Internet-Piraterie Download als Weltanschauung
Datentauschdienste wie "The Pirate Bay" stellen den Medienkonzernen die Systemfrage – mit überlegener Logistik und juristischer Cleverness verzeichnen sie enorme Wachstumszahlen.
108 Prozent Wachstum – diese beeindruckende Zahl meldet "The Pirate Bay" , ein schwedischer Tauschbörsen-Webdienst. Von zwölf auf 25 Millionen ist die Zahl der Nutzer zwischen April und November 2008 gestiegen.
Die Betreiber, eine Handvoll Cyber-Aktivisten, bieten tatsächlich ein gutes Produkt an: die Daten der Welt. Zum Nulltarif. Vernetzte Nutzer tauschen hier ihre Festplatteninhalte aus. Der eine sucht, was ein anderer hat, und ein einfaches Programm bringt beide zusammen. The Pirate Bay, die weltweit größte dieser Kuppelstellen, vermittelt Milliarden solcher Rendezvous.
Dabei werden Terabytes von Daten, aufgeteilt in kleine Bausteine, kopiert. Aus diesem Datenstrom fischen sich die Nutzer Filme, Software, Games und Musik heraus. Aber ist das legal?
The Pirate Bay darf das, jedenfalls bisher. Das Modell hat sich als juristisch robust erwiesen. Zwar beschlagnahmte die schwedische Staatsanwaltschaft im Jahr 2006 die Server. Aber schon wenige Tage später war das Portal wieder am Netz, diesmal mit international verteilten Rechnern. Vor dem 2007 eingeleiteten Verfahren haben die Betreiber keine Angst: "Der Prozess wird unsere Unschuld beweisen", schreiben sie in ihrem Webblog.
Denn sie bieten ja selbst keine Daten an. Sie vermitteln nur Kontakte. Für die Inhalte sind aus ihrer Sicht allein die Millionen Nutzer verantwortlich – jeder nach den Gesetzen seines Heimatlandes. Das Risiko, als "Otto Normalpirat" im juristischen und technischen Wirrwarr der Tauschbörse erwischt zu werden, liegt im Nanobereich. Angesichts der enormen Anzahl von Tauschbörsen und Nutzern kommen die Staatsanwaltschaften mit der Verfolgung nicht mehr hinterher.
Für Medienkonzerne wie Warner, Dream Works oder Microsoft ist klar: Da wird nicht bloß ein bisschen kopiert. Da wird die Systemfrage gestellt. Alljährlich berechnet die Phonowirtschaft den Schaden, der ihr allein in Deutschland entsteht. Mehr als drei Millionen schwarzhörende Musikfreunde hat sie in ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2007 gezählt. 312 Millionen Songs wurden demnach ohne Bezahlung aus dem Internet gezogen.
- Datum 17.04.2009 - 14:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die Medienindustrie befindet sich im Moment in einem Technologieumbruch. Es werden viele alte Geschäftsmodele sterben aber auch viele neue kommen. Als ein Model der Zukunft sehe ich World of Warcraft und andere Multiuser Spiele.
Am Ende heisst es ein Geschäftsmodell das auf dem Verklagen der eigenen Kunden beruht ist nicht Tragfähig. Es wird viele neue Geschäftsmodelle geben und am Ende wird der Umsatz wahrscheinlich genau so hoch sein. Es werden ihn nur andere machen.
Die Firmen, speziell was Computerspiele und Musik anbelangt, sind ein grosses Stück weit selber Schuld. Das ich für ein Computerspiel , das vor einigen Jahren aufgrund der vielen Fehler noch nicht
einmal als Betaversion durchgegangen wäre 50€ bezahlen soll verstehe ich nicht und ein Spiel das dermaßen starke Kopierschutzmaßnahmen mitliefert (Starforce) , die unter anderem die klare Limitierung der möglichen Installationen und damit eine bevormundung der Nutzer zur Folge haben möchte ich mir auch gar nicht kaufen. Man muss es deswegen nicht gleich runterladen, dennoch denke ich das man sich mit diesen Maßnahmen doch selber mehr Schaden als Nutzen zufügt.
Bei Musik besteht ein ganz anderes Problem, die oftmals einfach fehlende Qualität der Musik, bei überhöhtem Preis. Ich denke mir das speziell heutzutage , sich gute Musik viel durch Mundpropaganda verbreitet , wenn man aber die ganze Musik auf VIVA , MTV und sonst überall bewerben muss, kostet das enorm viel.
