Messerattacke Braune Schläger gegen NPD-"Bonzen"

Hinter dem Anschlag auf den Passauer Polizeichef steckt womöglich ein Kampf innerhalb des rechten Lagers: zwischen gewaltbereiten und eher bürgerlichen Kräften

Braune Prominenz hatte sich am 26. Juli auf dem Friedhof von Patriching im Stadtkreis Passau versammelt: Hinter der Dorfkirche St. Korona erwiesen rund 90 Führungsfiguren der NPD und der Neonaziszene Friedhelm Busse die Ehre. Der 1929 geborene Alt- und Neonazi, Freiwilliger der Waffen-SS, Mitglied der Sozialistischen und der Deutschen Reichspartei, der Volkssozialistischen Bewegung und der Freiheitlichen Arbeiterpartei sowie von 1965 bis 1971 und wieder seit 2006 der NPD, starb in der Nacht zum 23. Juli 2008.

Die Grabrede hielt der NPD-Bundevorsitzende Udo Voigt: "Friedhelm, der Kampf für Deutschland geht weiter." Am Grab standen auch Sascha Roßmüller, Vorsitzender der Bayern-NPD, ebenso wie Vertreter der "Freien Kameradschaften". Thomas "Steiner" Wulff, norddeutscher Neonazi und ebenfalls 2004 der NPD beigetreten, legte eine Hakenkreuzfahne über den Sarg, was Tage später dazu führte, dass die Polizei das Grab öffnete und das verbotene Symbol entfernte. Der Angriff auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl wird von Neonazis in ihren Internetforen als Rache für diese „Grabschändung“ gerechtfertigt.

Anzeige

An dem Vorfall bei der Beerdigung hatte sich aber auch innerhalb der Partei eine Diskussion entzündet: Parteichef Voigt distanzierte sich von der "leeren Provokation von Selbstdarstellern", von der "Symbolik von gestern".

Jürgen Rieger, vorbestrafter Neonazi-Anwalt, Immobilienspekulant und seit Mai einer von drei Vizevorsitzenden der Bundes-NPD, antwortete mit einem geharnischten Schreiben: "Offensichtlich", heißt es darin, seien "einige Personen im Präsidium der Meinung, dass man die freien Kräfte nicht mehr braucht und sie systematisch vor den Kopf gestoßen werden sollen, nach der Devise: ,Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen’."

In der Tat fällt es Voigt immer schwerer, die Parteiflügel zusammenzuhalten. Das liegt zum Teil an der völlig unterschiedlichen Kultur der Beteiligten: Der gewaltbereite Teil sympathisiert mit den Autonomen Nationalisten und rechtsextremen Kameradschaften. Deren Kleidungsstil und englischsprachige Parolen stoßen beim eher bürgerlichen Flügel jedoch auf Abscheu.

Zum Teil hat es ab er auch mit Taktik zu tun. Straßenkampf-Sympathisant Rieger: "Wenn einige im Präsidium, die durch ihre vom Staat bezahlten Posten meinen, dem System gegenüber Rücksichten walten zu lassen und ja nicht anzuecken, um ein möglichst harmloses Bild zu bieten, mit ihrem Kurs durchkommen, dann wird die NPD genauso wie die Republikaner im Orkus der Geschichte verschwinden."

Leser-Kommentare
    • Olly66
    • 16.12.2008 um 11:18 Uhr

    des Bundesparteitags:
    Einfach die Reifen desjenigen zerstechen, den man als Vorsitzenden ablehnt. Wer am Schluss noch Luft in mindestens einem Autoreifen hat, darf Chef spielen.

    Solche Spielregeln verstehen sogar die Bräunlinge!

  1. Bitte berichten Sie sachlich! Bei der Fahne handelte es sich nach Auskunft anderer Pressemeldungen nicht um eine Hakenkreuzfahne, sondern um eine Reichkriegsflagge. Diese enthält zwar in manchen Fassungen u.a. auch ein Hakenkreuz, aber eine Hakenkreuzfahne, das weiß jeder, ist etwas anderes.
    Oder würden Sie eine DDR-Fahne als "Hammer-und-Sichel-Fahne" bezeichnen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...was sind das denn für semantische spielchen?

    Oder würden Sie eine DDR-Fahne als "Hammer-und-Sichel-Fahne" bezeichnen?

    nein, würde man nicht. weil nämlich hammer und zirkel drauf sind. auf der reichskriegsflagge von 35 bis 45 ist sehr wohl ein hakenkreuz drauf, darum ist es meiner meinung nach korrekt, wenn man sie so nennt. wenngleich nicht besonders präzise. im übrigen tut das überhaupt nix zur sache.
    aber wenn schon sinnentleerte rabulistik, dann bitte wenigstens inhaltlich richtig. oder?

    • Anonym
    • 18.12.2008 um 10:24 Uhr

    Die Reichskriegsflagge wurde seit spätestens 1938 fast ausschließlich mit Hakenkreuz verwendet. Deshalb ist es richtig, eine Flagge, auf der ein Hakenkreuz ist, als Hakenkreuzflagge zu bezeichnen - denn das Verbotsmerkmal ist das Hakenkreuz, nicht die Farben oder die Form der Flagge.

    Ein Bild der Flagge finden Sie hier: http://de.wikipedia.org/w...

    Ein Bild der Beerdigung finden Sie hier: http://www.spiegel.de/img...

