Krieg in NahostGeschichte eines Dauerkonflikts

Von der Unabhängigkeit Israels 1948 über den Sechstagekrieg 1967 bis zu den Konflikten zwischen Hamas und Fatah von Christian Weiss

chronologie konflikt gaza

Beginn des Sechs-Tage-Krieges: Israelische Soldaten rücken am 5. Juni 1967 im südlichen Gaza-Streifen gegen einmarschierte ägyptische Truppen vor  |  ©Micha Han/GPO via Getty Images

14. Mai 1948:
Ben Gurion verliest die Unabhängigkeitserklärung Israels im Stadtmuseum von Tel Aviv. Doch noch in der Nacht greifen Ägypten, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien den neuen Staat an. Die Geschichte des Staates beginnt mit einem Krieg, der auf israelischer Seite als Unabhängigkeitskrieg, auf arabischer Seite als "Nakba", die Katastrophe, in das Geschichtsbewusstsein einging. Von vielen Arabern wird die von der UN beschlossene Teilung Palästinas und die folgende Vertreibung hunderttausender Palästinenser aus ihren Siedlungsgebieten als Gewaltakt ohnegleichen empfunden. Bis heute zählt die Frage der Rückkehr der Vertriebenen und ihrer Nachkommen, etwa 4,5 Millionen Palästinenser, zur umstrittensten und ungeklärtesten des Nahost-Konflikts.

Ost-Jerusalem fällt nach dem ersten Arabisch-Israelischen Krieg von 1948/1949 an Trans-Jordanien. Jordanische Sicherheitskräfte kontrollieren die östlichen Stadtteile sowie das gesamte Westjordanland, wo die meisten Palästinenser leben. Im von Jordanien beherrschten Ost-Jerusalem kommt es immer wieder zu Kundgebungen gegen die jüdischen Nachbarn.

Mitte der fünfziger Jahre:
Israel größte Sorge heißt Ägypten. Die Grenze verläuft am südlichen Ende der Negev-Wüste. Das Gebiet liegt an der ägyptischen Sinai-Halbinsel. Die ägyptische Armee hat nach dem Krieg 1948/1949 den palästinensischen Gaza-Streifen eingenommen.

Juli 1956:
Ägypten verkündet die Verstaatlichung des Suezkanals. Die Suezkanal-Gesellschaft war bis dahin eine internationale Aktiengesellschaft. Zu den Großaktionären gehörten Großbritannien und Frankreich. Der Regierung in Paris war Ägyptens Staatschef Nasser bereits vor der Suezkrise ein Dorn im Auge. Zusammen mit Großbritannien und dem neu gegründeten Staat Israel bereitet man einen Krieg vor. Ägypten und Syrien schließen ein Verteidigungsabkommen und gründen ein gemeinsames Oberkommando der Armee. Das ist das Zeichen für Frankreich, England und Israel, die durchgeplante "Operation Musketier" einzuleiten.

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Oktober 1956:

Israel fliegt einen Angriff über dem ägyptischen Sinai. Bodentruppen erobern den Gaza-Streifen und den größten Teil der Sinai-Halbinsel.

Frühjahr 1957:
Israel zieht sich nach zähen Verhandlungen im Frühjahr 1957 aus den eroberten Gebieten zurück. UN-Friedenstruppen sichern nun die Grenzen zwischen Israel, dem Gaza-Streifen und Ägypten.


17. Mai 1967:
Ägyptens Präsident Nasser verlangt den Abzug der UN-Truppen aus Ägypten. Der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Sithu Thant gibt der Forderung nach. Ein paar Tage später lässt Nasser die Straße von Tiran sperren. Schiffe können von nun an nicht mehr die israelische Hafenstadt Eilat erreichen. Am 26. Mai 1967 erklärt Nasser Israel im Namen der gesamten arabischen Welt den Krieg.

