Milliarden-Betrug Madoff-Zusammenbruch trifft europäische Banken

Die spanische Bank Santander ist offenbar am stärksten betroffen. Auch Regisseur Steven Spielberg ist unter den Opfern des Schneeballsystems von Finanzier Madoff

Von dem Milliarden-Betrug an der Wall Street sind auch mehrere europäische Banken massiv betroffen. Die Santander-Kunden könnten bis zu 2,33 Milliarden Euro bei dem New Yorker Finanzier Bernard L. Madoff verloren haben, der mutmaßlich ein gigantisches "Schneeballsystem" im Volumen von bis zu 50 Milliarden Dollar betrieb. Der 70-Jährige versprach als Vermögensverwalter hohe Zinsen, die mit dem Geld immer neuer Kunden bezahlt wurden, während es keine tatsächlichen Gewinne gab. Madoff soll den jahrelangen Betrug seinen Söhnen gestanden und das Schadensvolumen auf 50 Milliarden Dollar beziffert haben.

Die Finanzaufsicht SEC und die Bundespolizei FBI, die von Madoffs Geständnis offenbar kalt erwischt wurden, arbeiteten am Montag unter Hochdruck daran, die Spur des Geldes zu verfolgen. Sie halten laut US-Medienberichten die Dimension von 50 Milliarden Dollar für plausibel. Es wäre mit Abstand der größte Betrugsfall der Geschichte. Unterdessen gibt es erste Antworten auf die Frage, wie ein so massiver Schwindel über Jahre unentdeckt bleiben konnte. Die SEC habe den Investment-Teil von Madoffs Firma nie geprüft, berichtete die Finanzagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen.

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Nur Stichproben-Kontrollen

Es hatte zwar zuletzt Kontrollen in den Jahren 2005 und 2007 gegeben, doch dabei sei es um den Aktienhandels-Bereich gegangen. Die Financial Times schrieb, die SEC-Prüfer nähmen bei Stichproben nur etwa zehn Prozent der registrierten Vermögensverwalter unter die Lupe – es seien schlicht zu viele für flächendeckende Kontrollen. Zudem galt Madoff als Wall-Street-Prominenter und ehemaliger Verwaltungsratschef der Technologiebörse Nasdaq als vertrauenswürdig. Mehr noch: Er saß sogar in einem SEC-Gremium, das die Finanzaufsicht zu Reformen der Börsen-Regeln beriet.

Das Geld der Santander-Kunden kam zu Madoff über den Fonds Optimal Strategic, der zur Bank-Gruppe gehört, wie Santander in der Nacht zum Montag mitteilte. Auch die britischen Großbanken HSBC und Royal Bank of Scotland sind Opfer des Milliarden-Schwindels geworden. Die Einbußen von HSBC könnten sich auf bis zu eine Milliarde Dollar belaufen. Es gehe um Kredite an Firmen, die das Geld dann bei Madoff angelegt hätten. Die Royal Bank of Scotland geht davon aus, dass sich der Schaden auf 400 Millionen Pfund (rund 446 Mio. Euro) belaufen könne.

In Frankreich sind mindestens drei große Finanzinstitute betroffen. Die Investmentbank Natixis bezifferte den möglichen Schaden am Montag auf einen Höchstwert von rund 450 Millionen Euro. Das Institut gehört der Sparkassengruppe Caisse d'Epargne und der Banque Populaire. Bei der französischen Großbank BNP Paribas könnten bis zu 350 Millionen Euro verloren gehen. Es gehe vor allem um Handelsgeschäfte und Kredite an Hedgefonds, die bei Madoff investiert hatten. Die Société Générale bestätigte am Montag einen Verlust von weniger als zehn Millionen Euro.

Leser-Kommentare
  1. Ist das wirklich wahr oder habe ich da etwas falsch verstanden ?
    Mit einem simplen Schneeballsystem haben sich renommierte Grossbanken um 50 Milliarden Dollar von einer einzelnen Person über den Tisch ziehen lassen?

    Die Finanzaufsicht hat nichts bemerkt ?

    Das alles zusätzlich zur schon bestehenden Finanzkrise - das ist starker Tobakk.
    Und sowas nennt sich "Elite" ?!

    Wem sollen wir jetzt noch vertrauen ??

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Troll 05, ich stimme Ihnen 100% zu.

    Hochbezahlte Fondsmanager fallen reihenweise auf einen Schneeballbetrüger rein!

    Ich zitiere (aus dem neuen ZEIT-Artikel): "Jeffrey Tucker vom US-Hedgefonds Fairfield Greenwich Group, 20 Jahre hätten sie mit Madoff zusammengearbeitet. Fairfield bangt nun um 7,5 Milliarden Dollar".

    20 Jahre lang legt der milliardenschwer Geld an und fragt nicht mal danach, was damit gemacht wird ?

    Unglaublich! Welche Ausbildung braucht man zum Fondsmanagen eigentlich?

    aj

    Troll 05, ich stimme Ihnen 100% zu.

    Hochbezahlte Fondsmanager fallen reihenweise auf einen Schneeballbetrüger rein!

    Ich zitiere (aus dem neuen ZEIT-Artikel): "Jeffrey Tucker vom US-Hedgefonds Fairfield Greenwich Group, 20 Jahre hätten sie mit Madoff zusammengearbeitet. Fairfield bangt nun um 7,5 Milliarden Dollar".

