Interview Didi Beiersdorfer "Ich bin einfach kein Schnacker"
Dietmar Beiersdorfer, Sportdirektor des HSV, über die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Bundesliga, wechselwillige Hoffenheimer Spieler und den nackten Ernst Happel
ZEIT ONLINE: Herr Beiersdorfer, hat die weltweite Finanzkrise auch Auswirkungen auf die Bundesliga?
Dietmar Beiersdorfer: Ja, wenn die Firmen, die bei uns Business-Seats und Logen mieten, Etats kürzen müssen, dann kann sich das auswirken. Es kann sein, dass Unternehmen ihr Sponsoring einschränken müssen, dass aber auch im Privatbereich gespart werden muss und weniger Geld für Fußball übrig bleibt.
ZEIT ONLINE: Der HSV hat für manche Karten etwa gegen Werder Bremen fast 100 Euro verlangt.
Beiersdorfer: Das war an der Grenze, vermutlich sogar ein Stück darüber. Wir werden unsere Schlüsse daraus ziehen: Aus meiner Sicht werden die Karten gegen Bayern München günstiger sein als gegen Bremen.
ZEIT ONLINE: Karl-Heinz Rummenigge plädiert dafür, dass in Krisenzeiten nur noch 50 Prozent der Umsätze in Gehälter investiert werden.
Beiersdorfer: Dann haben wir noch Wachstumspotenzial, wir sind noch nicht einmal bei 40 Prozent angelangt. Aber ich halte es für wünschenswert, dass man zumindest die Ausgangssituation der Klubs definiert: Es darf nicht dazu kommen wie in den Vorjahren, als italienische und auch spanische Klubs weit über ihre Verhältnisse gelebt und versucht haben, den sportlichen Erfolg zu erkaufen. Damit haben sie das gesamte Wettbewerbsumfeld infiziert und beeinflusst. Wenn der Markt überhitzt, steigen die Gehälter, das hat negative Auswirkungen für alle.
ZEIT ONLINE: Wird das Gefälle in der Bundesliga durch die Finanzkrise noch größer?
Beiersdorfer: Die Schere geht eher noch weiter auseinander, als dass sie sich schließt. Es wird zu einer stärkeren Klassifizierung innerhalb der Liga kommen. Bislang sind die Übergänge fließend, es gibt keine so großen Differenzen wie in England und Spanien. Das könnte sich durch die Finanzkrise ändern. Wer jetzt oben steht, wird auf längere Sicht einen Wettbewerbsvorteil haben.
ZEIT ONLINE: Ärgert es Sie, wenn Vereine wie Hoffenheim andere Finanzierungs-Möglichkeiten haben als der HSV?
Beiersdorfer: Das sehe ich ganz gelassen. Ich habe zumindest noch kein Neidgefühl entwickelt. Wir haben uns mittlerweile auch gute Möglichkeiten erarbeitet. Ich finde, dass in Hoffenheim auf eine strukturierte und planerisch sinnvolle Art gearbeitet wird. Da ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden. In Hoffenheim kann noch mit relativ geringen äußeren Einflüssen gearbeitet werden. Die werden zunehmen.
ZEIT ONLINE: Wie denn?
Beiersdorfer: Auf dem Markt wird schon darüber spekuliert, dass Hoffenheimer Spieler sich vorstellen können, den Verein zu verlassen. In die Idylle, in das Biotop Hoffenheim werden auch die negativen Einflüsse der Branche Einzug halten. Die Loyalität der Spieler zu ihrem Klub wird auch in Hoffenheim begrenzt sein.
ZEIT ONLINE: Hoffenheim ist Herbstmeister, der HSV Tabellen-Vierter. Ist der HSV schon eine Spitzenmannschaft?
Beiersdorfer: Wir haben noch Potenziale, was die Synergie der Spieler angeht, was in Hoffenheim sehr gut klappt: dass die Summe mehr ist als die einzelnen Teile.
ZEIT ONLINE: Nach gutem Saisonstart fehlte zuletzt die spielerische Linie.
Beiersdorfer: Das ist momentan zweitrangig. Wir haben uns eine Zeit lang unprofessionell verhalten, weil wir in mehreren Spielen innerhalb weniger Minuten drei, vier Tore gekriegt haben. Jetzt muss ich sagen: Wir verhalten uns professionell, wir haben die Spiele gewonnen, die zu gewinnen sind. Auch wenn der Esprit und die Kreativität im Spiel nach vorne phasenweise gefehlt hat.
ZEIT ONLINE: Dafür war auch Thiago Neves vorgesehen, der Rafael van der Vaart ersetzen sollte.
- Datum 27.05.2009 - 11:46 Uhr
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