Leserkommentare
  1. ... ist an eine Zwei-Staaten Lösung nicht mehr zu denken, ...
    http://www.abendblatt.de/...
    ...da mittlerweile über 250,000 israelische Kolonisten (sie nennen sich euphemistisch "Siedler") illegal in der WestBank residieren, nachdem in vielen Fällen das Land den indigenen Palästinensern weg genommen wurde. Eine solche Lösung, von der Fatah Abbas' immer noch angeblich "angestrebt" in Annapolis (denn die Fatah lebt gut von den US-Zuwendungen, solange sie einen sog. "Friedensprozess" in Gang hält!), wird inzwischen von den anderen Beteiligten abgelehnt:

    - Die israelischen Kolonisten wollen weder aus den besetzten Gebieten weichen, noch die Hoffnung aufgeben, die ganze West Bank letztendlich Israel einzuverleiben, etwas, was auch die sekularen Zionisten in der Regierung in Jerusalem wollen (Tzipi Livnis Vater Eitan Livni (Yerucham Bzozowitch), der frühere Operationschef der Irgun, hat von ihr einen Grabstein bekommen, der ein Gross-Israel zu beiden Seiten des Jordan zeigt!).

    - Die Hamas will sich nicht damit abfinden, dass ein stranguliertes, zerrissenes, nicht überlebensfähiges Bantustan zwischen der zerbröselten West Bank und dem Gaza Strip die letzte Bleibe der Palästinenser wird, weil sie das Völkerrecht auf ihrer Seite weiss. Auch die grosse Masse der Palästinenser lehnt eine Absegnung der jetzigen strangulierenden Apartheid in der West Bank strikt ab.

    Der Konflikt in Gaza zeigt nur den Graben zwischen der Hamas auf der einen Seite und Israels Hardlinern unter einer Decke mit den korrupten Fatah-Vertretern (wie es die Hamas richtig erkennt) auf der anderen Seite.

    Dass völkerrechtlich die israelischen Luftangriffe in dieser Härte und Dauer nicht zu vertreten sind, reagieren sie ja nur auf den völkerrechtlich berechtigten Widerstand einer vertriebenen Volksgruppe (deren Vertretung -- die Hamas -- sogar demokratische Legitimation hat), liegt auf der Hand. Da in Gaza keine schweren Waffen zur Verfügung stehen, geschweige denn Luftstreitkräfte, wird der Widerstand gegen die Besetzung palästinensischen Gebietes durch Terror geleistet (2/3 der Menschen in Gaza sind Flüchtliche oder stammen von ihnen ab). Dies passiert auch beim Widerstand gegen die anglo-amerikanische Besetzung Iraks und Afghanistans, beim letzteren sogar noch zusätzlich durch andere US-Vasallenstaaten. Dieser Widerstand gegen die Besetzung ist legitim, machen wir uns da nichts vor!

    Dieser Konflikt wird meiner Meinung nach am Ende nur ein Ergebnis aufzeigen:
    Israel wird, um den unausweichlichen Vorwurf des (erkennbaren?) Genozids loszuwerden, nicht umhin können, mit der Hamas zu reden, wie ein Staat Israel nun unter Einschluss der Palästinenser in Gaza und der West Bank möglich zu machen ist: 20% der Bevölkerung des derzeitigen Israels ist ohnehin arabisch, die Verfassung Israels garantiert Religionsfreiheit und die Amtssprachen sind ohnehin hebräisch und arabisch. Dass noch riesige Hürden zu nehmen sind, soll nicht überraschen. Israelische Araber dürfen heute noch immer nicht beim Militär dienen (was sich der jüdische Teil dann nicht länger gefallen lassen wird), Grundbesitzfragen müssen geklärt und ggf. gleichwertig ausgeglichen werden, die Rechtsstellung muss neu geregelt werden (vor Kurzem noch mussten 8 arabische Ehefrauen (von der West Bank stammend), die mit israelischen Arabern in Israel verheiratet waren, Israel verlassen -- die Familien wurden faktisch zwangs-getrennt).

