wenn seine Unterstützung einige Jahre zurückliegt, so fehlt ihm offensichtlich der nötige Weitblick für einen Kandidaten. Sorry, aber Linksdiktatoren sind für mich genauso verhasst wie Rechtsdiktatoren. Und wer aus nostalgischen Gründen immernoch nichts aus der Geschichte gelernt hat, wie die Linkspartei und teilen der SPD, dann habe ich ernsthafte Probleme mit der Partei.

  4. oder Solidarität für einen linken Diktator, der aus Machtbesessenheit alles machen würde. Aber das passt eigentlich auch zu der von Fr. Y. nach wie vor organisierten hessischen SPD. Und wenn seine Unterstützung einige Jahre zurückliegt, so fehlt ihm offensichtlich der nötige Weitblick für einen Kandidaten. Sorry, aber Linksdiktatoren sind für mich genauso verhasst wie Rechtsdiktatoren. Und wer aus nostalgischen Gründen immernoch nichts aus der Geschichte gelernt hat, wie die Linkspartei und teilen der SPD, dann habe ich ernsthafte Probleme mit der Partei.

  5. Gilt man bei der SPD bereits als Bandstifter, wenn man lediglich Tabuthemen anspricht? Falls dem so ist, dann sind mir die "Brandstifter" deutlich lieber als die Realitätsverweigerer wie Frau Ypsilantis und Herr Schäfer-Gümbel.

  6. und wissen, was diese Aussage bedeutet: "Die Arbeit der Initiative besteht nach eigenen Angaben darin, in öffentlichen Veranstaltungen und Diskussionen innerhalb der Gewerkschaftsbewegungen Solidarität für Venezuela zu organisieren." s.o.
    Wenn die Gewerkschaft Solidarität eine Opposition zu Charvez ist, dann dürfte sie ja durchaus unterstützenswert sein. Wenn sie Charvez und den Trotzkismus, Stalinismus und Leninismus und Stasiismus etc. aber realisieren will, dann ist da natürlich Kontra angesagt. Bevor das aber nicht explizit geklärt ist, redet man nur über Fantasien. Für manche sind ja auch Gewerkschaften Staatsfeinde, wie in der DDR und Teile der CDU, CSU. Für andere zählen Gewerkschaften zur Mafia, wie es tlw. in den USA geglaubt wird.

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    Staatsfeind in der DDR? Hallo!

    Ich war etwas voreilig. Ihre Kritik ist berechtigt.

    Staatsfeind in der DDR? Hallo!

    Ich war etwas voreilig. Ihre Kritik ist berechtigt.

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