Schmiergeld Politskandal in Illinois

Korruption, Prostitution, zweifelhaftes Benehmen. Oft fühlt sich unser USA-Korrespondent wie im Land Skandalistan. Die Affäre um die Obama-Nachfolge ist besonders heftig

Rod R. Blagojevich muss mit einer Haftstrafe rechnen. Sein Vorgänger sitzt bereits wegen Korruption im Gefängnis

Rod R. Blagojevich muss mit einer Haftstrafe rechnen. Sein Vorgänger sitzt bereits wegen Korruption im Gefängnis

Zuerst musste ein republikanischer Senator aus Florida eingestehen, dass er jungen männlichen Kongress-Praktikanten unsittliche E-Mails geschickt hatte. Dann geriet ein republikanischer Senator aus Idaho in den Verdacht, auf einer Männertoilette im Flughafen von Minneapolis zweifelhafte Annäherungsversuche unternommen zu haben.

Ein weiterer Politiker aus den Südstaaten wurde als Kunde eines Pornorings überführt, und der demokratische Gouverneur des Bundesstaats New York musste zurücktreten, weil er sich in einem vornehmen Hauptstadt-Hotel mit einer käuflichen Dame eingelassen hatte. Besonders peinlich: Eben jener Gouverneur Eliot Spitzer hatte sich einst als Staatsanwalt einen Namen als unbarmherziger Prostituiertenjäger gemacht.

Der jüngste Skandal aber schlägt dem Fass den Boden aus. Am Dienstag wurde Illinois demokratischer Gouverneur Rod Blagojevich verhaftet wegen des Verdachts der schweren Korruption. Im Morgengrauen fuhren Beamte des FBI vor seiner Dienstvilla vor und weckten ihn per Telefon. Sie wollten nicht klingeln und seine Familie nicht wecken, sagten sie, aber er möge unverzüglich seine Sachen packen und nach draußen kommen.

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Der Vorwurf: Blagojevich soll versucht haben, aus dem vakanten Senatorensitz von Barack Obama Geld zu schlagen. Obama wird nämlich am 20. Januar Präsident und hat deshalb vor kurzem sein Senatorenamt von Illinois niedergelegt. Das Gesetz will es, dass der Gouverneur einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin bestimmt. Schlitzohr Blagojevich wollte aus dieser Pflicht Kapital schlagen, nach dem Motto: Wer am Meisten bietet, kriegt den Zuschlag.

Da er schon seit langem unter dem Verdacht steht, sich seine Dienste heimlich vergolden zu lassen, hat die Polizei sein Telefon abgehört und Wanzen in seinem Büro versteckt. Die Lauschaktion enthüllte Ungeheuerlichkeiten. Etliche Verdienstmöglichkeiten hat Blagojevich angeblich mit seinem Stabschef und sechs potenziellen Obama-Nachfolgern durchgespielt.

Option 1: Sollte er als Gouverneur einen Senatskandidaten nach dem Geschmack des künftigen Präsidenten auswähle, möge der sich bitteschön dadurch erkenntlich zeigen, dass er ihm, dem Gouverneur, ein passendes Regierungsamt zuschiebe, Energieminister zum Beispiel.

Option 2: Sollte kein Regierungsamt drin sein, dann möge zumindest Gouverneursgattin Patti mit einer lukrativen Arbeit versorgt werden.

Optionen 3, 4 und 5: Er, der Herrscher von Illinois, könne auch mit einem hoch dotierten Posten in der Gewerkschaft oder an der Spitze eines gemeinnützigen Vereins zufrieden gestellt werden – oder mit großzügigen Spenden für seine Wiederwahl als Gouverneur.

Leser-Kommentare
  1. Als ob es bei uns anders wäre. Auch hier gehen die Politiker nach Ende ihrer Karriere gerne in Aufsichtsräte, Banken und staatsnahe Betriebe. Die fachliche Qualifikation gibt da wohl kaum einen Ausschlag.
    Es würde hier nicht überraschen, wenn Obama doch in den Skandal in Illinois involviert ist. Immerhin gehen die ganzen Planspiele davon aus, dass Obama einen ihm genehmen Kandidaten benennt und sich dafür erkenntlich zeigt.

    • gquell
    • 11.12.2008 um 10:13 Uhr

    Wer wissen will, wie äußerst erfolgreich und ohne Nebenwirkungen für die Akteure in Deutschland Korruption betrieben wird, der braucht sich nur den ZDF-Bericht von Frontal21 über die Pharmakonzerne ansehen. Ich glaube, Berlin und Chicago unterscheiden sich nur in der verwendeten Sprache. In Deutschland werden allerdings die Unternehmen vor Strafverfolgung erfolgreich geschützt. Das ist in den USA anders! Lieber wird hier mit großem Aufwand Jagd auf ein paar jugendliche Möchtegernterroristen gemacht als die allgegenwärtigen mafiösen Strukturen der Korruption auszuräuchern.
    Wenn schon der ehemalige Gesundheitsminister Seehofer sagt, daß die Politik gegen die Pharmakonzerne machtlos sei, dann ist das ein Alarmzeichen.

    Wenn wir also mit dem Finger auf die Korruption in den USA zeigen sollten wir berücksichtigen, daß mindestens drei Finger auf uns selbst zeigen.

