Datenschutz Wenn der Postmann gar nicht klingeltSeite 2/2

Dumm ist nur, dass dieses Mal erstens die Lieferung die Bank nicht erreichte und es dort zweitens niemand merkte. Denn vermisst wurde der Transport nicht, wie es hieß, obwohl er eigentlich am gleichen Tag ankommen sollte und von der Bank wie ein Einschreiben quittiert werden muss. Erst als zwei Tage später die Frankfurter Rundschau anrief, wurde man bei der LBB nervös.

Mit dem ersten Punkt beschäftigt sich nun die Polizei in Frankfurt am Main, mit dem zweiten die Bank. Beide wissen noch nicht sehr viel. Vor allem nicht, wie genau das Paket abhandenkam und zur Zeitung gelangte. Das Betrugsdezernat ermittele noch, sagte ein Polizeisprecher. Auch das Warum sei völlig unklar. "Erst wenn man weiß, ob das Paket gestohlen oder verloren wurde, kann man Rückschlüsse auf das Motiv der Täter oder des Täters ziehen." Die Bank kann auch nicht mehr sagen, und bei Atos möchte man sich gar nicht zu dem Fall äußern.

Direkten Gewinn kann aus den Daten niemand ziehen, einen Zugriff auf die Kartenkonten lassen sie nicht zu. Doch ist ersichtlich, was die Inhaber in einem gewissen Zeitraum mit ihrer Karte so alles bezahlten, enthält die Liste doch Namen, Adressen, Kreditkarten- und Kontonummern sowie Bezahlvorgänge vom August 2008. Für Adresshändler und Werbefirmen durchaus wertvolle Informationen, doch hätten die sie kaum an den Chefredakteur einer großen Tageszeitung geschickt.

Bleibt die Erkenntnis, dass wieder einmal Daten in falsche Hände gerieten, die auf keinen Fall in diese geraten sollten. Politiker forderten deswegen sofort bessere Vorkehrungen zum Datenschutz. Doch braucht es wohl vor allem ein stärkeres Bewusstsein, dass persönliche Daten wertvoll sind und entsprechend behandelt werden müssen. Von jedem.

 
Leser-Kommentare
    • drelux
    • 15.12.2008 um 18:18 Uhr

    Dem Artikel konnte ich entnehmen, dass der Kurierfahrer am 10. Dezember den Empfang der Sendung quittierte und per Auto zur Landesbank nach Berlin fuhr.

    Dass bei der Bank niemand das Ausbleiben der Lieferung bemerkte, ist für mich ein deutlicher Hinweis auf Schlamperei bei der Bank oder darauf, dass einfache Geschäftsprozesse nicht eindeutig definiert sind und überwacht werden.

    Was mich im Zusammenhang mit der Berichterstattung – nicht nur in der ZEIT – wundert, ist, dass in der Öffentlichkeit bislang keine Erklärung des Fahrers bekannt geworden ist. Ist er bei der Landesbank überhaupt angekommen? Hat er die Unterlagen dort abgegeben oder wird er verdächtigt, an der Tat beteiligt zu sein. Vielleicht sind die Daten ja erst nach der Auslieferung "abhanden" gekommen?

    Der Aufklärung des Sachverhaltes sehe ich, obwohl nicht betroffen, mit einem gewissen Interesse entgegen.

  1. Für mich sieht das nach einem dilettantisch orchestrierten Hinweis auf die Notwendigkeit technisch sinnvoller Datenschutzmaßnahmen aus. Genaugenommen ist die ganze Aktion ziemlich aussagelos, zumindest für jeden, der versteht, dass unverschlüsselte Daten PRINZIPIELL als ungeschützt (= für jede Vermittlungsstelle einsehbar = öffentlich) betrachtet werden müssen.

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