    Letztlich stehen alle Israelis vor den Alternativen:
    1) weiterhin Permakrieg, oder
    2) Abschied vom Konzept des Judenstaates (also Frieden in einem Staat mit allen), oder,
    3) wenn die Aufgabe des Judenstaates, per se, nicht für möglich gehalten wird (nur die Hälfte der israelischen Juden soll tatsächlich religiös sein), dann müssen die Grenzen von vor 1967 (ohne Mauer auf palästinensischem Gebiet!) wieder hergestellt werden, ob es den Kolonisten/Siedlern nun passt oder nicht. Die Hamas hat wiederholt festgestellt, dass sie auf dieser Basis mit Israel verhandeln will, was ja faktisch einer Anerkennung Israels gleich kommt.
    Das Argument, die Hamas wolle die Realitäten nicht anerkennen, ist unredlich. Bundeskanzlerin Merkel liegt hier derart daneben, dass jeder Deutsche nervös werden muss, dass jemandem mit derartiger Realitätsferne die deutsche Politik anvertraut wurde. Auch Merkels Rede vor der Knesset im Frühjahr 2008 bezüglich "uneingeschränkte Unterstützung des deutschen Volkes" sprach nicht für die Mehrheit dieses Landes. Es war Israels langjährige Kolonisierungspolitik (Eyal Weizman hat darüber geschrieben in The Politics of Verticality), die diese unmögliche Situation schuf und es obliegt Israel nun, zu definieren, wie es aus dieser nachhaltig das Völkerrecht verletzenden Situation wieder herauskommen will. Aber herauskommen muss die Welt aus dieser extrem polarisierenden Situation.
    Und hier liegt auch die Aufgabe der EU, das Mögliche und Nötige mit allen Parteien (Israel, Fatah, Hamas) auszuloten. Sollte Israel sich weiter dagegen sperren mit der Hamas zu reden (statt zu bomben!), müssen Sanktionen (auch ein Warenboykott von und nach Israel ist notwendig!) durchgesetzt werden, die auch schon das andere Apartheidsregime in die Knie zwang: Südafrika. Wie die letzten 41 Jahre kann es jedenfalls nicht weiter gehen!
    Die EU muss darauf dringen, dass nicht länger nur Israel und die USA die Agenda dort verwässern, und als erstes überhaupt muss die Hamas als legitime, gewählte Vertretung der Palästinenser anerkannt werden. Frau Merkel ist kein ehrlicher Makler, weder der deutschen, noch der israelischen Interessen -- derartige Politik korrumpert beide Länder, denn wir leisten den Kriegsverbrechen Hilfestellung, wenn man berücksichtigt, dass die jetzt sechsmonatige Abriegelung Gazas mit der Blockade Sarajewos in den '90ern zu vergleichen ist, und die damaligen verantwortlichen Kriegsverbrecher sind inzwischen im Haag angeklagt und verurteilt worden.

    Es ist nicht auszudenken, welch einen positiven Einfluss ein vereinter Staat Israel, oder Palästina, oder welchen Namen der sonst hat, auf den ganzen Nahen Osten haben könnte. Der dann mögliche Frieden würde den Libanon, Syrien und Ägypten befruchten und aus der Stasis herausführen, in der sich die ganze Region befindet. Der Nahe Osten könnte endlich zu seinem Potential zurück finden.

    Ehrlich verhandeln ist besser als Töten und ethnische Vertreibungen, auch für das moralische Selbstverständnis Israels.

    - - -

    Wer einem Hungernden zu Essen gibt, wird als Heiliger gepriesen. Wer ihn aber fragt, warum er hungert, wird von den Kleptokraten als Kommunist verteufelt.

  2. dass dieser konflikt nicht erst mit der gründung des staates israels beginnt. vielleicht sollten sie versuchen, die wurzeln zu zeigen.

  3. Artikel 7:
    (…) Hamas ist eines der Glieder in der Kette des Djihad, die sich der zionistischen Invasion entgegenstellt…
    Der Prophet – Andacht und Frieden Allahs sei mit ihm, – erklärte: Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!

  4. Diese Aufzählung von historischen Daten und Fakten es Konfliktes macht vor allem eines deutlich : es handelt (und handelte sich nie) um einen israelo-palästinensischen Konflikt, sondern um einen Nahost-Konflikt.

    Gleich wie man zur Staatsgründung Israels 1948 steht, es bleibt die Tatsache, daß 5 arabische Länder gleichzeitig Israel am Folgetag angegriffen haben. Da wurde nicht versucht zu verhandeln, da wurden keine Kompromisse gesucht. Israel sollte ausgelöscht werden.
    Der Wunsch, Israel von der Landkarte zu tilgen ist noch heute in allen arabischen Nachbarländern Programm : steht eindeutig im Koran, wird täglich eindeutig in Moscheen gepredigt, wird so in Schulen unterrichtet, ist Kernpunkt der Parteiprogramme islamischer Parteien.

    Vor diesem nicht zu leugnenden Hintergrund müssen die Aktivitäten Israels und die bisher gescheiterte internationale Diplomatie gesehen werden.

    Vor diesem Hintergrund kann man die Lösung von Kommentator 1., "ein gemeinsamer Staat", nur als Wunschtraum bezeichnen.

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  • Schlagworte Geschichte | Krieg | Ariel Scharon | Hamas | Hisbollah | Nahost
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