    Vergleicht man die rote Farbe, den auffälligen weißen Querstreifen und die darin zu sehenden schwarzen Linien, dürfte klar sein, welche Flagge dort mit 99%iger Wahrscheinlichkeit auf den Sarg gelegt wurde. Dass eine Gruppe wie dort am Sarg, die Flagge vorher vom Hakenkreuz befreit hat, halte ich für ausgeschlossen.

    ...was sind das denn für semantische spielchen?

    Oder würden Sie eine DDR-Fahne als "Hammer-und-Sichel-Fahne" bezeichnen?

    nein, würde man nicht. weil nämlich hammer und zirkel drauf sind. auf der reichskriegsflagge von 35 bis 45 ist sehr wohl ein hakenkreuz drauf, darum ist es meiner meinung nach korrekt, wenn man sie so nennt. wenngleich nicht besonders präzise. im übrigen tut das überhaupt nix zur sache.
    aber wenn schon sinnentleerte rabulistik, dann bitte wenigstens inhaltlich richtig. oder?

    • Anonym
    • 18.12.2008 um 10:24 Uhr

    Die Reichskriegsflagge wurde seit spätestens 1938 fast ausschließlich mit Hakenkreuz verwendet. Deshalb ist es richtig, eine Flagge, auf der ein Hakenkreuz ist, als Hakenkreuzflagge zu bezeichnen - denn das Verbotsmerkmal ist das Hakenkreuz, nicht die Farben oder die Form der Flagge.

    Ein Bild der Flagge finden Sie hier: http://de.wikipedia.org/w...

    Ein Bild der Beerdigung finden Sie hier: http://www.spiegel.de/img...

    Vergleicht man die rote Farbe, den auffälligen weißen Querstreifen und die darin zu sehenden schwarzen Linien, dürfte klar sein, welche Flagge dort mit 99%iger Wahrscheinlichkeit auf den Sarg gelegt wurde. Dass eine Gruppe wie dort am Sarg, die Flagge vorher vom Hakenkreuz befreit hat, halte ich für ausgeschlossen.

  2. ...was sind das denn für semantische spielchen?

    Oder würden Sie eine DDR-Fahne als "Hammer-und-Sichel-Fahne" bezeichnen?

    nein, würde man nicht. weil nämlich hammer und zirkel drauf sind. auf der reichskriegsflagge von 35 bis 45 ist sehr wohl ein hakenkreuz drauf, darum ist es meiner meinung nach korrekt, wenn man sie so nennt. wenngleich nicht besonders präzise. im übrigen tut das überhaupt nix zur sache.
    aber wenn schon sinnentleerte rabulistik, dann bitte wenigstens inhaltlich richtig. oder?

    Antwort auf "Hakenkreuzfahne?"
    • Anonym
    • 18.12.2008 um 10:09 Uhr

    So geht das nun seit Jahren. In Sachsen-Anhalt haben sich die regulären NPD-Strukturen während des ersten Verbotsverfahrens quasi aufgelöst. Mehrere Führungskader haben versucht, sich vom Gewalt ausübenden Teil der Anhängerschaft zu distanzieren, allen voran Steffen Hupka, der als einer der TopTen-Fädenzieher der NPD galt. Das geschah wohl im Wesentlichen, um die eigenen Hälse vor eventuellen folgenden Strafverfahren zu retten. Damit, dass all das nicht passiert hat m.E. in der NPD (LSA) kaum jemand gerechnet, die waren schon durch damit und vom kommenden Verbot überzeugt.

    Leider war schon damals ein großer Teil der Rechtsextremen NPD-feindlich gesinnt. Dies ist der Teil der Meute, der erratisch und extrem agiert. Der Teil, vor dem man Angst haben kann und den man mit größter polizeilicher Härte verfolgen muss, weil es sich in Kern um gesellschaftsfeindliche Kriminelle handelt, die vermutlich auch andere Staatsformen als die Demokratie für unangemessen halten. Vielleicht war es falsch, die FAP zu verbieten, denn offensichtlich hilft interne Konkurrenz dabei, die Wirkung der Rechtsextremen nach außen abzuschwächen.

    Im Geiste sind diese Menschen Brüder "linker Anarchisten", die unter Anarchie nicht mehr als die Abwesenehit eines Staates und die absolute Hoheit über ihre Person verstehen. Der Rest wird auf der Straße geregelt, sofern es Straßen dann gibt.

    • Anonym
    • 18.12.2008 um 10:24 Uhr

    Die Reichskriegsflagge wurde seit spätestens 1938 fast ausschließlich mit Hakenkreuz verwendet. Deshalb ist es richtig, eine Flagge, auf der ein Hakenkreuz ist, als Hakenkreuzflagge zu bezeichnen - denn das Verbotsmerkmal ist das Hakenkreuz, nicht die Farben oder die Form der Flagge.

    Ein Bild der Flagge finden Sie hier: http://de.wikipedia.org/w...

    Ein Bild der Beerdigung finden Sie hier: http://www.spiegel.de/img...

    Vergleicht man die rote Farbe, den auffälligen weißen Querstreifen und die darin zu sehenden schwarzen Linien, dürfte klar sein, welche Flagge dort mit 99%iger Wahrscheinlichkeit auf den Sarg gelegt wurde. Dass eine Gruppe wie dort am Sarg, die Flagge vorher vom Hakenkreuz befreit hat, halte ich für ausgeschlossen.

    Antwort auf "Hakenkreuzfahne?"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service