Die nuller Jahre Kapital fürs Kapital
Unseren Planeten retten, hungernden Kindern helfen, den Kampf gegen Aids gewinnen - all das kann warten, kritisiert der slowenische Philosoph Slavoj Žižek. Doch wenn die Banken rufen, geht es plötzlich ganz schnell
Das ZEITmagazin hat zahlreiche Persönlichkeiten nach ihrer persönlichen Bilanz der "nuller Jahre" befragt - jenem kurzen Jahrzehnt, das mit den Terroranschlägen am 11. September 2001 begann und mit dem Zusammenbruch des Finanzsystems 2008 endet. Hier schreibt der slowenische Philosoph Slavoj Žižek.
Der Zusammenbruch des Finanzsystems macht es uns unmöglich, die himmelschreiende Unvernünftigkeit des weltweiten Kapitalismus zu ignorieren. Obwohl wir um die Dringlichkeit von Problemen wie AIDS, Hunger, Wassermangel oder Erderwärmung wissen, gibt es immer Zeit, darüber nachzudenken, Entscheidungen aufzuschieben - man erinnere sich nur an die Abschlusserklärung der Regierungschefs der Großmächte in Bali, die als Erfolg gefeiert wurde und in der nichts weiter stand, als dass man sich in zwei Jahren wieder zu Gesprächen treffen werde. Aber beim Dahinschmelzen des Finanzsystems gab es plötzlich einen Handlungsbedarf, der außer Diskussion stand, plötzlich wurde eine unvorstellbare Rettungssumme aufgetrieben.
Bedrohte Arten retten, den Planeten vor der Erderwärmung retten, AIDS-Kranke retten, Patienten retten, die sterben müssen, weil es kein Geld für teure Behandlungen und Operationen gibt, verhungernde Kinder retten – all das kann noch ein bisschen warten, aber der Ruf "Rettet die Banken" ist ein bedingungsloser Imperativ, der unmittelbare Taten fordert und sie auch erhält.
Die Panik war eine absolute, es entstand eine grenzüberschreitende und parteiübergreifende Einheit, aller Groll zwischen den Führern der Welt war plötzlich vergessen, nur um DIE Katastrophe zu vermeiden.
Lasst uns auch nicht vergessen, dass die erhabene, enorme Geldsumme nicht für klare, "reale" Aufgaben ausgegeben wird, sondern vorwiegend dafür, das Vertrauen in die Märkte wiederherzustellen, also für Glaubensgründe.
Brauchen wir einen weiteren Beweis, dass das Kapital das Reale in unserem Leben ist, und dass dessen Anforderungen viel absoluter sind als selbst die dringendsten Anforderungen unserer sozialen und natürlichen Realität?
Der Slowene Slavoj Žižek, 59, ist Philosoph und Kulturkritiker. Bekannt wurde er durch seinen steten Kampf gegen die neoliberale TINA-Logik ("There is no alternative")
- Datum 04.05.2009 - 11:10 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 10
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die Banken, drohen einzustürzen. Einige liegen schon in Trümmern, da heißt es, koste es was es wolle, den übrigen Stützpfeilern einzuziehen. Papst Bernankie verkündet die neuen Glaubenssätze: "Zinsenkung und Rettungspakete" und die Schar der Hohenpriester gehorcht auf´s Wort.
Der Glaube an das Kapital und den alleinseligmachenden Kapitalismus hat Vorrang vor allem anderen. Armut, Hunger und vermeidbare Krankheiten sind den Gläubigen vom Kapital als Schicksal auferlegt und müssen demütig akzeptiert werden. Ab und an gelindert durch wohltätige Almosengeber.
Almosen kann´s aber nur geben, wenn die Kathedralen erhalten bleiben.
Wer will schon Almosen?
Dass sich große Banken skrupellos am Normalbürger bereichern, ist nicht neu. Um diesem Treiben entgegen zu wirken, sind einst die Gründerväter des Genossenschaftswesen angetreten. "Iner für alle - alle für einen" war das Motto.
