Seit Monaten rätseln Experten, was die unter Jugendlichen schnell zur Modedroge aufgestiegene Kräutermischung "Spice" so berauschend macht. Jetzt haben Forscher des Unternehmens THC-Pharm in den als Räucherwerk verkauften Gewürztütchen eine chemische Substanz entdeckt, die vorwiegend in der Arzneimittelforschung verwendet wird. Manuela Rottmann, Gesundheitsdezernentin der Stadt Frankfurt, die die Analyse in Auftrag gegeben hatte, warnte vor Spice und empfahl dem Bund, mögliche Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz zu prüfen.

Die Studie ist nach Angaben der Stadt Frankfurt die erste, die das Geheimnis um die Kräuterdroge lüften konnte. Jugendliche und Erwachsene rauchen Spice wie Haschisch zum Teil als Joint oder auch in der Wasserpfeife. "Wir haben die Nadel im Heuhaufen gefunden", sagte Rottmann bei der Vorstellung der Studie am Montag. Die Kräuter alleine hätten keine Wirkung, die Folgen der nun darin gefundenen künstlichen Substanz seien allerdings nicht abschätzbar.

Auch Holger Rönitz von der Firma THC-Pharm, die Spice untersucht hat, sagt, die Konsumenten der Biomischung seien im Grunde Versuchskaninchen. Der medizinische Leiter des Unternehmens, Christian Steup, entdeckte den synthetischen Stoff JWH-018 (1-Pentyl-3-Naphthoylindol) in sechs von sieben Proben der Kräuterdroge.

JWH-018 ist der Studie zufolge viermal stärker als der Cannabis-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) und verursacht den Rauschzustand, von dem die Konsumenten der Kräutermischung berichten. In einer Probe fand sich JWH-018 nicht. "Sie stammte nicht aus einem Spice-Päckchen", sagt Rönitz, "aber seit Spice so eine große Aufmerksamkeit hat, versuchen Trittbrettfahrer selbst Gewürzmischungen zu verkaufen".

Der Stoff ist dem THC ähnlich und wirkt an auf die gleichen Rezeptoren im Gehirn. "Die Menge, mit der JWH-018 in den Proben vorkommt, schwankt zwischen 0,2 und 1,5 Prozent", sagt Rönitz. Das reiche aus, um den Rauschzustand zu erreichen. Die chemische Substanz wurde an der Universität Clemson in den USA entwickelt und vor allem in der Arzneiforschung eingesetzt. Der Nachweis ist THC-Pharm geglückt, da das kleine Unternehmen sich auf Medikamente spezialisiert hat, die die medizinische Wirkung von Cannabis-Inhaltsstoffen wie dem THC nutzen. "Wir haben die nötige Erfahrung damit", sagt Rönitz.

Es sei auszuschließen, dass die Chemikalie zufällig in die Proben gelangt sei. "Die Substanz ist nicht so ohne weiteres herzustellen", sagt Rönitz. Zudem sei man zu 100 Prozent sicher, das JWH-018, der Stoff ist, der die psychotrope Wirkung beim Konsum von Spice auslöse. "Es ist mir ein Rätsel, wie Kräutermischungen wie Spice ohne toxikologische Untersuchung im Handel landen können". Das Labor von THC-Pharm hat schon Anfragen von mehreren Landeskriminalämtern erhalten, die ihre sichergestellten Spice-Proben mit dem gefundenen Stoff abgleichen wollen. Zur Herstellung des Wirkstoffs ist aber womöglich eine Genehmigung der US-Universität Clemson nötig, die das Patent hält.