Kanzlerin Merkel Machtpolitik ohne Feingefühl
Die Bundesregierung zögert mit dem Konjunkturprogramm und beim Klimaschutz. Damit überlässt sie den USA die Vorreiterrolle und beschädigt ihre Position in der EU
Die Außenpolitik der Großen Koalition lässt staunen. Wurde Angela Merkel während der deutschen Ratspräsidentschaft und bei der Verabschiedung des Reformvertrags der EU noch überall als große Europäerin gefeiert, so ist heute davon nichts mehr übrig geblieben. Dasselbe gilt für die „Klimakanzlerin“ von Heiligendamm. Zwar haben sich die Europäer in der letzten Woche auf ein 200 Milliarden schweres Konjunkturprogramm und auf einen Kompromiss beim Klimaschutz geeinigt, aber um welchen Preis? Der Begriff „Minimalkonsens“ scheint dafür noch übertrieben.
Das Konjunkturprogramm ist im Wesentlichen eine Doppelbuchung ohnehin schon beschlossener nationaler Ausgaben, ansonsten gilt innerhalb der EU die Devise, dass jeder national macht, was er für richtig hält. Ein starkes Europa sieht anders aus. Beim Klimaschutz war man dort tapfer, wo es nichts kostet, nämlich bei den Eckpunkten, deren Überprüfung erst in ferner Zukunft ansteht. Wo es aber konkret wurde, nämlich beim Emissionshandel, wurden so viele Ausnahmen gemacht, dass die Ausnahme zur Regel und die Regel zur Ausnahme wurden.
Angeführt von der Bundesregierung gibt Europa genau in dem Augenblick seine ökologische Vorreiterrolle auf, in dem Barack Obama sich in den USA anschickt, eine große Umweltoffensive zu starten. Klug kann man eine solche Politik kaum nennen.
Auch bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise erweist sich die größte und wichtigste Wirtschaftsmacht der EU als Bremser und nicht als Gestalter. Man müsse abwarten, was Amerika unter seiner neuen Regierung tun werde, heißt es in Berlin. Dabei weiß man doch bereits heute, dass Obama mit einem „Big Bang“ als Konjunkturprogramm sein Amt antreten will. Es wird geschätzt, dass Obama bis zu eine Billion Dollar in Infrastruktur, Klimaschutz und Bildung investieren will.
Wenn man in der Bundesregierung also ohnehin meint, den USA folgen zu müssen, warum riskiert Berlin dann das schwere Zerwürfnis mit Paris und London und den fatalen Eindruck einer gespaltenen, kaum handlungsfähigen EU? Selbst nach langem Grübeln fallen einem dafür keine rationalen Gründe ein.
In der Außenpolitik geht es meist um zwei Dinge: Interessen und Prestige. Interessenkonflikte können gefährlich werden, lassen sich aber meist rational angehen und mittels eines Kompromisses lösen. Ganz anders verhält sich die Sache, wenn es das Prestige der außenpolitischen Akteure betrifft. Denn dann geht es um Emotionen. Was an der Außenpolitik der Großen Koalition auffällt, ist, wie wenig sie bereit ist, Rücksicht auf diese emotionalen Faktoren in ihrer Außen- und Europapolitik zu nehmen. Kanzlerin und Finanzminister gebärden sich stattdessen wie Nilpferd und Nashorn beim Weihnachtseinkauf in einem Porzellanladen.
- Datum 08.05.2009 - 13:46 Uhr
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- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE
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Deutschland hat in der EU (Brüssel) wieder das Scheckbuch gezückt. Konnte man überall lesen! Daher zu wenig Kohl? War doch früher auch schon so: Die anderen bestimmen und besetzen die lukrativen Posten - meist Personen aus Benelux - und wir zahlen und zahlen........Dem eigenen (deutschen) Volk gönnt man nicht mal die km-Pauschale?!
