Internetwahlkampf Schäfer-Gümbels Bloggade

Der hessische SPD-Spitzenkandidat sucht durch ein Videoblog direkten Kontakt zu den Wählern. Die Bloggerszene lästert, doch Schäfer-Gümbel hat Erfolg damit

Vorige Woche wurde der Versuch von Thorsten Schäfer-Gümbel, Hessens Bürger per Videoblog anzusprechen, noch müde belächelt. Hemdsärmelig sei der Auftritt, unprofessionell, der Mann stottere ja. Zugegeben, der Schauplatz hätte professioneller wirken können, Schäfer-Gümbel geschmeidiger, die Worte prägnanter. Ein charismatischer Politiker sieht sicherlich anders aus.

Aber die Kritiker sind eines Besseren belehrt worden: Der Video-Blog wurde in kürzester Zeit mehr als 50.000 Mal angeklickt, allein 400 Anfragen sind bei Schäfer-Gümbel eingegangen. Auch die Printmedien diskutieren diese Blog-Strategie aufmerksam.

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Der Versuch, den direkten Kontakt zu den Wählern zu suchen, trägt also erste Früchte. Diese Woche wird der kurze Wahlkampf in Hessen offiziell eröffnet, hier muss sich Schäfer-Gümbel mit seinem Gegenüber, dem Politprofi und amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch auseinandersetzen. Es geht auf in den Schlagabtausch zu den Themen auf der Hessen-Agenda: Finanzkrise, Bildung, Umwelt – die Liste ist lang.

Die kurze Zeit bis dahin nutzt Schäfer-Gümbel geschickt, um sich von seiner umstrittenen Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti zu distanzieren, sich für den Wortbruch seiner Partei zu entschuldigen und neue Kommunikationswege zu erschließen. Sein Ziel ist es, das eigene enttäuschte Lager wieder für sich und für die SPD zu gewinnen. Vertrauen zurückgewinnen, lautet die Devise. 

Schäfer-Gümbel hat versprochen, den Bürgern, die sich auf sein Blog hin gemeldet haben, zu antworten. Hierin liegt eine der Stärken der neuen Techniken: Sie erlauben es, ohne großen Aufwand, unabhängig von Raum und Zeit, in einen Dialog mit Politikern zu treten und im Dialog zu bleiben. Die Hemmschwelle, sich aktiv in die Politik einzuklinken und mitzudiskutieren, ist aufgrund der rasanten Entwicklung im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien enorm gesunken.

Leser-Kommentare
  1. Sehr geehrte Frau Prof. Römmele, zunächst muss man sich ja darüber freuen, dass es sich um einen substantiellen Beitrag handelt und keine Debatte über das Äußere von Herrn TSG. So sehr ich mag und auch seine Onlineaktivitäten begrüße, muss ich Ihre Interpretation doch sehr in Frage stellen. Sie verweisen auf die über 50.000 Views, die das Video bei Youtube erhalten hat und leiten daher den Erfolg des ganzen Versuchs ab. Dies ist leider viel zu kurzu gegriffen und lässt einfache Mechanismen im Deutschen Web außen vor. Um zu sagen, ob die Videos erfolgreich sind, müsste man messen, ob sie auch tatsächlich beim Wähler ankommen und das sind nur Hessen. So Bundesweit die Diskussion über Herrn TSG ist, so handelt es sich doch um eine Landtagswahl. Wenn man nun anschaut woher die Klicks auf sein Video kommen, ist in erster Linie auf einen prominent platzierten Spiegel Online Artikel zu verweisen. Jeder Blogger der schon einmal auf SpOn verlinkt war kennt den Ansturm, der dann jede Seite trifft. Das dürfte auch bei diesem Video der Fall gewesen sein. Schaut man sich nämlich das zweite Video an, sind es schon nur noch über 3000 views, also weniger als 10%. Dies dürfte eine realistische Zahl sein.
    Wenn man bei den 50000 Views davon ausgeht, dass 10% Hessen waren, dürfte man ein realistisches Bild haben.

    Abschließend frage ich mich von welchem Blog sie in Ihrem Beitrag sprechen. TSG betreibt eine normale Internetseite und einen YouTube Channel, aber von einem Blog kann ich nichts erkennen.

  2. Nun ja das Obama girl hatte auch sage und schreibe 12.382.449 Aufrufe bei youtube...Ob das wohl immer politisches Interesse war?^^
    Oder die legendäreTransrapidrede vom Ede: 784.792 Aufrufe
    Alles nur weil der Mann so eloquent war?

  3. Herr Schäfer - Gümbel strahlt durch seine Art und Weise eine erdige Authentizität aus, mithin Glaubwürdigkeit.
    Dazu seine Selbstironie (wer denn der Schönere sei, er oder Koch). Das reicht fast schon.
    Hochglanz - Wahlversprechen, von denen wir alle wissen, das es im besten Falle Absichtserklärungen sind, die ohnehin von der Realität überrollt werden, wen interessiert's ? Es müssen Prinzipien und Authentizität sein, das zählt. Das ist die Voraussetzung dafür, das er nach der Wahl was ordenliches macht. Mehr nicht. Hingegen finde ich es sehr beschämend und entwürdigend (§ 1 GG !), die Optik eines Politikers überhaupt zum Thema zu machen. An der Sache vorbei hat man das auch bei Frau Merkel versucht, mit bekanntem Ergebnis.

  4. Kein einziges vid von TSG hat mehr als 6000 klicks bekommen.
    Das kann jeder bei You Tube nachprüfen.
    Ich frage mich wie hier gezählt wird.

    lg
    Lamor Polle

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