Konjunktur Wiedergeburt der Deutschland AG

Auch wenn die Parteien auf ihren Positionen verharren, rückt ein zweites Konjunkturpaket Schritt für Schritt näher. Die bewährte deutsche Konsensmaschine arbeitet

Wenn sich die wichtigsten deutschen Manager, Gewerkschaftsführer und Ökonomen mit der Bundeskanzlerin treffen, dann kann das für alle Seiten lehrreich sein. Sieben Stunden dauerte der Krisengipfel im Kanzleramt am Sonntag. Von einer „umfassenden Bestandsaufnahme“ über die Entwicklung der Wirtschaft und Fragen der Kreditversorgung sprach Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag. Selbst wenn viele Teilnehmer sich „entlang ihrer Überzeugungen“ geäußert hätten, sei die Diskussion „sehr ergiebig“ gewesen und „ein Gewinn für alle“.

Zwar brachte das Treffen noch keine konkreten Ergebnisse, von einem vagen Versprechen der Konzerne abgesehen, auf Kündigungen in der Krise zu verzichten. Aber es zeigt doch, wie die bundesdeutsche Konsensdemokratie noch immer funktioniert: reden, verhandeln, einbinden.

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Schritt für Schritt kommt so das zweite Konjunkturpaket, gegen das Angela Merkel und ihr Finanzminister Peer Steinbrück sich lange gewehrt haben. Und es kommt auch nicht irgendwann im kommenden Jahr, sondern Mitte bis Ende Januar. Im Umfeld der Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama am 20. Januar soll es voraussichtlich beschlossen werden. Dann kann die Bundesregierung erstens noch auf dessen Konjunkturprogramm reagieren, und es sieht zweitens zumindest so aus, als seien die deutschen Maßnahmen international abgestimmt.

Dabei zeichnen sich die Umrisse des zweiten Pakets längst ab. Im Mittelpunkt wird wahrscheinlich ein neues, umfangreiches Investitionsprogramm stehen, von „etlichen Milliarden“ spricht der Regierungssprecher. Bei dem Krisentreffen am Sonntag habe darüber ein „hohes Maß an Übereinstimmung“ geherrscht, so Wilhelm. Nun gehe es darum zu prüfen, welche Infrastrukturprojekte, die „planreif" sind , vorgezogen werden könnten.

Denn sie sollen schnell wirken. Das könnte sich allerdings noch als Problem erweisen. Denn in Deutschland stehen häufig langwierige, bürokratische Genehmigungsverfahren dem schnellen Erfolg im Wege.

Dennoch sieht es fast so aus, als werde die gute alte Deutschland AG mit ihren vielfältigen gegenseitigen Verflechtungen, die angesichts der Globalisierung bereits Geschichte zu sein schien, wieder belebt. Zumindest hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Sonntag deren Wiederbelebung für den Finanzmarkt angeregt, damit deutsche Banken deutschen Unternehmen wieder mehr Geld leihen. Nun soll geprüft werden, ob so das gegenseitige Vertrauen wiederhergestellt werden kann.

Leser-Kommentare
  1. .... und Kredite. Das Vertrauen soll wieder hergestellt werden. Offensichtlich aber nur zwischen Banken und der Industrie. Die Bevölkerung (was für eine Ironie) gibt weniger Geld weil Arbeitslosigkeit befürchtet wird?! Was ist mit der Wiederherstellung des Vertrauens zwischen Steuerzahler und den Banken? Dass sehr viele viel Geld verloren haben und jetzt auch noch dafür möglicherweise zahlen müssen, dass Landesbanken und die KfW Geld verbrannt haben (das wird wohl auch keine Konsequenzen haben) scheint nicht wichtig zu sein. Alles wunderschön?!

    • Hipper
    • 15.12.2008 um 17:58 Uhr

    Die Metapher Deutschland AG war schon immer hochgradig idiotisch. Deutschland ist eine Volkswirtschaft und keine Betriebswirtschaft - folglich wirken andere ökonomische Mechanismen. Die Unterschiede fangen bei der Fiskalspolitik an und enden bei der Tatssache, dass bei Volkswirtschaften die Märkte nicht generell als etwas Exogenes betrachtet werden können.

    • PeKara
    • 15.12.2008 um 18:11 Uhr

    Tja, wer an so etwas glaubt, ist nicht im Stande analytisch zu denken. Aus welchem Grund sollten jetzt Banken die Geldbörse großzügig öffnen, wenn die Unsicherheit über die Bonität bzw. Zukunft der Mehrheit der Unternehmen (unabhängig von der Größe) außerordentlich ausgeprägt ist? Aus welchem Grund sollte gerade jetzt Industrie und Dienstleistungen auf radikale Kostenreduktion verzichten und großzügig Mitarbeiter nicht entlassen? Es gibt weder eine Konsensmaschine noch eine Deutschland AG: Das einzige was es gibt ist, von allen Akteuren, der Tanz des taktieren bis jede für sich sicherstellen kann, dass er ein Vorteil hat. Alles andere ist blauäugig.

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    Klar ist das treffen auf dem balzplatz nur eine dicke-max show auf dem jede familie im besten mafia-style mit ausgebeulten brusttaschen sprueche haut.

