Die arabische Zeitung Al-Sharq Al-Awsat berichtete, die am vergangenen Sonntag zusammen mit ihren Eltern verschleppte deutsche Architektin Julia T. habe in einem Telefonat erklärt, sie selbst und ihre Eltern hätten keine Angst, da sie den Jemen gut kennen. Sie selbst arbeite bereits seit mehr als zehn Jahren in dem arabischen Land. Für ihre Eltern sei es der elfte Besuch im Jemen.

Julia T., die jemenitische Beamte in Fragen der Stadtentwicklung berät, war während eines Ausfluges südlich der Hauptstadt Sanaa zusammen mit ihren Eltern verschleppt worden.

Einer der Entführer, der seinen Namen nicht nennen wollte, sagte im Gespräch mit Al-Sharq Al-Awsat , sein Clan habe sich entschlossen, die Deutschen zu entführen, "nachdem unsere Bemühungen, auf die Behörden einzuwirken und die Freilassung unserer Gefangenen zu erreichen, in einer Sackgasse geendet waren".

Unterdessen wurden Sicherheitskreisen zufolge mehrere Angehörige des Stammes verhaftet, der für die Geiselnahme verantwortlich sein soll. Dies meldete die Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor hatten Truppen den mutmaßlichen Rückzugsort der Entführer umzingelt. Die Soldaten hätten sich dem Berggebiet 60 Kilometer östlich der Hauptstadt von vier Seiten genähert, zitierte die Internetseite der Regierungspartei den Vize-Gouverneur der Provinz Sanaa, Abdulmalek al-Gharbi.

Hintergrund der Tat ist nach jemenitischen Angaben ein Streit zweier Stämme um Grund und Boden. Zudem verlangen die Geiselnehmer die Freilassung zweier Stammesmitglieder, die wegen einer früheren Entführung in Haft sitzen.