Israels Angriffe Die größte Militäraktion seit 1967
Zwei Tage voller Bomben, 6500 mobilisierte Reservisten, eine drohende Bodenoffensive, der Nahe Osten in Aufruhr: Jerusalem macht ernst, und Gaza beklagt mehr als 300 Tote

© Getty Images
Ein zerbombtes Wohngebiet in Rafah im Gazastreifen: Die Zahl der Toten steigt auf mehr als 300, die israelische Armee fliegt weiterhin immer neue Angriffe
Die Operation "Gegossenes Blei" ist die massivste Offensive israelischer Streitkräfte seit dem Sechstagekrieg im Juni 1967: Israel hat am Wochenende den Gaza-Streifen bombardiert, um so den permanenten Raketenbeschuss seiner Grenzorte zu unterbinden. Seit dem Samstagmorgen wurden dabei nach palästinensischen Angaben mindestens 300 Menschen getötet, darunter auch Frauen und Kinder sowie 180 Militante. Etwa 1000 Menschen seien verletzt worden. Die Zahl der Todesopfer war die höchste, die im Nahost-Konflikt seit der Staatsgründung Israels je an einem Tag erreicht wurde.
Die inzwischen mehr als 120 Angriffe der israelischen Kampfflugzeuge gelten vor allem der radikal-islamischen Organisation Hamas, die seit 2007 die Regierung im Gaza-Streifen bildet. Rund 50 ihrer Einrichtungen, darunter Polizeistationen, Gebäude der Sicherheitskräfte, Ausbildungsgelände, eine Fernsehstation sowie Waffendepots, sollen von 64 Kampfjets gleichzeitig zerstört worden sein. Auch mehrere führende Hamas-Mitglieder, darunter der Polizeichef und der Hamas-Sicherheitschef, wurden getötet. Israelische Medien berichteten, dabei seien in den ersten neun Stunden der Offensive mehr als 100 Tonnen Sprengstoff abgeworfen worden.
Nach Augenzeugenberichten wurde nicht nur der Al-Saraja-Gefängniskomplex mit mehreren Hauptquartieren der unterschiedlichen Hamas-Sicherheitsorganisationen beschossen, sondern auch das Hauptquartier der Hamas-Regierung in der Stadt Gaza getroffen und schwer beschädigt. Mehrere Menschen seien verletzt worden. Es sei eine schwere Explosion zu hören gewesen, dichter Rauch sei über dem Gebäude aufgestiegen.
Beschossen wurden auch rund 40 der insgesamt 600 Schmugglertunnel, die nach der fast vollständigen Abriegelung des Gaza-Streifens durch Israel unterhalb der Grenze zu Ägypten entlangführen. Die Palästinenser schmuggeln vor allem Zigaretten, Treibstoff, Kleidung sowie elektrische Geräte. Israel wirft der radikal-islamischen Hamas vor, durch diese Tunnel auch Raketen, Waffen und Bargeld zu schmuggeln.
Auch eine Moschee in der Stadt Gaza wurde angegriffen. Zwei Menschen seien getötet worden, sagten palästinensische Sanitäter. Ein Militärsprecher begründete den Beschuss mit "terroristischen Aktivitäten". Israel versuche, die Bombardierung von religiösen Stätten zu vermeiden. "Wer aber für Angriffe auf Israel verantwortlich ist, wird nirgendwo Zuflucht finden". Zudem habe auch die Hamas Gebetshäuser in Israel angegriffen, zuletzt habe eine Rakete eine Synagoge beschädigt.
Gewalt folgt Gewalt: Die Hamas jedenfalls richtet ihre Raketen auch weiterhin auf israelische Siedlungen. Erstmals schlugen dabei zwei sogenannte Grad-Raketen südlich von Aschdod ein. Die israelische Hafenstadt liegt rund 30 Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt. Bislang hatten die Raketen der militanten Palästinenser keine solche große Reichweite. Nach Angaben einer Armeesprecherin schlugen im Laufe des Tages rund 40 Raketen auf israelischem Boden ein. Gestern traf eine Rakete ein Haus in der Stadt Netivot, ein Mann kam ums Leben.
Derweil haben Hunderte Palästinenser versucht, den Grenzzaun zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten zu überwinden. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der ägyptischen Grenzpolizei, die die Palästinenser jedoch zurückdrängte. Die Palästinenser warfen Steine, die ägyptische Polizei feuerte Warnschüsse. Eine nicht näher genannte Zahl von Palästinensern sei verletzt worden.
- Datum 07.05.2009 - 13:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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