Türkei Erdogans neue Außenpolitik
Bei Konflikten im Nahen und Mittleren Osten trifft man jetzt regelmäßig auf die Türkei - als Friedensvermittler
Mal ehrlich, was haben wir von Tony Blair in letzter Zeit gehört? Nichts? Dabei ist der einstige britische Premier der Chefvermittler des Westens im Nahen Osten. Aber da wir ehrlich sein wollen, müssen wir feststellen, dass er trotz vieler Reisen kaum etwas zustande gebracht hat. Das liegt ein wenig an seiner Irakkriegs-Vergangenheit, mehr aber noch an den Umständen. Frieden schaffen ist schwierig, solange der Kriegsherr George Bush noch formell im Amt ist.
Was haben wir im Westen in letzter Zeit von türkischer Außenpolitik gehört? Nichts? Das ist bedauerlich, denn wenn wir im Westen ehrlich sind, haben die Türken in diesem Jahr mehr zustande gebracht als alle europäischen und amerikanischen Vermittler zusammen. Der Nahe und Mittlere Osten trifft sich am Ende der Ära Bush am Bosporus. Wie haben die Türken das geschafft?
Am vergangenen Wochenende konferierten in Istanbul der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari und der afghanische Staatschef Hamid Karsai. Die beiden Länder haben, obwohl gleichermaßen mit den USA verbündet, keine offiziellen diplomatischen Beziehungen. Der türkische Präsident Gül hatte sie eingeladen, Premier Erdogan war bei den Gesprächen stets dabei. Thema waren die radikalislamischen Taliban, die gegen die afghanische Regierung Krieg führen und im unkontrollierten Nordwest-Pakistan ihre Rückzugshöhlen haben. Wie sind sie zu bekämpfen? Was kann Pakistan gegen die Taliban unternehmen? Muss man intensiver mit den Radikalislamisten reden? Wie kann man ihre Attraktivität im Volk unterminieren? Das waren die drängenden Fragen auf dem Tisch.
Zugleich loteten die Türken aus, ob sich Afghanistan und Pakistan einander näher bringen lassen. Eine bewährte Methode Ankaras sind Wirtschaftsprojekte, an denen beide Länder Interesse haben. Gedacht ist an Bauvorhaben, Handel, Zusammenarbeit bei Verkehr und Infrastruktur. Türkische Unternehmen stehen gern bereit, dabei zu helfen. Die Türken sind gute Geschäftsleute, die das Diplomatische mit dem Unternehmerischen zu verbinden wissen.
Ähnliche Konzepte versucht die Türkei, auch im Nahen Osten anzuschieben. Das Parlament in Ankara, vor dem schon der palästinensische Präsident Abbas und das israelische Staatsoberhaupt Peres auftraten, bereitete ein gemeinsames israelisch-palästinensisches Wirtschaftsprojekt für den Gazastreifen vor. Zugleich vermittelt die Türkei zwischen den Israelis und Syrern, um den Weg zu einer Einigung über die Golanhöhen zu ebnen. Bis zur Ausrufung von Neuwahlen in Israel vor wenigen Wochen kamen Diplomaten aus Jerusalem und Damaskus regelmäßig nach Istanbul. Sie wohnten erst in unterschiedlichen Hotels, dann nur noch in verschiedenen Zimmern eines Hotels. Direkte Gespräche mieden sie gleichwohl. Die Türken verhandelten und trugen die Botschaften hin und her.
- Datum 13.12.2008 - 16:07 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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wieder einmal sind sie einer von wenigen deutschen journalisten die auch bei positiven nachrichten über die türkei aktiv werden. es ist sehr erfreulich das sie abgesehen von problemen und misständen auch positive aktuelle themen aufgreifen und den deutschen lesern hier näher bringen. ich denke so wie es auch bei ihnen der fall ist der auschlaggebende grund dafür ihr aufenthalt in der türkei eine grosse rolle spielt. denn in europa sowie in deutschland ist es leider so das wenn man über die türkei schreibt dann doch nur weil es wieder einmal probleme gibt. die eu sollte rasch mit unterstützung antworten um die position der türkei im nahen osten zu stärken vor allem wenn man bedenkt das die türken leider nach dem zusammenfall des osmanischen reiches keinerlei interesse an grenzkonflikten im nahen osten zeigte und immer nur mit sich selber beschäftigt war. War es nicht der Westen und vor allem England die diese Grenzen mit einem Lineal zuhause bei Kaminfeuer und Champagner im Nahen Osten nach dem ersten Weltkrieg gemütlich nach eigenem ermessen ohne auf die verschiedenen Volksgruppen Rücksicht zu nehmen zogen ?
Ich wünsche Ihnen ein langes und gesundes leben ;)
Sie haben das sehr gut erkannt. Kompliment.Das zeichnet einen guten jornalisten aus.
