"Es reicht!": Baskin Oran fasst die Stimmung von 213 türkischen Intellektuellen zusammen, die am Sonntag eine Erklärung zum Schicksal der Armenier des Osmanischen Reichs während des Ersten Weltkriegs veröffentlich haben.

In der offiziellen Darstellung des Massakers an den Armeniern im Jahre 1915 ist immer noch ausschließlich von einer Umsiedlung der Armenier an der russischen Front die Rede und davon, dass sich Armenier und Türken im Kriege gegenseitig bekämpft und getötet hätten.

"Eineinhalb Millionen Armenier lebten damals in Anatolien", sagt der emeritierte Professor Oran, davon sind jetzt noch 55.000 übrig." Und der bekannte Journalist Cengiz Candar fragt geradeheraus: "Wo sind denn diese Leute heute? Sind sie denn alle ausgewandert und wenn ja, wohin?"

Doch 85 Jahre nationalistischer Erziehung und die strafrechtliche Verfolgung abweichender Informationen lassen selbst viele aufgeschlossene Türken der festen Meinung sein, die Vernichtung der Armenier sei eine Folge von Kriegswirren. Für jene, die mehr wissen, ist das fast unerträglich. Deshalb hat Baskin Oran zusammen mit seinen Kollegen Ahmet Insel und Cengiz Aktar sowie mit dem Journalisten Ali Bayramoglu jene kurze Erklärung formuliert, die jetzt in der Türkei die Gemüter erhitzt.

"Ich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, dass die Große Katastrophe, die die osmanischen Armenier 1915 ereilte, verleugnet und ihr teilnahmslos begegnet wird", heißt es darin. Und weiter: "Ich teile den Schmerz unserer armenischen Brüder und Schwestern und bitte Sie um Entschuldigung." Noch vor seiner Veröffentlichung schlossen sich diesem Text mehr als 200 weitere Leute an. Jetzt steht er auf Website www.ozurdileriz.com , und jeder kann die Aktion unterstützten.

Auf das Wort "Völkermord" haben die Verfasser verzichtet. Einmal weil hier keine Einigkeit herrscht, und auch, weil sie zu Recht annehmen, dass die Menschen in der Türkei erst einmal erfahren sollten, was geschehen ist. Der Text spricht von der "Großen Katastrophe", wie das auch die Armenier selbst mit dem Begriff "Mets Jechern" taten, bevor nach dem Zweiten Weltkrieg der Ausdruck "Völkermord" geläufig geworden ist.