    20 Jahre lang legt der milliardenschwer Geld an und fragt nicht mal danach, was damit gemacht wird ?

    Unglaublich! Welche Ausbildung braucht man zum Fondsmanagen eigentlich?

    aj

  2. Antwort auf "ich glaub's nicht"
  3. Zum Glück hatten seine eigenen Söhne den Mut die unbequeme Wahrheit zu sagen.
    Alle anderen Behörden ist erst dann "plötzlich" aufgefallen.
    Schade dass die Rettungsschirme der Regierungen weltweit für Herrn Madoff nicht zur Verfügung standen, sonst hätten wir das Elend bis heute noch nicht bemerkt.

    "Es war alles eine große Lüge".

    Es ist zwar die Aussage eines Fachmanns, aber er untertreibt.
    Die Ganze Wahrheit ist noch nicht bekannt.

    "Es sind noch tausende von kleinen und großen Lügen unterwegs."

    Wieder ist die Welt um 50 Milliarden ärmer. Scheinbar. Denn die waren doch eigentlich gar nicht da.

    Herr Madoff hat es geschafft 50 Mrd umzuverteilen. Denn ein Teil des Geldes haben seine erste Kunden zurückbekommen, als Zinsen oder wenn Sie rechtzeitig ausgestiegen sind.
    Die Manager in den Banken, die nun Verluste im 100 Millionen Bereich haben, hatten letztes Jahr noch für die gleiche Investition ein Lob und vermutlich Prämien kassiert, weil Sie Ihre Gelder so gut angelegt haben.

    Die Guten und die Bösen lassen sich plötzlich nicht mehr richtig trennen:
    "ehemaliger Verwaltungsratschef der Technologiebörse Nasdaq"
    "saß sogar in einem SEC-Gremium"

    Es ist wie in einem schlechten Krimi, da trägt doch tatsächlich der Bandit einen Scheriffstern.

    Das verschärft die Vertrauenskrise, denn wenn der Scheriff ....

    kwer-denker

    • iDog
    • 15.12.2008 um 22:33 Uhr

    kann meinem vorredener nur zustimmen. in einer zeit, in der alles wegbricht, weil alles verfault ist, koennen nur noch die einflussreichsten sich eine weile ueber wasser halten, die maske wahren. die weniger einflussreichen muessen irgendwann gestehen, dass es nur ein luege war. denn sie sind fallengelassen worden von allen seiten, duerfen sich aber natuerlich von nicht existentem geld bzw. von geld , das durch besagte luege entwendet wurde - wieso hat der noch geld? - freikaufen und weiter auf "freiem fusse" wandelen. kommische regel eigentlich - kleinbetruegr wandern dagegen immer direkt ins loch. na ja - das sind eben die guten alten regeln aus den guten alten zeiten. ich hoffe instaendig, die alten zeiten moegen dann mal zu ende gehen, aber ploetzlich. wie lange wollen wir uns noch den immergleichen alten film anschauen, der wird in der wiederholung eigentlich nicht ertraeglicher und auch nicht amuesanter. rollentausch bringt auch nix mehr, bleibt nur das script neu zu schreiben, oder nicht mal da , denn alternative scripts gibt es zu hauf.

  4. Das beweist wieder, dass alle Krisen hausgemacht sind. Irgendeiner bescheisst irgendeinen, oder eine Gruppe eine andere. Das Geld aber verschwindet nicht, es wechselt nur den Besitzer. Madoff ist raus. Er wird zwar ein bisschen im Gefaengis sein muessen, aber irgendwo hat er oder sein Sohn enorme Summen liegen. Ein gediegener Lebenstil ohne Arbeit ist damit fuer viele Generation gesichert.

  5. Wenn wir den hiesigen Haupt-Diskurs betrachten, ist es ja die Arbeit, die wir wollen, nicht nur das Geld (und bei vielen ist dies ja wohl in der Tat der Fall). Arbeit macht frei - oder nur der -für manche halt übermäßige- Lohn dafür? Es gibt auch einfache und junge Leute, die auf die Frage, was sie machen würden, wenn sie eine Million Euro bekämen sagen, dass sie nicht mehr arbeiten gehen würden. Macht viele von uns die heutige Arbeit etwa doch nicht so glücklich...?

    Sicher, der Autor schreibt hier nicht vom guten Leben, sondern vom gehobenen Lebensstil, was sich nicht unbedingt deckten muss.

    Nur eine große global erhobene Erbschaftssteuer kann in solchen Fällen die Generationengerechtigkeit - bzw. eine Generationengleichheit - sinnvoll wieder herstellen. Vor allem das selbst verbrauchte Geld, oder gespendetes, ist dann eben für andere weg. Viele Reiche wollen ja auch, dass ihre Kinder wie sie auch selbst aktiv werden. Nicht jeder will ein Kind nach dem Modell "Paris Hilton".

  6. Troll 05, ich stimme Ihnen 100% zu.

    Hochbezahlte Fondsmanager fallen reihenweise auf einen Schneeballbetrüger rein!

    Ich zitiere (aus dem neuen ZEIT-Artikel): "Jeffrey Tucker vom US-Hedgefonds Fairfield Greenwich Group, 20 Jahre hätten sie mit Madoff zusammengearbeitet. Fairfield bangt nun um 7,5 Milliarden Dollar".

    20 Jahre lang legt der milliardenschwer Geld an und fragt nicht mal danach, was damit gemacht wird ?

    Unglaublich! Welche Ausbildung braucht man zum Fondsmanagen eigentlich?

    aj

    Antwort auf "ich glaub's nicht"

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