Familienurlaub Wohin mit den Kindern?

Urlaub mit Kindern ist nicht immer ganz einfach. In dem einen Hotel sind Zwergerln nicht willkommen, im anderen langweilen sich die Teens. Doch es geht auch anders – wenn man die Auswahlkriterien kennt

„Wow!“ Angesichts des riesigen Kletterparks verschlägt es dem Junior fast die Sprache. Vor ein paar Stunden im Auto hat der Siebenjährige noch wortgewaltig mit den Eltern gestritten. In ein Wellnesshotel? Er? „So ein Sch…..“ Jetzt hat der Papa Mühe, ihn zwischen all den anderen Kletterern noch akustisch zu erreichen. Wie lange er bleiben will? „Kommt halt später mal wieder, wenn ihr euch ausgeruht habt …“

So geschehen vor noch gar nicht langer Zeit im Cavallino Bianco in Südtirol. Das Haus wirbt mit dem Titel „1. Family Spa Grand Hotel“, doch auf den ersten Blick unterscheidet sich das Cavallino durch nichts von anderen Vier-Sterne-Wellness-Hotels: Nobel die Einrichtung, zahlreich das Personal und gigantisch das Angebot, das von der Gesichtsbehandlung bis zum Rosenbad für Paare reicht. Und doch ist hier alles anders: Denn während Kinder sonst in Hotels der gehobenen Kategorie allenfalls geduldet werden, stehen sie hier im Mittelpunkt. Und das heißt nicht nur, dass Kinder betreut werden und sich im Kletterpark austoben dürfen, während die Eltern mal alleine sein wollen. Sondern es bedeutet auch, dass es ganz spezifische (Wohlfühl-)Angebote für Kinder und Familien gibt.

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Eine schöne Ausnahme, meinen Sie? Nein. Die Herberge steht an der Spitze einer Entwicklung, die vor ein paar Jahren begann und immer konkretere Formen annimmt: Hotelkonzepte für die ganze Familie – und das in allen Kategorien. Das Cavallino gehört zu den kürzlich gegründeten Leading Family Hotels & Resorts. Unter dieser Marke haben sich bislang drei Hotels im Alpenraum zusammengeschlossen, die Urlaub auf Vier-Sterne-Niveau anbieten. (Infos unter www.leadingfamilyhotels.com ). Ihre Ausstattung ist komplett auf Familien zugeschnitten, das Freizeitangebot ebenfalls, wobei alle Altersgruppen berücksichtigt werden.

Doch auch für den kleineren Geldbeutel gibt es Gütesiegel. Das wohl bekannteste ist die „Kinderhotel“-Auszeichnung, die vor allem Häuser in Österreich tragen. Darunter vor allem auch solche im Zwei- und Drei-Sterne-Bereich. Diese Hotel garantieren eine familienfreundliche Ausstattung wie kindersichere Steckdosen, Flaschenwärmer, Hochstühle im Restaurant und bieten viel Platz zum Toben für die Kleinen sowie feste Betreuungszeiten. Damit Eltern auch mal Zeit für sich haben. (Infos unter www.kinderhotels.com ).
Ähnliche Ansprüche prämieren in der Schweiz das Siegel Kidshotel ( www.kidshotel.ch ) und das in Deutschland entstandene Siegel Familotel (www.familotel.de ). Letzteres tragen Häuser in Deutschland, Österreich, Italien, Schweiz und Ungarn, Zielgruppe sind zu 90 Prozent deutsche Familien. Das bedeutet, dass dort immer auch Deutsch gesprochen wird. Anders als die Kinderhotels lebt man bei den Familienhotels weniger Wert auf die Ausstattung als auf einen fairen Interessenausgleich. „Das heißt, Eltern sollen sich genauso wohlfühlen wie Kinder, Großeltern oder Singles mit Kind“, erläutert Dörte Behrmann, die für die Familienhotels Öffentlichkeitsarbeit macht.

Doch Gütezeichen sind nicht das Einzige, worauf Eltern bei der Auswahl eines Hotels achten sollten. Zumal ja auch nicht alle Eltern Wert auf ständige Betreuung legen, wie Franziska Fehle-Friedel, Geschäftsführerin im Parkhotel Bayersoien, betont. Seit gut einem Jahr spricht das Hotel, das bislang weitgehend ältere Gäste hatte, vermehrt auch Familien an. Dazu gehört dann zwar auch ein Betreuungsangebot während der Ferien, ansonsten aber, so Fehle-Friedel, selbst Mutter, „geht es darum, das Personal zu sensibilisieren und von den anderen Gästen auch mal Toleranz einzufordern“. Das klappe nicht immer, „aber immer besser“.

Das Parkhotel ist längst nicht das einzige Haus, das sich Familien zuwendet – auch, weil die älteren Gäste ausbleiben. Besonders für Eltern, die nicht nur mit anderen Familien urlauben wollen, lohnt es sich daher, auch in ganz normalen Hotels nachzufragen. Denn viele Kinder- und Familienhotels sind inzwischen dazu übergegangen, ausschließlich Familien als Gäste zuzulassen – nicht unbedingt jedermanns Sache.

Folgende Aspekte sollten Eltern bei der Wahl ihres Urlaubsortes beachten:

  • Kinderbetreuung . Ist organisierte Betreuung überhaupt ein Kriterium? Wenn ja, erfragen Sie, für welche Altersgruppe diese in der gewünschten Reisezeit tatsächlich angeboten wird. Vorsicht: Außerhalb der Ferienzeiten bleiben vor allem ältere Kinder (ab 10 Jahre) auch in ausgewiesenen Kinderhotels oft außen vor.
  • Gästestruktur . Klären Sie insbesondere in normalen Hotels vorab, wie viele Familien mit Kindern welcher Altersklassen im Schnitt zu Ihrer Reisezeit im Hotel sind. Im Zweifel wenden Sie sich hierzu direkt an die Geschäftsführung, denn nur wenn diese Kindern gegenüber aufgeschlossen ist, ist es auch das Personal. Meiden Sie Hotels, in denen Ruhe oberstes Gebot ist.
  • Wellness . Sondieren Sie vorab, welche Einschränkungen Schwimmbad und Wellnessbereich für Kinder haben. Gibt es Angebote wie Familiensauna, stehen für Kinder eigene Bereiche oder Rutschen zur Verfügung? Ist nichts in dieser Richtung vorhanden, sind die anderen Gäste vermutlich nicht begeistert von spielenden Kids.
  • Spielzimmer . Erfragen Sie, ob es Aufenthaltsräume für Kinder gibt, wie diese ausgestattet sind und vor allem, wo sie liegen: Finden Sie sich im Keller kurz vor der Tiefgarage, nimmt man die Bedürfnisse von Kindern in diesem Haus ganz offensichtlich nicht sehr ernst.
  • Essen und Trinken . Familienhotels bieten zumeist Vollpension mit speziellem Kinderbuffet und rund um die Uhr freie Getränke für die Kids. Oft werden auch spezielle Kinderessen organisiert, damit die Eltern das Essen als Paar genießen können. Wenn Sie darauf keinen Wert legen, sollte aber zumindest sichergestellt sein, dass es Kindermenüs gibt.
 
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