  2. .
    Die ganzen Appelle an gutes Betragen
    ebenso die ganze Aufregung über Eigennutz
    alles ziemlicher Quark.
    -
    Wer schlechte Gesetze macht,
    der trägt die Schuld, der ist Verführer.
    -
    Wer ist denn auf die glorreiche Idee gekommen,
    die Entscheidung über den Gouverneursposten
    einem einzelnen Menschen zu überlassen?
    .

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    am besten ist dann wohl die totale Kontrolle...

    am besten ist dann wohl die totale Kontrolle...

    • Slink
    • 11.12.2008 um 14:23 Uhr

    Der Fall Blagojevich könnte überall auf dieser Welt stattfinden, da er keine lokale Verwurzelung besitzt sondern eine Schattenseite unseres Zeitgeistes zeigt: Eigentlicher Gewinner ist heutzutage der, der es schafft, vielmehr Kapital aus seiner zunächst limitierten Situation zu schlagen wie grundsätzlich unter normalen Umständen möglich. Soll heissen: Alle Mittel sind erlaubt, solange es unterm Teppich bleibt und einem selbst nicht zum Nachteil gereicht... Das hat eindeutig kriminellen Rechtfertigungs-Charakter: alle anderen machen es ja auch, man darf nur nicht so blöd sein, sich erwischen zu lassen... Statt Banküberfall empfiehlt sich mittlerweile halt Korruption im staatlichen Umfeld.
    Unsere Vorbilder sind täglich in den Medien präsent: Der Staat ist zuvorderst eine ideale ergiebige Geldquelle, die Beispiele BayernLB, HypoReal, ...VW-Bank zeigen, wenn man die entsprechenden Leute kennt, kommt man an Steuer- / Staatsgelder, ohne richtig mit Aufwand und Gegenleistung wirtschaften zu müssen.
    Was fehlt oder den Bach runtergeht ist die Moral, bessser gesagt der Anstand. Ob diese Dynamik derzeit wirklich zunimmt lässt sich nicht einfach beweisen, könnte auch sein, dass die Medien einfach mehr aufdecken.. Trotzdem sollten die Beauftragten der Gesellschaft (>Politiker, aufwachen!) reagieren.

  3. auf die Frage ob Chicago die korrupteste Stadt in USA waere hat der Staatsanwalt nur gesagt: ob es die korrupteste Stadt waere koennte er nicht sagen aber auf jeden Fall waere Chicago auf ein guter Anwaerter auf einen der vordersten Plaetze.

  4. ...Bürgermeisters von Chicago, dem Demokraten Richard Joseph Daley gibt es in den USA den Begriff der "daleymachine" als Synonym für Korruption durch Ämter-und Pöstchenpatronage. Oder deutlicher gesagt, Wahlerfolge durch gekaufte Wählerstimmen.

    Inwieweit der zukünftige US-Präsident in Machenschaften dieser Art verwickelt ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen.

    Klar scheint aber eines zu sein: Mit dem Fall des Rod Blagojevich hat Obama nichts zu tun.

    Interessant wird es aber schon sein, zu beobachten, wer damit beginnen wird, Obama davon etwas "an die Backe zu hängen".

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    aber so arrogant und ueberheblich wie der jetztige Buergermeister war selbst John Daley nicht.In Chicago sind die Gewerkschaften und die demokratischen Buergermeister immer eng vernetzt.

    aber so arrogant und ueberheblich wie der jetztige Buergermeister war selbst John Daley nicht.In Chicago sind die Gewerkschaften und die demokratischen Buergermeister immer eng vernetzt.

  5. Länder wie Deutschland und USA sind ja auch durch Pflichtgefühl gross geworden, durch Menschen die gerade nicht korrupt waren.
    Wenn Korruption überhand nimmt kann das ganze Gesellschaften zerstören, bzw deren Entwicklung behindern, wie man in manchen GUS- oder afrikanischen Ländern sieht.
    Korruption ist deshalb eine Gefahr, die bekämpft werden und ernst genommen werden muss.

    • Anonym
    • 11.12.2008 um 19:32 Uhr

    von Gut und Böse ist..
    Korruption und dergleichen sind weder die Spezialität einer Kultur, Gesellschaft oder eines Systems noch einer bestimmten Ideologie.
    Es sind "normale" menschliche Abgründe.
    Die Schönheit in der Demokratie liegt darin begraben dass es Skandale gibt - das setzt nämlich voraus das Fehlverhalten überhaupt erst bekannt wird, und die Bevölkerung überhaupt Meinungsfreiheit usw besitzt (ein Skandal ist schließlich ein Skandal wenn die Öffentlichkeit ihn als solchen sieht..).
    Darum sollte man vom hohen Roß runter. Bei Ländern die angeblich weniger an Korruption leiden werde ich besonders skeptisch: die Frage muss lauten warum da nichts bekannt wird? Korruption gibt es immer und überall, dies ist ein Fakt.
    Damit offensiv und offen umzugehen ist unangenehm, wie man sehen kann, aber besser als wenn es keine "Skandale" gäbe. Aus den Augen aus dem Sinn...
    in Fernost aber auch in Europa läuft da viel über Seilschaften und "Gefälligkeiten" was zumindest in der Qualität (vielleicht nicht bezüglich Obszönität) den Ereignissen in Illinois in nichts nachstehen.

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