Ich denke das sich auf dem Musikmarkt viel tun wird, die gute Musik wir einfach überleben und gestärkt hervorgehen. Während die DSDS stars dieser Welt kein geld mehr verdienen werden.
Also sehe ich die Downloadportale als eine Art Reinigung des Musikmarktes von Schlechtem zu gunsten des Guten durchaus in einem positiven Licht.
Aus meiner Sicht sind die Rechteinhaber vor 10 Jahren der Gier eines Monopol-Kapitalismus anheim gefallen. Das rein formale Recht (völlig losgelöst von Markt und Kundenbedürfnissen) dem Kunden Monopol-Preise abpressen zu können hat die Manager blind für die Realitäten werden lassen. Dem Kunden (vermeintlich) vorschreiben zu können, was er wann auf welchem Gerät zu welchen Preisen hören/konsumieren darf, das ist theoretisch wie rechtlich denkbar - aber eben zutiefst realitätsfern.
Die Rechteverwerter haben die letzten 10 Jahre schlicht gepennt -- und sich in rechtlichen Formalia verrannt, die sie beim Licht des Tages niemals durchsetzen werden können. Sie haben vergessen, dass es ihr Job war/ist, ihren (potenziellen) Kunden akzeptable Angebote zu machen -- akzeptabel für die Kunden!
Last but not least kommt noch hinzu, dass die Musik-Industrie mit ihren Mainstream und den ganzen geschmierten TOP-10-Radio- und Fernsehsendern bzw. Redaktionen eben auch ein höchst artifizielles Business betreiben. Es kann sein, dass eben dieses Business nur mit Hilfe dieser rechtlichen Constraints funktioniert. Allerdings wäre es dann auch nicht schade darum, wenn die normative Kraft des Faktischen diese maffiösen Strukturen aufbrechen würde - meine Meinung.
F. Mayer
Eine Industrie, die mit dem technologischen Fortschritt nicht mithalten kann und überfüssig wird hat keinerlei Recht auf staatliche Hilfe. Wir verbieten doch auch nicht den Ottomotor um das Einkommen der Droschkenkutscher zu sichern! Es sind die großen Musik-, Film-, und Spieleproduzenten, die sich am heftigsten gegen "Internetpiraten" ereifern, weil sie ihre Monopolstellungs-Felle davonschwimmen sehen. Im bestehenden System kontrollieren sie Werbeflächen und Vertiebswege - an den Großen der so genannten "Publisher" führt kaum ein Weg vorbei. Warum sollten sie einer Änderung irgendetwas Anderes entgegenbringen als feindseligen Widerstand?
Produktpiraterie ist kriminell, daran ändern auch großspurige Robinhood- Ideologien nichts (auch wenn sich Tauschbörsen nun wirklich nicht ernsthaft mit Plagiatwerkstätten für Markenfälschungen vergleichen lassen). Aber die Bekämpfung der Ursachen birgt große Chancen für die Kleinen, die Einfallsreichen und Flexiblen. Die Bekämpfung der "Piraten" hilft nur, sich nicht verbessern oder gar anpassen zu müssen. Auf lange Sicht ist das Aufbäumen der Giganten aber ohnehin ein Todeskampf. Wir sollten ihn nicht unnötig hinauszögern, sondern dafür Sorge tragen, dass ihre Nachkommen für Qualität und Wettbewerb durch Inovation stehen und nicht wieder Monopol und Profitmaximierung zum obersten Ziel erklähren! Dann stünden uns vieleicht (zumindest in Sachen Internet-Unterhaltungsindustrie) bald goldene Zeiten ins Haus.
In dieser Hinsicht: "Harr, hisst den Jolly Roger!"
-Dr. Geist
Patent- und Urheberrechte haben sich längst ad absurdum geführt und sind seit jeher moralisch höchst bedenklich (man denke nur an die Medikamente, aber das betrifft auch viele andere Branchen). Keine Industrie kann auf Dauer von künstlicher Verknappung durch juristische Gewalt leben. Die technischen Grenzen der Verbreitung von nicht nur Dateninhalten sondern auch vielen Waren sind endgültig gefallen. Entweder sie lernen damit zu leben, oder es geht ihnen wie den Dinos.
Bei all dem sogenannten Schaden, den Tauschbörsen angeblich anrichten, berechnet keiner die Gewinne der Internetprovider und Netzehersteller mit ein. Wenn tatsächlich 70% des Internetverkehrs durch Tauschbörsen entstehen, übersteigt deren wirtschaftlicher Nutzen die Geschäftseinbußen der Medienindustrie bei weitem.
