Mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Planwirtschaften Ende der achtziger Jahre ist der Staat auch im Westen zunehmend in die Defensive geraten. Der Markt wurde immer mehr zu einer Heilslehre, deren Credo darin bestand, dass der Staat als Antagonist des Marktes möglichst klein gehalten werden sollte.

Im Zentrum der wirtschaftspolitischen Agenda stand deshalb weltweit das Bestreben, die Steuern und die Staatsausgaben zu senken, soziale Sicherungsmechanismen zu reduzieren und staatliche Regulierungen weitestgehend zu abzubauen. Auf diese Weise sollte ein möglichst großer Entfaltungsspielraum für die erhofften positiven Effekte der Marktkräfte geschaffen werden.

Die Finanzmarktkrise hat dieses Paradigma massiv in Frage gestellt. Banken, Hedgefonds und Versicherungen haben in diesem Jahrzehnt alles getan, sich von den Fesseln staatlicher Regulierungen zu entledigen. Die Staaten haben diesen Prozess durch Deregulierungen unterstützt und sich weitgehend darauf verlassen, dass private Rating-Agenturen die eigentlich staatliche Aufgabe der Bankenaufsicht angemessen wahrnehmen würden. Das Resultat, dieser von vielen renommierten Ökonomen begrüßten Entwicklungen, war ein selbstzerstörerischer Prozess, der nur dadurch gestoppt werden konnte, dass der Staat bereit war, das Finanzsystem mit Liquidität und frischem Kapital zur versorgen.

Daraus folgt als zentrale Lehre für die zukünftige Rolle des Staates: Markt und Staat sind keine Gegner. Die Marktkräfte benötigen vielmehr ein starkes Gegengewicht durch einen leistungsfähigen Staat. Der Markt ist ein System, dass oft sehr kurzfristig orientiert ist, und deshalb für sich genommen keine nachhaltigen Entwicklungen gewährleistet. Das gilt für die Finanzmärkte ebenso wie für die Güter- und Arbeitsmärkte.