Ein bisschen paradox klingt es schon: Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) macht sich dafür stark, dass der Alkoholkonsum Jugendlicher besser kontrolliert wird. Am Dienstag stellte der Verband in Berlin seinen Jahresbericht vor – und gab sich moralisch korrekt: "Ethische Ziele in Bezug auf Jugendschutz stehen für uns vor wirtschaftlichen Zielen", sagte BSI-Geschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pick. Mit ihr auf dem Podium saßen Vertreter von Gastronomie, Einzelhandel, Berufsbildung und Tankstellengewerbe – sie nickten zustimmend.

Sie alle sind Kooperationspartner der "Schulungsinitiative Jugendschutz Schuju", die der BSI im Oktober 2007 gestartet hatte. Das Projekt will verhindern, dass Alkohol an Kinder und Jugendliche verkauft wird.

"Wir tun niemandem einen Gefallen, wenn wir ein Auge zudrücken, statt die gesetzlichen Altersgrenzen einzuhalten", sagt Wiesgen-Pick. Ein hehres Ziel. Erreicht werden soll es mit einer Internetplattform, 90.000 Broschüren und ein paar zusätzlichen Schulungsveranstaltungen.

In einem 15-minütigen Trainingskurs im Internet werden angehende Barkeeper, Verkäuferinnen und Tankstellenmitarbeiter über das Jugendschutzgesetz informiert: Bier und Wein ab 16 Jahren. Spirituosen nur an Volljährige. Sie erfahren auch, dass Kinder "schon ab 0,5 Promille das Bewusstsein verlieren" können und dass früher Alkoholmissbrauch die Wachstumsprozesse der Kinder beschädigen kann.

Die Azubis und Mitarbeiter erhalten außerdem Tipps, wie sie sich Jugendlichen gegenüber beim Verkauf und Ausschank von Alkohol verhalten sollen: "Im Zweifelsfall immer den Altersnachweis verlangen!" und "Nicht durch aggressive Reaktionen provozieren lassen!"