Thailand Opposition übernimmt Regierungsgeschäfte
Das Parlament in Bangkok hat den Chef der Demokratischen Partei Abhisit Vejjajiva zum neuen Regierungschef gewählt. Erneut kam es zu Protesten

© Pornchai Kittiwongsakul/AFP/Getty Images
Abhisit Vejjajiva ist neuer Ministerpräsident von Thailand: Der bisherige Oppositionsführer wurde mit knapper Mehrheit gewählt
In Thailand hat die bisherige Oppositionspartei die Regierung übernommen. Parteichef Abhisit Vejjajiva wurde mit den Stimmen von 235 Abgeordneten aus mehreren Parteien zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Für den Wahlsieg waren 219 Stimmen nötig.
Ruhe dürfte damit in dem krisengeschüttelten Land vorerst nicht einkehren: Kurz nach der Abstimmung blockierten rund 200 Anhänger der vormaligen Regierung die Zufahrtswege zum Parlamentsgebäude, zertrümmerten die Scheiben von Abgeordneten-Autos und riefen: "Abhisit, Armee-Kandidat!"
Der in Oxford ausgebildete Abhisit ließ zunächst offen, wie er die vom Export und dem Tourismus abhängige Wirtschaft wieder ankurbeln will. Experten bezweifeln, dass sich der 44-jährige Ökonom lange im Amt halten kann. Die Parlamentsmehrheit von 16 Sitzen könnte bei Nachwahlen Mitte Januar bereits wieder verloren gehen.
In dem asiatischen Land tobt ein erbitterter Machtkampf zwischen der bisherigen Opposition und der Nachfolgepartei der vom Verfassungsgericht verbotenen einstigen Regierungspartei PPP. Gegner der PPP hatten mehr als eine Woche lang die Flughäfen Bangkoks blockiert, um den Rücktritt von Regierungschef Somchai Wongsawat zu erzwingen. Zeitweise saßen mehr als 200.000 Touristen fest.
Die von der Mittelschicht und den Eliten des südostasiatischen Landes getragene Opposition hatte Somchai vorgeworfen, Statthalter seines Schwagers Thaksin Shinawatra zu sein, der 2006 von der Armee aus dem Amt geputscht worden war. Der im Exil lebende Milliardär ist vor allem bei den ärmeren Bevölkerungsschichten noch immer beliebt.
Auch politisch mischt sich Thkasin immer wieder ein: Am Wochenende rief er per Videobotschaft 40.000 Anhänger bei einer Kundgebung in einem Sportstadion dazu auf, den Ausgang der Ministerpräsidentenwahl zu respektieren. Zugleich forderte er aber vom Militär, sich nicht in die Abstimmung einzumischen.
- Datum 15.12.2008 - 13:51 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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