Nach dem Attentat auf den Chef der Passauer Polizei, Alois Mannichl, sind die beiden am Sonntag verhafteten Verdächtigen wieder freigelassen worden. Der Verdacht habe sich nicht erhärtet, teilte Passaus Leitender Oberstaatsanwalt Helmut Walch am Montag mit. Bereits zuvor hatte es geheißen, es werde unabhängig von den Verhaftungen gegen weitere Personen aus dem rechten Spektrum ermittelt.

Der 52-jährige Mannichl war am Samstagabend an der Tür seines Hauses in Fürstenzell bei Passau von einem glatzköpfigen Mann niedergestochen worden und hatte diesen Angriff schwer verletzt überlebt. Der etwa 1,90 Meter große Unbekannte hatte ihm an der Tür seines Reihenhauses in der Dunkelheit aufgelauert, ihn zunächst mit nationalistischen Parolen beleidigt und ihm dann ein Messer in den Bauch gerammt. Die elf Zentimeter lange Klinge verfehlte das Herz nur knapp. Das Tatmesser stammte von Mannichl selbst, er hatte es vor seiner Haustür abgelegt.

Die Polizei, die für die Ermittlungen eine Sonderkommission aus 20 Beamten eingesetzt hat, vermutet eine Racheaktion wegen des konsequenten Vorgehens Mannichls gegen Rechtsextremisten im Raum Passau. Nach Angaben des Innenministeriums hat sich die Zahl der bekannten rechtsextremen Straftaten in Passau 2008 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Die Polizei führt den Anstieg insbesondere auf die vermehrten rechten Veranstaltungen wie zum Beispiel die Beerdigung des führenden NPD-Funktionärs Friedhelm Busse zurück.

Bayerns Ministerpräsident Seehofer betonte: "Ich will keinen Zweifel lassen, dass wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln den Rechtsextremismus hier in Bayern bekämpfen." Er brachte auch ein neues NPD-Verbotsverfahren ins Spiel. Sein Innenminister Joachim Herrmann kündigte an, der Staat werde es sich nicht bieten lassen, dass Sicherheitskräfte anscheinend eingeschüchtert werden sollen: "Da müssen wir uns offensichtlich auf ganz neue Gefahren gefasst machen."

Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Konrad Freiberg, wertete das Attentat als Beleg für einen Strategiewechsel der Rechtsextremen. "Seit Jahresbeginn ist es die neue Strategie, direkt gegen Polizisten vorzugehen." Es gebe viele Polizisten, die von Rechten bedroht würden. Kollegen, die häufiger im Einsatz gegen Rechts seien und Verantwortung trügen, würden bedroht und zu Hause belästigt. "Die Rechten werden immer frecher, immer dreister, immer gewalttätiger. Und die Polizisten geraten immer mehr ins Visier rechter Gewalt." Er plädierte für ein konsequentes Vorgehen gegen rechte Gewalt: "Die Justiz muss hier richtig hinlangen. Diese Leute gehören eingesperrt, die gehören isoliert dabei."

Auch die SPD fordert politische Konsequenzen. Der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestags, Sebastian Edathy, plädierte für deutlich verschärfte Strafen. Bei Körperverletzungen mit rechtsextremen Hintergrund dürfe es grundsätzlich keine Bewährungsstrafen mehr geben, forderte er. "Die Täter gehören sofort hinter Gitter, weil ihre Beweggründe besonders verwerflich sind." Mit einem entsprechenden Vorschlag des Bundesrates müsse sich nun der Bundestag rasch befassen.