    Aus sicht der kanzlerin/finanzmini allerdings auch eine fuehrung durch den folterkeller. Wo ist denn die alternative zur brd fuer sagen wir mal die dt. bank? Angelsachsen, nahost, china...? Wer seine unsicherheit maximieren will muss definitiv deutschand verlassen. Mit der z.z. hohen popularitaet bei den deutschen koennen AM & PS sogar mit entzug von gunst drohen.
    AM & PS haben auf die daumenschrauben gezeigt und an die kalte welt da draussen erinnert und dass es doch besser ist das es keinen streit zwischen den familien gibt.
    AM & PS sind damit capo di tutti capi.

    Natuerlich, sie haben recht, das leben des capo ist kurz, sehr kurz und endet oft mit erdrosselung.

    Klar ist das treffen auf dem balzplatz nur eine dicke-max show auf dem jede familie im besten mafia-style mit ausgebeulten brusttaschen sprueche haut.

    Aus sicht der kanzlerin/finanzmini allerdings auch eine fuehrung durch den folterkeller. Wo ist denn die alternative zur brd fuer sagen wir mal die dt. bank? Angelsachsen, nahost, china...? Wer seine unsicherheit maximieren will muss definitiv deutschand verlassen. Mit der z.z. hohen popularitaet bei den deutschen koennen AM & PS sogar mit entzug von gunst drohen.
    AM & PS haben auf die daumenschrauben gezeigt und an die kalte welt da draussen erinnert und dass es doch besser ist das es keinen streit zwischen den familien gibt.
    AM & PS sind damit capo di tutti capi.

    Natuerlich, sie haben recht, das leben des capo ist kurz, sehr kurz und endet oft mit erdrosselung.

  2. ... als alles noch gut war.
    Wenn das nicht geht dann zurück nach 2006, 2005 ....
    Zurück zur Deutschland AG. Als alle alle trauten.

    Das geht leider nicht.

    Wir müssen nach 2009 und wir müssen eine neue Vertrauensbasis schaffen.
    Es fehlen "Commitments" in denen sich die Menschen gegenseitig Ihre Unterstützung nicht mndlich versprechen, sondern belegen, durch handeln. Freiwilliger Verzicht mit dem Risiko die einzigen Verlierer zu werden. Die Spieltheorie beweist, dass in manchen Systemen es für Alle am meisten zu gewinnen gibt, wenn einige bereit sind für den Vorteil Anderer Risiken in Kauf zu nehmen.
    Das erfordert Umdenken.

    kwer-denker

  3. ist wohl der Treffer, denn "auf Kündigungen in der Krise zu verzichten" geht doch nur gegen Bezahlung(Zusagen zu Krediten und andere Optionen). Von den Bossen in der oberen Etage verschenkt keiner einen ct.

  4. denn es handelt sich um eine Kapitalgesellschaft, die nur zum Vorteil der Eigentümer wirtschaftet. Die Habenichtse - also gemeine Bürger - bleiben außen vor.

    Solche Einigung der Eliten (Gewerkschaftführer sind längst assimiliert) hinter verschlossenen Türen ist eher ein Wesensmerkmal des Feudalismus als von Demokratie und Öffentlichkeit.

    Wissenschaftlich verbrämt als Trickle-down-Theorie wird es dem Volk als einzig mögliche Lösung verkauft.

    Der Begriff Trickle-down-Theorie (engl. trickle = sickern) bezeichnet die These, dass Wirtschaftswachstum und allgemeiner Wohlstand der Reichen nach und nach in die unteren Schichten der Gesellschaft durchsickere (Trickle-down-Effekt). Sie gehört zu den Annahmen einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik.
    _______________________________________________________
    "Ich glaube, daß die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

  5. dieser Deutschland-AG? Es sind zu 80% die Dax-Unternehmen und zu 20% die jeweiligen Regierungen. Die ersteren wollen ihre staatlich gestützten und subventionierten Gewinne erhalten, die anderen ihre Machtpositionen im Regierungsbetrieb. Wenn DAS keine gemeinsame Interessenbasis ist, dann gibt es überhaupt keine.
    Endlich, man hat schon längst darauf gewartet, ist sie jetzt wieder da: die Aussicht auf eine eventuelle Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft - was für ein Erfolg! (über den Preis redet man später hinter verschlossenen Türen, die Unverbindlichkeit ist schon heute garantiert!) Hauptsache erst mal eine positiv klingende Botschaft fürs Volk 'rüberbringen- die bewährte AG tritt an's Ruder und bringt euch sicher durch den Sturm!
    Da kann man doch als Restglied (Bürger/Beitragszahler/Verbraucher) nicht tatenlos im Abseits stehen bleiben. Also ich mache das jetzt, ich nehme einen easy-credit und kaufe einen Opel (oder besser zwei- manchmal geht ja einer kaputt) die kann ich zwar nicht brauchen, aber wenn Geschichte geschrieben wird, dann will ich dabei sein! Wenn auch nur als Fußnote....

  6. erst jetzt seh' ich's. Na, das sagt doch mehr als tausend Worte. Dieser Schulterschluss, die gemeinsame Blickrichtung voller Optimismus ...
    Da hätte ich mir meinen Kommentar doch glatt sparen können.

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    Hi Hase,
    das ist eine Bildmontage -- auf dem Originalfoto haben die sich auf Augenhöhe angeschaut =;)

    Hi Hase,
    das ist eine Bildmontage -- auf dem Originalfoto haben die sich auf Augenhöhe angeschaut =;)

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