Der massive Angriff Israels auf den Gaza-Streifen ist in der arabischen Welt und in Iran auf Wut und Ablehnung gestoßen. Gekrönte und ungekrönte Staatsoberhäupter kritisierten die "Besatzungsmacht" Israel und forderten sie auf, die "kollektive Bestrafung" der Gaza-Bewohner einzustellen. In den Straßen von Kairo, Damaskus, Beirut und Amman gingen Tausende auf die Straße, um ihrer Empörung Luft zu machen. In Iran unterbrach das Parlament in Teheran seine Sitzung, weil die Abgeordneten minutenlang "Tod Israels!" riefen.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut versuchten Hunderte von Demonstranten, zur ägyptischen Botschaft vorzudringen. Sie forderten von Ägypten, die Grenzen zu Gaza zu öffnen, wo 1,5 Millionen Menschen unter der israelischen und ägyptischen Blockade leben. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Protestaktion zu beenden. Auch am Sitz der Vereinen Nationen in Beirut kam es zu Protestaktionen. Dort wurde ein Einschreiten der UN gefordert.

Die radikal-schiitische Hisbollah-Bewegung im Libanon, die sich im Sommer 2006 einen einmonatigen Krieg mit Israel geliefert hatte, bezeichnete den Gaza-Angriff als "Kriegsverbrechen und Völkermord", welche ein unverzügliches Eingreifen der internationalen Gemeinschaft erforderlich machen würden. Der libanesische Präsident Michel Suleiman machte aber zugleich auch klar, dass sein Land nicht - wie 2006 - als Abschussrampe für auf Israel gerichtete Raketen dienen werde. Jeder müsse die Souveränität des Staates respektieren.

In Ägypten selbst kam es in der Hauptstadt Kairo und fünf weiteren Orten zu Demonstrationen. Dabei wurden israelische Fahnen verbrannt. Im Irak versammelten sich Tausende, darunter in der Hauptstadt Bagdad und in den sunnitischen Städten Samarra und Falludscha. Im Jemen organisierte die Partei von Präsident Ali Abdullah Saleh eine Protestaktion in einem Stadion der Hauptstadt Sanaa, an der vorwiegend Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes teilnahmen. "Israel ist euer Feind", stand auf Transparenten.

Die schärfsten Reaktionen kamen jedoch aus Teheran, dessen Führung als erbittertster Gegner Israels in der Region gilt. So rief der Iran Muslime in aller Welt dazu auf, die Palästinenser zu verteidigen. In einem religiösen Erlass von Staatsführer Ajatollah Ali Chamenei hieß es, die Verteidigung schutzloser Frauen, Kinder und der Menschen im Gaza-Streifen mit allen Mitteln sei eine Pflicht für alle palästinensischen Kämpfer sowie alle gläubigen Muslime.

Irans Präsident Mahmud Ahmedineschad prophezeite darüber hinaus in einem Telefongespräch mit dem Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, erneut den angeblich nahenden "Kollaps des zionistischen Regimes". Parlamentspräsident Ali Laridschani erklärte in der von Tumulten unterbrochenen Sitzung der Volksvertretung, dass es Israel bald mit einer dritten palästinensischen Intifada (Volksaufstand) zu tun bekommen werde. Teheran werde diese dann "nach allen Kräften unterstützen", fügte er hinzu.