Volksbanken, Raiffeisenbanken und die DZ-Bank nennen sich zwar heute noch "genossenschaftlich", doch in Wahrheit fließt das Geld nur in eine Richtung, nämlich von den Mitgliedern der Banken an die Spitze des Verbundes - zum DZ-Bank-Management.
Rund 20.000 Anlgeger haben Anfang der 90er Jahre ihre Altersvorsorge in die Hände dieses Systems gelegt, weil sie auf die Aussagen der Bank vertrauten, bei der sie Mitglied sind. Das Geld ist jedoch im "Genossen-Sumpf" der DZ-Bank-Gruppe versickert. Totalverlust.
Anstatt nach einer Entschädigungslösung zu suchen, werden die teuersten Anwälte beauftragt, die berechtigten Ansprüche der Anleger abzuschmettern. Bei jeder anderen Bank könnte man so etwas eher verstehen als bei den Genossen.
Danke. Es tut gut zu sehen, wenn in der ZEIT auch wieder mal echte Intellektuelle wie Zizek zu Wort kommen.
Leider war seine Stellungnahme sehr kurz und ging kaum über das hinaus, was schon vielfach gesagt wurde.
Ich bin mir sicher, daß Zizek viel mehr zu sagen hätte. Warum machen Sie mit ihm nicht z.B. ein längeres Interwiew wie vor wenigen Wochen mit Habermas?
Ansichten im Grunde sehr löblich. Kinder und Klima retten. das ohne eine funktionierende wirtschaft scheint mir allerdings schwierig.
und was ist das überhaupt: kinder und klima retten? das riecht nach spendensammeln zur beruhigung des eigenen erbärmlichen gewissens.
die wirtschaft und der kapitalismus müssen endlich aufhören die perfekten schuldesel zu sein: sie sind die (einzigen) pferde, mit denen man wirklich etwas erreichen kann - man muss sie nur zu führen verstehen, und das ist der haken an der sache zur zeit.
Ansichten im Grunde sehr löblich.
Das gilt auch für Ihren Kommentar. Wirtschaft und Kapitalismus richtig führen, "etwas" erreichen.
Träume, nicht näher an der Realität als die Kritisierten...
Ansichten im Grunde sehr löblich.
Das gilt auch für Ihren Kommentar. Wirtschaft und Kapitalismus richtig führen, "etwas" erreichen.
Träume, nicht näher an der Realität als die Kritisierten...
Ansichten im Grunde sehr löblich.
Das gilt auch für Ihren Kommentar. Wirtschaft und Kapitalismus richtig führen, "etwas" erreichen.
Träume, nicht näher an der Realität als die Kritisierten...
Jemand der die Stützung von Banken mir wohltätigen Projekten vergleicht zeigt nur dass er überhaupt keine Ahnung von Wirtschaft hat.
Zusammenbrechende Banken führen automatisch zum Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems. Das führt zu sozialen Verwerfungen und Not (einfach mal die 30er Jahre anschauen). In dem Fall wäre dann erst recht kein Spielraum mehr vorhanden für Wohltaten (Kinder, Aids etc).
Man kann ja durchaus der Meinung sein der Staat sollte mehr Mittel für Entwichlungshilfe und weniger für anderes (Militär, Bildung, Infrastruktur, Rettung von Autofirmen etc.) zur Verfügung stellen. Aber die Stabilisierung der Banken hat damit nichts zu tun. Das ist eine eigennützige Maßnahme um das Große Ganze zu retten.
... was ist denn das "grosse und ganze" von dem sie da sprechen? koennen sie bitte mal skizzieren, wie man diesem Vorgehen vertrauen kann?
...und "wohltätige Projekte" sind Projekte, wie "Kinder vor dem Hunger retten" oder "Menschen vor Epedemien", "Umweltprojekt". Das sind fuer sie wohltätigge Zwecke!?
