Gewalteskalation in Gaza Der Westen schaut besorgt gen Nahost
Zwei Tage voller massiver Luftangriffe, mehr als 280 Tote, eine drohende Bodenoffensive der Israelis: Die Weltgemeinschaft hat ein sofortiges Ende der Gewalt gefordert

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Flammen und Rauchschwaden in Rafah: Die Weltgemeinschaft schaut entsetzt und besorft auf die jüngsten blutigen Ereignisse im Gaza-Streifen, wo Israel unbeirrt Luftangriffe fliegt und eine Bodenoffensive angedroht hat
Die Eskalation der Gewalt im Gaza-Streifen hat weltweit große Besorgnis hervorgerufen. Unter anderem der UN-Sicherheitsrat, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, Papst Benedikt XVI. sowie zahlreiche Staaten forderten ein Ende des Blutvergießens.
Hilfsorganisationen äußerten indes die Befürchtung, dass sich die durch die monatelange israelische Blockade ohnehin angespannte humanitäre Lage weiter zuspitzen werde. Die in dem Palästinensergebiet tätigen Organisationen warnten zudem vor einem "großangelegten militärischen Eindringen" der Israelis, das "verhängnisvolle Folgen für die Bevölkerung hätte".
Der UN-Sicherheitsrat verlangte nach einer vierstündigen Dringlichkeitssitzung von Israel und der radikal-islamische Palästinenser-Gruppe Hamas ein sofortiges Ende der Gewalt. "Die Mitglieder des Sicherheitsrats haben angesichts der Eskalation der Lage ihre große Besorgnis zum Ausdruck gebracht", teilte der kroatische Botschafter Neven Jurica als amtierender Vorsitzender des höchsten UN-Gremiums mit. "Die Mitglieder haben die Parteien aufgerufen, alle militärischen Handlungen sofort zu stoppen." UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte ebenfalls ein sofortiges Ende der Gewalt.
Auch die westliche Diplomatie und Politik zeigte sich besorgt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier billigte Israel zwar das Recht auf Selbstverteidigung zu, mahnte aber zugleich Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung an. Es sei an der Hamas, den Raketenbeschuss auf Israel sofort einzustellen, sagte Steinmeier. "Für die einseitige Aufkündigung der Waffenruhe mit Israel durch die Hamas fehlt der Bundesregierung jedes Verständnis", sagte der SPD-Politiker. Hamas müsse den Raketenbeschuss sofort und dauerhaft einstellen.
Die USA mahnten Israel zur Zurückhaltung. Zugleich betonte der Sprecher des Weißen Hauses, Gordon Johndroe, jedoch: "Hamas' anhaltende Raketenangriffe auf Israel müssen aufhören, wenn die Gewalt ein Ende finden soll." Der russische Außenamtssprecher Andrej Nesterenko forderte Israel auf, "die Kampfhandlungen, die bereits zu großen Verlusten und viel Leid unter der friedlichen palästinensischen Bevölkerung geführt haben, zu beenden". Und auch sein chinesischer Kollege, Außenamtssprecher Qin Gang, äußerte sich besorgt. Die beteiligten Parteien sollten "ihre Differenzen durch einen Dialog beilegen".
Man verurteile sowohl die israelischen Bombenangriffe als auch den Raketenbeschuss, teilte unterdessen die französische EU-Ratspräsidentschaft in Paris mit. Die EU verlange einen Stopp der Angriffe. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy warf Israel unverhältnismäßigen Gewalteinsatz vor. Auch der britische Premierminister Gordon Brown zeigte sich "zutiefst besorgt" über die Angriffe aus dem Gaza-Streifen auf Israel und die Antwort Israels darauf.
Papst Benedikt XVI. verurteilte den Gewaltausbruch ebenfalls. "Das Geburtsland Jesu darf nicht weiter Zeuge für so viel Blutvergießen sein, das sich endlos wiederholt", sagte das katholische Kirchenoberhaupt. Es forderte einen erneuten Waffenstillstand. Und der südafrikanische Friedens-Nobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu rückte die israelischen Luftangriffe gar in die Nähe von Kriegsverbrechen. Da "eine Konfliktpartei Tod bringende Flugzeuge gegen Gegner aufbietet, die nichts zu ihrer Verteidigung haben" trage die Bombardierung alle Anzeichen von Kriegsverbrechen".
- Datum 07.05.2009 - 13:50 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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