Wikipedia hat eindrucksvoll und allen Unkenrufen zum Trotz vorgeführt, dass die professionellen Urheber den freiwilligen Urhebern unterlegen sind.
Warum machen sich so viele Leute Gedanken, wie die professionellen Urheber in Zukunft zu bezahlen seien? Vielleicht weil sie selbst professionelle Urheber sind? Wikipedia zeigt aber deutlich, dass man problemlos auf professionelle Urheber verzichten kann. Die Freiwilligen produzieren keine schlechteren Inhalte, kosten weniger und haben Spaß dabei. Ich sehe keinen Grund warum dies bei Musik und Software anders sein sollte, siehe z.B. Linux.
Ich glaube in 100 Jahren wird man entsetzt auf eine Zeit zurückblicken, in der Information ein veräußerbares Gut war. Wir haben die Sklaverei abgeschafft und wir kämpfen heutzutage für die weltweite Durchsetzung der Redefreiheit.
Doch wo soll dies enden? Die einzige konsistente Weiterführung dieses Gedanken liegt in der Etablierung der Information als ein allgemeines unveräußerliches Gut.
Eigentlich müssten ich den Worten meiner Vorredner (m/w) gar nichts hinzufügen. Außer z.B., dass die Rechteinhaber (MI & Co.) davon ausgehen, dass jede herunter geladene CD eine nicht gekaufte CD ist. Das ist absoluter Schwachsinn.
Des Weiteren: bei Spore konnte man sehen, wie Amazon negative Kritiken gelöscht hat, weil diese Überhand nahmen: mit der CD installiert - wie so häufig - ein Rootkit, dass Hackern Tür und Tor öffnet und ungefragt installiert wird. Eigentlich müsste das in D verboten sein.
Bin ich eigentlich der Einzige, dem es sauer aufstößt, dass die Piratenpartei gleichzeitig mit illegalen Downloads genannt wird, als ob diese von ihr legalisiert werden sollen? Die PP versucht, mit der Kulturflatrate (o.ä.) eine saubere Lösung - anders als Massenabmahnungen der Rechteinhaber (warum stehen die eigentlicht nicht in dem Artikel?) zu finden.
Fazit: von der ZEIT bin ich eigentlich Besseres gewohnt.
Danke für die Beiträge bisher!
Die "Kulturflatrate" ist nach meinem Kenntnistsand keine offizielle Position der Piratenpartei, sondern lediglich ein loses Denkmodell, dass (u.a.) auch von ihr diskutiert wird. Siehe auch: http://wiki.piratenpartei...
Davon abgesehen behauptet der Artikel nicht, dass jeder Download einem entgangenen Verkauf entspricht (das behaupten nicht einmal die Herstellerindustrien). Dass die Strafverfolgungsbehörden mit der Prozesslawine der Hersteller reichlich zu tun haben (und deshalb vielen Fällen nicht mehr nachgehen können, wird erwähnt -- Näheres findet der aufmerksame ZEIT-Leser hier: http://www.zeit.de/2008/3...
Dass, wie in anderen Kommentaren angedeutet, ein Open-Source-Modell (wie etwa das von Linux und Wikipedia) ohne Weiteres auf alle Medienformen (etwa auch auf aufwendige Filmproduktionen und AAA-Games) zu übertragen wäre, halte ich für eine gewagte These.
Schönen Abend noch,
Martin Ganteföhr
Danke für die Beiträge bisher!
Die "Kulturflatrate" ist nach meinem Kenntnistsand keine offizielle Position der Piratenpartei, sondern lediglich ein loses Denkmodell, dass (u.a.) auch von ihr diskutiert wird. Siehe auch: http://wiki.piratenpartei...
Davon abgesehen behauptet der Artikel nicht, dass jeder Download einem entgangenen Verkauf entspricht (das behaupten nicht einmal die Herstellerindustrien). Dass die Strafverfolgungsbehörden mit der Prozesslawine der Hersteller reichlich zu tun haben (und deshalb vielen Fällen nicht mehr nachgehen können, wird erwähnt -- Näheres findet der aufmerksame ZEIT-Leser hier: http://www.zeit.de/2008/3...
Dass, wie in anderen Kommentaren angedeutet, ein Open-Source-Modell (wie etwa das von Linux und Wikipedia) ohne Weiteres auf alle Medienformen (etwa auch auf aufwendige Filmproduktionen und AAA-Games) zu übertragen wäre, halte ich für eine gewagte These.
Schönen Abend noch,
Martin Ganteföhr
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