Wenn der Name Bahr andeuten sollte, wieder etwas mehr auf deutsche Belange zu sehen, wäre mir es gerade recht. Und ich wäre mir sehr sicher, damit im mainstream - will heissen: Mehrheit - zu liegen.
Wir sind doch heute schon wieder soweit, dass drei Kleinstaaten im Baltikum und Polen uns Deutschen vorschreiben wollen, ob und wie wir mit Rußland zusammenarbeiten (dürfen). Mir geht das alles über die Hutschnur. Wenn wir eine Gasleitung für gut, richtig und vorteilhaft halten ohne dass das Staatsgebiet dieser "Stänkerer" tangiert wird, wäre es mir sehr recht.
Mein Petitum wäre überhaupt, dass wir unseren Nachbarn in klarer deutscher Sprache sagen, was wir wollen und was wir nicht wollen. Sicher will niemand einen Rückfall in die Zeiten eines Herrn AA-Chefs v. R., aber es dürfte schon etwas mehr Deutlichkeit sein im Sinne: klare Worte zur rechten Zeit, ersparen allen viel Ärger und Leid!
Ganz Ihrer Meinung bin ich nicht, Herr Fischer.
Die Emotionalität, ja die könnte vielleicht noch einen Tick echter sein, aber doch auch nicht so stark, wie man sich das heute vielleicht wünscht, morgen aber schon abstoßend findet.
Auch mehr Europa, ja ich würde sogar sagen mehr Weltpolitik als Deutschlands Interessen über alles, da haben Sie wohl Recht.
Aber der Kern Ihrer Aussage, schlechter Umgang mit der Krise, das sehe ich anders. Abgesehen von den zwei Jahren Rezession, die auf alle Fälle kommen, die große Gefahr, die vor uns steht, das ist vor allem eine Angstspirale, die zu dem führen kann, was man von der Weltwirtschaftskrise 1929 kennt.
Und gegen Angst hilft bekanntlich am besten Ruhe bewahren, nach außen hin jedenfalls. So gesehen könnte liegt unsere Regierung im Moment vielleicht goldrichtig, wie sie vielleicht in zwei Jahren schreiben werden.
Nach innen hin aber, da haben Sie Recht, da müssten für den Fall der Fälle die Giga-Programme entwickelt werden, um die Welt notfalls a la New Deal vor dem schwarzen Loch zu retten.
Ich hoffe, unsere Regierung macht genau das, ohne darüber zu reden.
Ich erinnere nur an den Kanzler mit der ruhigen Hand. Spätestens dann, wenn die Rezession bei den Menschen wirklich ankommt, spätestens wenn Kündigungen als Serienbriefe verschickt werden, wird Angela Merkel der Wind massiv ins Gesicht blasen. Fischer hat recht. Die ruhige Hand ist in Wirklichkeit Einfallslosigkeit.
Ich erinnere nur an den Kanzler mit der ruhigen Hand. Spätestens dann, wenn die Rezession bei den Menschen wirklich ankommt, spätestens wenn Kündigungen als Serienbriefe verschickt werden, wird Angela Merkel der Wind massiv ins Gesicht blasen. Fischer hat recht. Die ruhige Hand ist in Wirklichkeit Einfallslosigkeit.
Als Fischer noch Regierungsverantwortung trug, wurden Emissionsrechte zugeteilt (wie in der Planwirtschaft) statt gehandelt - ein Milliardengewinn für die Industrie. Erst 2025 (!) müssen sie in der EU zu 100% bezahlt werden.
Jedem Grünen-Anhänger oder ökologisch denkendem Menschen stehen die Haare zu Berge angesichts einer "juristischen Konstruktion" Namens Emissionsrechtehandel, wonach die Verschmutzung der Atmosphäre zu einem Recht erhoben wird, dessen Verzicht eine Inwertsetzung nach sich zieht. Schlußendlich werden also die Dreckschleudern weiter qualmen, nur werden bis zu 2/3 der "Rechte auf Verschmutzung" den ärmsten Ländern abgekauft und mit Entwicklungshilfe verrechnet.