Die Türkei spielt eine immer grössere Rolle in der Region.Das zeigen nicht nur die anstrengungen der letzten Jahre,wie sie sehr gut erkannt haben.
So langsam aber sicher verstehen es auch die EU Staaten,die nach den jüngsten konflikten ihre Energiversorgung in Gefahr sehen.
Auch und gerade hier wird die Türkei zu einem nicht weg zudenkenden verlässlichen Partner in der Region.
Die heutigen gegner der Türkei auch zum EU Beitritt, werden die velierer von morgen sein.
LG selim.aksakal aus Duisburg
Michael Thuman hat hier mehr geleistet, als eine längst fällige Korrektur des üblichen Bildes von einem Land, das offenbar ein für viele in Europa unbekanntes Geschick zeigt, geschworene Feinde an einen Verhandlungstisch zu bringen und Türen zu öffnen. Was sich in diesem ebenso mühevollen wie offenbar ernsthaften Austausch entwickelt, kann noch für große Überraschungen gut sein. Die Kräfteverhältnisse dieser Welt haben sich bereist verändert. Wir tun gut daran, uns von unseren verhängnisvollen Hoffnungen auf die - tatsächlich schwindende - Bedeutung Europas endlich zu lösen und als Partner aufzutreten, der nachgeschaut hat, was er zu der Weiterentwicklung des Friedens beitragen kann.
Endlich nimmt jemand die Dinge in die Hand und wartet nicht länger darauf, dass "die Anderen" reagieren.
Ganz im Sinne Atatürks wenn die Informationen der Doku stimmen die ich gesehen habe. Er war ein großer Reformer der die Türkei zu dem gemacht hat was sie heute ist. Auch wenn manche seiner Wege durchaus in der heutigen Zeit hinterfragbar wären und es alternativen gäbe. Aber grundsätzlich war er auf dem richtigen Weg; Gleichberechtigung für Frauen, Trennung von Staat und Kirche/Moschee,... .
Gute Sache. Vielleicht wird die Türkei zu einem der neuen Motoren für die Welt.
Visionen sind eine Herausforderung. Macht ist eine Illusion. Anführen bedeutet in erster Konsequenz verantwortlich und Vorbild zu sein. Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft.
Weisheit währt am Längsten.
Die Zukunft beginnt mit dem nächsten Augenblick!
Wie verträgt sich das mit Ihrem Artikel vom 22.11.2008 (Der Herrscher des Planeten Ankara)? Durch eine derart widersprüchliche journalistische Behandlung des Themas machen Sie den Pragmatismus dieser Clique um Erdogan nicht transparent, den sie in Ihrem letzten Beitrag noch so gut dargestellt haben. Im Gegenteil, Sie erwecken den Eindruck, als müsste man das hinnehmen. Machtpolitik ist halt das Einzige was den Menschen hilft, nicht wahr? Ganz ehrlich: es wäre eine Schande, wenn es dieser Türkei eines Tages gelingen sollte, sich mit dem Staat Armenien versöhnt zu haben, ohne dass das Trauma des Genozids an dem armenischen Volk – ich verweise auf meine Beiträge -, hierin einflöße und damit zufrieden stellend behandelt worden wäre. Was sind die Motive einer solchen Außenpolitik? Wem dient sie? Wovon soll sie ablenken? Ohne diese Fragen gestellt zu haben, agieren Sie apologetisch. Und Ihr letzter Beitrag wird entwertet. Und kein Wunder: Sie haben sich genau das richtige Publikum damit an Land gezogen.
Die Türkei hat noch einen langen Weg vor sich, macht aber dazu einige richtige Schritte. Darauf kann man sich wohl einigen.
Noch bin ich kein Freund eines türkischen EU Beitritts. Das muss nicht sein, solange die Türken nicht mit den Kurden zurecht kommen, und solange mit dem Irak eine Quelle von Instabilität und Terrorismus direkt vor der Haustür der Europäer liegt, die sich ja schon am Balkan die Zähne ausbeißen.
Die Türkei war 1517 bis 1917 die Führungsmacht der islamischen Welt und kann sehr viel für ihre Glaubensbrüder und Nachbarn erreichen, wenn der Westen sie in Ruhe läßt. Die letzten 100 Jahre war es die Politik des Westens, die Türkei zu schwächen und in der islamischen Welt eine Politik des teile und herrsche zu verfolgen. Heute ist diese Politik ihr über den Kopg gewachsen und droht die Welt in eine endlose Kriege zu stürzen, deshalb bekommt die türkische Friedenspolitik eine Chance.
Die Ziet ist auch umgeschwenkt, weil sie gemerkt hat, dass der Westen dabei ist, auch die Türkei zu verlieren.
[Gelöscht wg. Doppelpostings. /Die Redaktion pt.]
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