Und eine Bank und Wirtschaft zu retten, dass ist das "Große und Ganze", also das, was man retten muss? Und wenn dieses "Grosse und Ganze" gerettet ist, dann gehen diese "Großen und das Ganze" hin und retten den Rest der Welt? Also die Umwelt und die verhungernden Kinder? Nehmen Sie sich das selber ab und vorallem den Banken? Denen nehmen Sie ab, das diese nach Ihrer eigenen Rettung die in Not befindlichen Menschen retten!?
Falls wirklich ja, worauf begruenden Sie diese Hoffnung? Können Sie mir Ihre Welt mal erklären und vorallem skizzieren, warum heute funktionieren soll, was schon seit mehreren Jahrzehnten nicht funktioniert?
... was ist denn das "grosse und ganze" von dem sie da sprechen? koennen sie bitte mal skizzieren, wie man diesem Vorgehen vertrauen kann?
...und "wohltätige Projekte" sind Projekte, wie "Kinder vor dem Hunger retten" oder "Menschen vor Epedemien", "Umweltprojekt". Das sind fuer sie wohltätigge Zwecke!?
Und eine Bank und Wirtschaft zu retten, dass ist das "Große und Ganze", also das, was man retten muss? Und wenn dieses "Grosse und Ganze" gerettet ist, dann gehen diese "Großen und das Ganze" hin und retten den Rest der Welt? Also die Umwelt und die verhungernden Kinder? Nehmen Sie sich das selber ab und vorallem den Banken? Denen nehmen Sie ab, das diese nach Ihrer eigenen Rettung die in Not befindlichen Menschen retten!?
Falls wirklich ja, worauf begruenden Sie diese Hoffnung? Können Sie mir Ihre Welt mal erklären und vorallem skizzieren, warum heute funktionieren soll, was schon seit mehreren Jahrzehnten nicht funktioniert?
... was ist denn das "grosse und ganze" von dem sie da sprechen? koennen sie bitte mal skizzieren, wie man diesem Vorgehen vertrauen kann?
...und "wohltätige Projekte" sind Projekte, wie "Kinder vor dem Hunger retten" oder "Menschen vor Epedemien", "Umweltprojekt". Das sind fuer sie wohltätigge Zwecke!?
Und eine Bank und Wirtschaft zu retten, dass ist das "Große und Ganze", also das, was man retten muss? Und wenn dieses "Grosse und Ganze" gerettet ist, dann gehen diese "Großen und das Ganze" hin und retten den Rest der Welt? Also die Umwelt und die verhungernden Kinder? Nehmen Sie sich das selber ab und vorallem den Banken? Denen nehmen Sie ab, das diese nach Ihrer eigenen Rettung die in Not befindlichen Menschen retten!?
Falls wirklich ja, worauf begruenden Sie diese Hoffnung? Können Sie mir Ihre Welt mal erklären und vorallem skizzieren, warum heute funktionieren soll, was schon seit mehreren Jahrzehnten nicht funktioniert?
Um welche Sorte von Fallobst es sich handelt, Äpfel oder Birnen, ist mir gleichgültig. Das die Politik fähig ist viel Aktivität vorzuweisen, bereit ist schnelle internationale Entscheidungen zu treffen, und das es möglich ist für kritische Momente enorme Mittel bereitzustellen ist ein Ausdruck dafür welche Priorität dem Problem zugeordnet wird.
Wenn es hier eine solch immense Abhängigkeit gibt, dass einige Tausend Institute die Möglichkeit haben das Wirtschaftsystem lahmzulegen wenn Sie nicht unterstützt werden, dann ist Umdenken angesagt. Dies ist vielleicht sogar schon im Gange.
Wenn das Gesamte Weltwirtschaftssystem so gefährdet ist, muss die Abhängigkeit sofort reduziert werden. In der Industrie wird versucht die Abhängigkeit von einzelnen Hersteller weitestgehend zu vermeiden.
Wie wenig, und wie langsam andere Themen sind wie Hunger, AIDS und Krieg, zeigt die Priorität dieser Themen und unser eigenes Wertesystem an.
Ein Unterschied ist, dass wir keinen direkten Vorteil für uns erkennen wenn wir Geld und Resourcen gegen Hunger, AIDS und Kriege einsetzen.
kwer-denker
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