Soll so nachhaltige Grüne Politik aussehen oder wärmt Fischer nur das Bett für Merkel?
Von Obama ist übrigens auch nichts anderes zu erwarten, denn Obamas designierter Finanzminister Larry Summers schrieb bereits 1991 als Chefökonom der Weltbank (Auszüge):
"Schmutzige› Industrien: Nur unter uns, sollte die Weltbank nicht vermehrt den Transfer schmutziger Industrien in die unterentwickelten Länder fördern? [] Ich bin immer davon ausgegangen, dass unterbevölkerte Länder in Afrika in beträchtlichem Ausmass unter-verschmutzt sind, []
Die Nachfrage nach einer sauberen Umwelt aus ästhetischen und gesundheitlichen Gründen hat wahrscheinlich eine sehr hohe Einkommenselastizität. [Die Nachfrage steigt, wenn das Einkommensniveau zunimmt.] Das Interesse an einem Agens, das mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million eine Veränderung bei Prostatakrebs verursacht, ist offensichtlich in einem Land viel höher, in dem Leute überleben, um dann an Prostatakrebs zu erkranken, als bei Menschen in einem Land, wo die Sterblichkeit unter 5 Jahren bei 200 pro tausend Kindern liegt […].
Heuschreckenzynismus.
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"Ich glaube, daß die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
(Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)
Wer hat eigentlich dem Fiskus(denn der hat daraus Kapital geschlagen!) das Recht verliehen, unsere Luft zu verkaufen?
Unternehmen haben davon nur teilweise profitiert - nämlich im selben Grade, wie ihre jeweiligen Lobbygruppen "zuviele" Emeissionszertifikate herausgeschunden haben, die die Unternehmen dann verkaufen konnten.
Staatsfetischismus, mehr nicht.
Wer hat eigentlich dem Fiskus(denn der hat daraus Kapital geschlagen!) das Recht verliehen, unsere Luft zu verkaufen?
Unternehmen haben davon nur teilweise profitiert - nämlich im selben Grade, wie ihre jeweiligen Lobbygruppen "zuviele" Emeissionszertifikate herausgeschunden haben, die die Unternehmen dann verkaufen konnten.
Staatsfetischismus, mehr nicht.
mal wieder auf der Suche nach einem Thema, das über den Anspruch des Konjunktiven hinaus geht?
… bei der Verabschiedung des Reformvertrags der EU noch überall als große Europäerin gefeiert, so ist heute davon nichts mehr übrig geblieben…
Nach meiner Erinnerung hat sie lediglich den polnischen Zwillingen eine Zustimmung abgeschwatzt, dass die Entscheidung in Polen später fällt … alle anderen hatten sich doch schon zusammengerauft.
Beim Klimaschutz war man dort tapfer, wo es nichts kostet, nämlich bei den Eckpunkten, deren Überprüfung erst in ferner Zukunft ansteht.
Herr Fischer! Frau Merkel hat im Gegensatz zu Ihnen den Nachweis des Denkens und einer Realitätsschau, die diesen Namen auch verdient, in der Zeit erbracht, als Sie in Frankfurts Innenstadt wüteten und sich als Sprücheklopfer hervortaten. Frau Merkel weiß, dass der Klimazug schon abgefahren ist und sämtliche Aktivitäten den Anstrich des Abstrusen tragen, vor allen Dingen jene ideologisch gellenden Aufschreie, die das Unabänderliche per Dekret umkehren wollen. (Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)
Wo es aber konkret wurde, nämlich beim Emissionshandel, wurden so viele Ausnahmen gemacht, dass die Ausnahme zur Regel und die Regel zur Ausnahme wurden.
Wenn Sie sich hier über den Emissionshandel auslassen, klingt das irgendwie anrüchig, nach Abgas, das doch eigentlich vermieden werden soll.
… Dabei weiß man doch bereits heute, dass Obama mit einem „Big Bang“ als Konjunkturprogramm sein Amt antreten will …
Aber Herr Fischer … worüber reden Sie eigentlich? Obama hat erstmal 700 Mrd. für die Banken am Hals; dann plant er eine Konjekturprogramm und Hilfen für die Autoindustrie: ca. 500 Mrd.; jetzt kommt noch ein Infrastrukturprogramm hinzu: 1.000 Mrd. Sagen Sie mal Herr Fischer, wie will er das denn finanzieren? Dann kommen noch die Belastungen aus den geplatzten Hypotheken hinzu (soweit die entsprechenden Banken noch nicht pleite sind) … und alles über neue Anleihen?
Herr Fischer, man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie mal wieder heiße Luft verquirlen und den Leuten das Gefühl eines warmen Sommerwindes vermitteln wollen meint …
Kuni
Besser semiintellektuel als grenzdebil
Herr Fischer, darf ich hier abschweifen beim letzten Irakkrieg haben sie geschwiegen als Herr Steinmeier die BND Agenten heimlich in Bagdad einsetzte. Ich vergaß, sie sagten selbst einmal, dass sie die Trägerdienste für Herrn Schröder geleistet haben.
Wer im Glashaus sitzt sollte nicht so große Worte führe.
Wer hat eigentlich dem Fiskus(denn der hat daraus Kapital geschlagen!) das Recht verliehen, unsere Luft zu verkaufen?
Unternehmen haben davon nur teilweise profitiert - nämlich im selben Grade, wie ihre jeweiligen Lobbygruppen "zuviele" Emeissionszertifikate herausgeschunden haben, die die Unternehmen dann verkaufen konnten.
Staatsfetischismus, mehr nicht.
... ganz aufgeregt, der Herr Fischer.
In Europa sind 27 Staaten, die ebensoviele Interessen verfolgen. Jeder hat seinen Vorteil gesucht und bekommen. Durch das Scheitern der Verfassung und des Lissabonvertrages wird sich zunächst auch nichts daran ändern. Nachdem sich das Ende von Lissabon abzeichnete, hätte man unverzüglich darangehen müssen, ein Kerneuropa zu schmieden, dass demokratisch und beschlussfähig ist. Die derzeitige EU ist beides NICHT. Statt Kohlschen Träumereien anzuhängen, die so niemand in der EU und keine Mehrheit in der Bevölkerung mehr teilt, sollte man versuchen, den Länderhaufen namens EU einigermaßen unversehrt durch die Krise zu lavieren um dann, wenn die große Panik bei Brown, Sarko und Konsorten verflogen ist, in Ruhe drüber nachzudenken, was man draus macht.
In diesen Zeiten sind Visionen fehl am Platz, Pragmatismus ist gefragt - und da hält sich die Bundesregierung bislang recht wacker. Dass Sarkozy nun mal gegen Merkel gestichelt hat mag der Nervosität geschuldet sein, Steinbrücks Ausfall gegen Brown hat wohl eher damit zu tun, dass Steinbrück gewohnt ist innenpolitisch Propaganda zu betreiben, letztlich etwas hart formuliert, aber doch in der Sache völlig richtig.
Wir werden noch sehen, inwieweit Obama es sich leisten kann, denn Klimaretter zu spielen. Im Moment sind das nur warme Worte, die hatten wir auch in der EU schon genug. Von Taten ist nach wie vor wenig zu sehen. Cool bleiben, Herr Fischer!
Ich erinnere nur an den Kanzler mit der ruhigen Hand. Spätestens dann, wenn die Rezession bei den Menschen wirklich ankommt, spätestens wenn Kündigungen als Serienbriefe verschickt werden, wird Angela Merkel der Wind massiv ins Gesicht blasen. Fischer hat recht. Die ruhige Hand ist in Wirklichkeit Einfallslosigkeit.
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